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Region Cham
Samstag, 16. Dezember 2017 5

Pflege

Im Gesundheitswesen ist Reden Gold wert

Mangelhafter Austausch kann zu Behandlungsfehlern führen. Ein Aktionstag will deshalb für gute Kommunikation sensibilisieren.
Von Bastian Schreiner

Ein gelungenes Arzt-Patienten-Gespräch kann die Behandlung fördern – zur Freude aller. Foto: Sana

Roding.Während Ärzte nur begrenzt Zeit haben, ihre Patienten über Behandlungsschritte zu informieren, trauen sich Patienten oft nicht, Fragen und Probleme zu äußern: Unzureichender Austausch zwischen den Akteuren kann im Gesundheitswesen zu Behandlungsfehlern und Schadensfällen führen. Um diese zu vermeiden, will der Tag der Patientensicherheit, der heuer unter dem Motto „Wenn Schweigen gefährlich ist“ steht, für eine gute und sichere Kommunikation sensibilisieren.

„Die Hürden für ein gelungenes Gespräch sind groß“, weiß Christine Standecker. Gerade deshalb sei ein strukturierter Austausch untereinander enorm wichtig. Das predigt die Gesundheits- und Pflegepädagogin auch ihren Schülern in der Berufsfachschule für Krankenpflege der Sana Kliniken des Landkreises Cham. In der dreijährigen Ausbildung in Roding spielt das Fach „Deutsch und Kommunikation“ eine zentrale Rolle.

Hierarchien als Handicap

„Kommunikation ist das A und O“, sagt Christine Standecker. Foto: Schreiner

Aber auch anhand von Fallarbeiten, mit simulierten oder realen Beispielen, werden die relevanten Punkte durchgesprochen und von allen Seiten beleuchtet. „Das ist ein wichtiges Trainingslager für unsere Schüler“, sagt Standecker. Außerdem erhöhe ein offener Austausch auf der Station im Krankenhaus bei der Übergabe von einer Schicht zur nächsten die Patientensicherheit.

Die Gesundheits- und Krankenpfleger sieht sie als Bindeglied zwischen Arzt und Patient. Beim Austausch mit den Ärzten stellen oftmals Hierarchien ein Handicap dar. Zum einen sei eine gute Chemie die Basis für ein intaktes Miteinander, zum anderen müsse die Fachsprache sitzen. „Ich sage den Schülern immer, kauft euch gleich ein Vokabelbuch, aber nicht für Englisch oder Spanisch, sondern für Medizinisch“, erzählt Standecker mit einem Augenzwinkern. Wenn der Arzt von einer Koloskopie spricht, sollte man schon wissen, dass es sich um eine Darmspiegelung handelt.

Denn auf der anderen Seite müssen die Pflegekräfte den Patienten und Angehörigen die Fachbegriffe auch verständlich erklären. Um angemessen auf Fragen oder Zwischenfälle reagieren zu können, müssen sich die Beschäftigten in die Situation des Patienten hineinversetzen. „Empathie ist da ganz wichtig“, betont die Pädagogin. Dadurch könne man Vertrauen aufbauen. Apropos: Meistens vertrauen die Patienten dem Pflegepersonal mehr sensible Informationen an als dem Arzt.

Aktive Mitarbeit ist wichtig

Dass Patienten manchmal Dinge verschweigen, sei in gewisser Weise nachvollziehbar, könne sich aber auch lebensgefährlich auswirken. Deshalb der Rat der Expertin: „Die Patienten sollen trotz Erkrankung oder Verletzung selbstbewusst sein, Fragen stellen und genaue Angaben machen.“

Ansonsten würde einiges im Verborgenen bleiben. „Um gute Arbeit leisten zu können, sind wir auf die aktive Mitarbeit der Patienten angewiesen“, sagt sie.

Eine wichtige Rolle nehme auch der Arzt ein. Christine Standecker wünscht sich, dass der oder die Patienten etwas länger und genauer zuhört. Ein gelungenes Arzt-Patient-Gespräch könne die Behandlung nämlich fördern. Passen sich die Ärzte an die Kommunikationsebene ihrer Patienten an, sei der Austausch viel effizienter. Zusammenfassend, so Standecker, sei die Kommunikation zwischen dem Dreigespann Arzt-Pfleger-Patient am wichtigsten.

Jedoch dürfe man die weiteren Partner – Physiotherapeuten, Logopäden, Psychologen oder Ergotherapeuten – in diesem Kreislauf nicht außer Acht lassen. „Das A und O ist der interdisziplinäre Austausch“, meint Standecker und fügt ein Arzt-Zitat ihrer Masterarbeit an: „...Hier geht es um zielgerichtete Arbeit professioneller Kollegen und Sicherheit für die Patienten.

Verbessern alle Akteure in der Gesundheitsbranche die Gesprächskultur, kann ein wichtiger Beitrag für die Patientensicherheit geleistet werden. Denn letztendlich steht das Wohl des Patienten im Mittelpunkt.

3. Tag der Patientensicherheit

  • Datum:

    Am Sonntag, 17. September, findet der internationale Tag der Patientensicherheit statt.

  • Thema:

    Das Thema lautet „Kommunikation im Gesundheitswesen“.

  • Ziel:

    Das diesjährige Ziel ist, für eine gute Kommunikation zu sensibilisieren.

  • Veranstalter:

    Veranstalter in Deutschland ist das Aktionsbündnis Patientensicherheit.

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