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Mittwoch, 17. Januar 2018 7

Menschen

Heinz Haas – eine Sportlegende

Reiten, Tennis, Golf, Fußball, Skifahren, Eishockey... Warum der Haas Heinz 75 geworden ist, aber immer noch nicht gescheit.
Von Johannes Schiedermeier

Mit seinem Trakehner Romulus startete der Haas Heinz auch eine kleine Reiter-Karriere. Fotos: Kutscha

Cham.Da lehnt er in der Redaktion am Aktenschrank, dieser Heinz Haas, lässig mit seinen 75 Jahren und erzählt so nebenbei, dass es ihn gestern mit dem Rad geworfen hat. Auf die Frage, ob man denn im Alter nicht irgendwann gescheiter wird, grinst er wie ein Lausbub und sagt: „Weißt, wennst einmal gescheiter wirst, dann geht’s dahin!“ – Der Haas Heinz ist zu Lebzeiten eine Sportlegende. Wenn man die älteren Chamer fragt, dann wiegen sie bedächtig mit dem Kopf und sagen: „Jaaa, der Haas Heinz ...“

Der Haas Heinz (rechts) wusste sein Leben lang, wie man lebt. Das Bild, das er sich selbst ausgesucht hat, zeigt ihn mit Petra Haas (links), Horst und Waltraud Stimmelmayr bei einer Ski-Pause nach dem Arber-Besuch. Foto: Kutscha

Seine Freunde wollten ihm ein kleines Denkmal setzen und haben für das Bayerwald-Echo einmal in ihren Erinnerungen gekramt. Alte Bilder haben sie uns geschickt und viele alte Geschichten. Und ein bisserl was hat uns der Haas Heinz auch selber erzählt. Zum Beispiel, dass seine Sportkarriere vor sechs Jahren einen jähen Knick bekam, als der Blitz in seinen Rücken fuhr. „Da ist ein Nerv kaputt gegangen. Deswegen fahr ich jetzt Rad.“

Beim Bayern-Doc

Seine Freunde Walter Schwetz und Heinz Kutscha haben noch den entsprechenden Schwank dazu beigesteuert. Als nämlich der Haas Heinz seine Rückenbeschwerden versorgen lassen wollte, ist der auf die Idee gekommen, den Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt damit zu behelligen. Kurzerhand lief er mit einem Stapel Zeitungsberichten über seine Chamer Sportkarriere dort auf. Zehn Minuten später saß er schon auf der Behandlungs-Couch. „So einen vielseitigen Sportsmann habe ich noch nicht behandelt“, habe der Doc gesagt.

Nein, das ist nicht Björn Borg – das ist der Haas Heinz zu seinen besten Tennis-Zeiten. Wenn der Kierst Harry in Erlangen den Schläger weggezogen hätte, dann wären die Chamer damals in die höchste deutsche Liga aufgestiegen. Foto: Kutscha

In den besten Zeiten trafen sich die Tennisspieler jeden Abend und spielten bis in die Nacht. Und hätte der Kierst Harry damals in Erlangen beim Verbandsspiel im richtigen Moment den Schläger weggezogen, wäre der entscheidende Ball ins Aus gegangen und die Chamer in die höchste bayerische Liga aufgestiegen.

Und so sieht es aus, wenn man damals mühsam per Hand und Schere das vorbildliche Bewegungs-Profil eines Ski-Asses zusammengesetzt hat. Auch dieses Andenken hat der Haas Heinz gefunden. Foto: Kutscha

Und Skifahren konnte der Haas Heinz auch. Und wie. Der Zimmermann Sepp fuhr die Chamer Crew damals mit seinem Lieferwagen zu allen Rennen. Und der Männer Xaver hat ihnen sogar einen transportablen Lift organisiert, zusammen mit dem ASV. Ein Motorradmotor mit einer Umsetzrolle am anderen Ende wurde auf der Luitpoldhöhe installiert. Damals gab es noch Schnee in Cham. Man konnte mit dem Schlitten vom Katzberg in einer Steilkurve durch den Stadtpark über die ungesalzene Ludwigstraße bis zur Bahnunterführung rodeln.

Der Ski Völkl hat den erfolgreichen Chamer Rennfahrern immer wieder Ski gegeben, und die Freunde vom Heinz schwören, dass das an den abgesetzten Seitenstreifen der Renntrikots gelegen hat: „Wir haben ausgesehen wie die Nationalmannschaft.“ Dabei hatte die Streifen die nette Modeschöpferin Stumpf angepasst, die in der Nähe der Böhmerwald Bettfedernfabrik residierte.

Sogar eine kleine Reiter-Karriere startete der Haas Heinz mit seinem Trakehner Romulus, der in der Reitanlage Liebenstein stand. Mit ihm gewann er die Großlandmeisterschaft.

Golf und Eishockey

Dann kam Golf. In vier Wochen schaffte der Haas Heinz die Platzreife am Voithenberg und reihte sich nach einigen Jahren mit Handicap 4 auf Platz 437 der besten deutschen Golfspieler ein.

Der Haas Heinz war passionierter Golfer, der jede Chance nutzte. Hatte ein Bauer gerade gemäht, bat er um Erlaubnis, steckte 100 Meter weiter einen Skistecken in den Boden und los ging’s. Foto: Kutscha

Ach ja – Eishockey war auch noch. Da wurde in München im Internat gespielt und beim Lederhofer Kare im Chamer Freibad trainiert. Dann fuhr der Haas Heinz nach Regensburg und wurde sofort in die erste Mannschaft aufgenommen, wo er eine ganze Vorsaison spielte. Allerdings war das einfach zu weit und widersprach dem Lebensmotto des Haas Heinz: „Wennst was machst, dann machs gscheid oder gar net!“ Auf die Frage, wie man so sportlich altert, sagt der Haas Heinz: „Viel Sport. Und rauchst Du?“ – „Nein!“ – „Sehr gut!“

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