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Montag, 20. November 2017 10

Internet

Im Netz lauern zahlreiche Gefahren

Birgit Zwicknagel vom Verein „Computermäuse Stamsried“ referiert vor Eltern der Grundschulen Schorndorf und Untertraubenbach.

„Großes Lob an Sie!“: Birgit Zwicknagel von den Computermäusen Stamsried freute sich in Schorndorf über das große Interesse von Seiten der Erziehungsberechtigten und forderte sie auf, selbst auf dem Laufenden zu sein und sich mit den Neuen Medien zu beschäftigten. Fotos: csa

Schorndorf. Eltern lassen ihre Kinder im Internet oft allein – teils mit unabsehbaren Folgen. Umso erfreulicher war es, dass der gemeinsame Elternabend der Grundschule Schorndorf und der Lorenz-Gradl-Grundschule Untertraubenbach zum Thema „Clever ins Netz“ in Zusammenarbeit mit den Computermäusen Stamsried hervorragend besucht war.

„Großes Lob an Sie, ich hatte bei meinen Vorträgen schon lange keine so große Zuhörerschar mehr“, war die Referentin des Abends, Birgit Zwicknagel sehr beeindruckt. Zunächst begrüßte Schorndorfers Grundschulleiterin Claudia Urban neben den Eltern auch ihre Schulleiter-Kollegin Hildegard Braun aus Untertraubenbach sowie einigen Vereinsvertreter.

Allgegenwärtiges Problem

Es lauern viele Gefahren im Netz, so Urban, sei doch das Internet aus dem Alltag der Kinder und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Birgit Zwicknagel betonte dann, das Thema neue Medien sei ihr als Mutter von drei Kindern immer wichtig gewesen, auch sei sie selbst als bekennender Internetfan sehr interessiert habe. Leider würden sehr oft die Erziehungsberechtigten ihren Nachwuchs anonymen Erpressern, Kinderschändern und sogar Mördern im Internet schutzlos ausliefern. Dabei hätten die Eltern die Aufsichtspflicht gegenüber ihren Kindern –auch in den sozialen Medien. Das Problem sei allgegenwärtig, in Stadt und Land: „Kinder, die mit Nacktfotos erpresst werden, gibt es an jeder Schule!“

Seit 2014 ist laut Zwicknagel der Verein Computermäuse Stamsried aktiv. Seither seien alle Arten von Straftaten bis hin zum Selbstmord von Kindern und Jugendlichen aus Ostbayern „über den Schreibtisch gegangen“ –viele : „Fälle, die zu verhindern gewesen wären, wenn die Eltern nur einmal das Handy angeschaut hätten“. Dabei seien Eltern bei unter 14-Jährigen aufsichtspflichtig und müssten wissen, welche Fotos, Videos und Texte ihre Kinder posten und teilen. Von Kinderporno bis IS-Propaganda gelte wie auf der Baustelle „Eltern haften für ihre Kinder“. Natürlich mache es keinen Sinn, aus purer Angst den Umgang mit den neuen Medien gänzlich zu untersagen, sei doch das Beherrschen der Technik längst Grundvoraussetzung für jeden qualifizierten Beruf. Und auch in den Schulen stelle die fortschreitende Digitalisierung ein erklärtes Ziel dar.

Es sei unabdingbar, die Kinder auch beim virtuellen Erwachsenwerden zu begleiten. Diese Aufgabe sei nicht leicht, schließlich gibt es ständig neue Apps, neue Spiele mit eigenen Chats, neue Soziale Netzwerke. Inzwischen sei leider üblich, dass Drittklässler mit Erwachsenen Onlinespiele zocken, was für Triebtäter der denkbar einfachste Weg sei, Vertrauen zu gewinnen und Abhängigkeiten zu erzeugen.

Genauso bestürzende Naivität sei es, wenn Mädchen Fotos von sich in Communities posten, da diese von jedermann kopiert und beispielsweise auf Pornoportalen hochgeladen werden könnten. Und damit sind die Kinder schon erpressbar. Allerdings könnten auch Kinder sehr schnell vom Opfer zum Täter werden, wenn sie etwa begännen, Mobbing zu betreiben.

Öffentliche Profile sollten auf keinen Fall den Namen, das Geschlecht und das Alter preisgeben, so Zwicknagel. Viel zu oft würden sogar noch Telefonnummer und Adresse veröffentlicht. Der Referentin war ein Fall bekannt, bei dem die Mutter ihrer neunjährigen Tochter das Facebook-Profil eingerichtet hatte. Pädophilen falle es so leicht, in ihrer Nähe nach Opfern zu suchen. Nicht selten seien es sogar Verwandte oder Bekannte, die mit Fake-Profilen agieren. Leider ist ein Problem, so Zwicknagel: Ein gefaktes Profil an sich stellt noch nicht eine Straftat dar, die geahndet werden kann, strafbar ist tatsächlicher Missbrauch oder Kinderpornografie bzw. Anbahnung.

Das Vertrauen nicht verlieren

Das Wichtigste im Umfang mit Cyberkriminalität sei Offenheit. Eltern, die ihre Kinder bestrafen, wenn sie Probleme mit dem weltweiten Netz bekämen, würden alles nur noch schlimmer machen. „Jugendliche verlieren dadurch ihr Vertrauen.“

Zusammen mit der Jugendsozialarbeit und dem Verein der Computermäuse werde bei Problemen eine Lösung gesucht. Eltern, die direkt von ihren Kindern angesprochen würden, könnten sich glücklich schätzen: „Ihr Kind ist mit einem Problem zu Ihnen gekommen – eine höhere Auszeichnung gibt es für Eltern nicht!“

Die Referentin mit den beiden Schulleiterinnen Claudia Urban (Schorndorf, r.) und Hildegard Braun (Untertraubenbach, l.)Foto: csa

Birgit Zwicknagel – sie ist freie Dozentin für den sicheren Umgang mit den Neuen Medien und Vorsitzende des Vereins „Computermäuse Stamsried“ – erörterte noch weitere Bereiche wie die Suchtgefährdung. Bei einer abschließenden Fragerunde stand sie den Anwesenden ausführlich und kompetent Rede und Antwort. Die beiden Schulleiterinnen bedankten sich abschließend mit einem Blumenstrauß für den äußerst interessanten, engagierten und informativen Abend. (csa)

Die Computermäuse

  • Die Computermäuse

    sind eine Medienschutz-Initiative für den sicheren Umgang mit den Neuen Medien.

  • Gegründet

    wurde der gemeinnützige Verein 2005.

  • Ansprechpartner

    sind an erster Stelle Birgit Zwicknagel und Miriam Brenke, aber auch weitere Mitglieder.

  • Angeboten

    werden bietet Eltern und Kindern gleichermaßen schnelle, kostenlose Hilfestellung bei Problemen und Fragen rund um die Neuen Medien.

  • Erreichbar

    ist der Verein jederzeit per Email info@clever-ins-netz.de oder per Handy (die Nummer steht unter Kontakt auf www.clever-ins-netz.de)

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