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Region Cham
Freitag, 19. Januar 2018 5

Tradition

In der Chamer Weihnachtsbäckerei

Bäckermeisterin Kerstin Berg erinnert sich an ihre Kindheit in der Backstube und alte Lieblingsrezepte von Oma Schäfer.
Von Claudia Peinelt

Bäckermeisterin Kerstin Berg hinter der Plätzchentheke in ihrer Weihnachtsbäckerei Fotos: Peinelt

Cham.Um halb Drei Uhr nachts gehen die Lichter in Kerstin Bergs Schlafzimmer an. Momentan herrscht Hochbetrieb in der Bäckerei Schäfer, da noch dazu ein Bäcker ausgefallen ist. Aber das ist die Bäckermeisterin nun schon gewohnt. Oder auch nicht? Wir besuchen sie vormittags um zehn Uhr und irgendwie sieht Kerstin tatsächlich ziemlich müde aus. „Ja, manchmal leg ich mich vormittags nochmal kurz hin. Da ist Jakob, mein Sohn, in der Schule und da brauch’ ich einfach eine Mütze Schlaf“, erzählt sie. Doch dieser Schlaf sei nicht der, den man sich vorstelle. Man schläft zwar, doch so richtigen Tiefschlaf finde man da nicht.

Bereits als kleines Kind war Kerstin schon in der Backstube ihres Papas Fritz Berg. Meistens ist sie in einem Korb neben dem Backtisch gesessen und hat ihrem Papa zugeschaut, wie er den Teig knetete, Plätzchen ausstach oder Brot formte.

Ein ganz einfaches Rezept

Im Büro der Bäckermeisterin steht eine Eckbank und auf dem Tisch ein Blumenstrauß. Draußen am Gang sind gerade noch die Handwerker am Werkeln und im Laden der Bäckerei ist einiges los. Trotz allem holt sich Kerstin Berg einen Kaffee, setzt sich auf die Eckbank und erzählt: Von ihrer Oma, ihrer Kindheit und ihrem Papa. Ja, zur Schäfer-Oma, wie sie sie liebevoll nennt, da ist sie als Kind schon immer gern hingegangen. „Die hat extra für mich so eine kleine Truhe hergerichtet, wo ich immer mit ihr zusammen backen durfte“, erzählt sie und lächelt dabei.

Beim Teig kneten in der Backstube werden Kindheitserinnerungen wach. Fotos: Peinelt

Ganz besonders gern hat sie als Kind bei Oma den Ameisenkuchen gebacken. Eigentlich ein ganz einfaches Rezept, da alles mit einem Becher abgemessen werde, aber für sie als Kind war das dann doch schwierig. Und bei Oma, da gab es keine genauen Zutatenangaben. „Nimmst halt a bisserl vom Zucker und Mehl und schaust dann halt, hat Oma immer gesagt. Und mit der Backzeit, das hatte meine Oma immer so im Auge“, erzählt Kerstin Berg.

In der Vorweihnachtszeit einfach mal schnell in den Keller laufen, einen Mürbteig holen und oben in der Küche von Mama Mehl auf den Tisch sieben, den Teig drauf und mit dem großen Nudelroller ausrollen, wer kann das schon? „Ganz dick war der Teig da immer. Und dann hab ich meine Sterne ausgestochen und die Herzen und den Christbaum. Und der Papa musste es dann am nächsten im großen Backofen in der Backstube backen“, erinnert sie sich. Essen konnte die dicken Dinger keiner, aber das war egal.

Rezept: Ameisenkuchen von Oma Schäfer

  • Zutaten

    Einen Becher Sahne: diesen Becher für alle anderen Abmessungen benutzen, 1 Becher Salatöl, 2 Becher Zucker, 3 Becher Mehl, 4 Eier, jeweils 1 Päckchen Backpulver und Vanillezucker, 100 g Schokostreusel, 1 Becher gemahlene Nüsse.

  • Zubereitung

    Alles zu einem geschmeidigen Teig verrühren und in eine gefettete Kastenform füllen. Bei 175 Grad etwa eine Stunde auf der mittleren Schiene im Backofen backen. Eine Stäbchenprobe wäre von Vorteil, um festzustellen, ob der Kuchen fertig ist. (cci)

Ja, in der Weihnachtsbäckerei war Kerstin Berg also von Kind an. Und eigentlich immer gerne. Es stellte sich eigentlich nie die Frage, ob sie das Bäckereihandwerk überhaupt erlernen möchte. „Für mich war das klar, dass ich das mache. Bis die Lehrzeit vorbei war“. Dann wollte sie raus, aus der Backstube und aus Cham. Und sie machte eine zweite Ausbildung zur Erzieherin. Einige Jahre war sie schließlich in Altdorf, bis sie wieder zurück in die Chamer Heimat und die Bäckerei kam. Sie machte ihren Meister und übernahm die Bäckerei. Ihr Sohn Jakob war zwei Jahre alt und es war alles nicht so einfach. Jakobs Oma Gunda war da eine riesig große Hilfe.

Die Liebe zum Backen

Nun denn, die Liebe zum Backen und auch zum Kochen hat Kerstin Berg immer noch. Und sie kann immer noch nicht an den Plätzchen vorbei gehen, ohne eines in den Mund zu stecken. „Freilich mag ich nach so einem Tag mit Plätzchenbacken und im Verkaufsraum stehen schon mal eine Wurstsemmel. „Aber ich kann den Geruch von Zimt und Lebkuchengewürz immer noch riechen und es gab Zeiten, da habe ich in meiner Wohnung abends mit Jakob noch gebacken“.

Jakob ist jetzt elf Jahre und er hat keinen, oder noch keinen Draht zur Backstube. „Aber das kann alles noch kommen. Hier gibt es bestimmt von mir kein Muss. Wenn er das Handwerk erlernen möchte, ist es gut, wenn nicht, passt es auch“, so Kerstin Berg.

Jetzt wollen wir natürlich noch wissen, was ihre Lieblingsplätzchen sind. „Nougatstangen und Vanillekipferl, dafür sterbe ich... fast“. Und ja, das Backverhalten habe sich mit der Zeit verändert, erklärt sie noch. In der heutigen Zeit sind sehr viele Frauen berufstätig und haben nur wenig Zeit zum Backen. Da wird dann das Weihnachtsgebäck aus der Bäckerei geholt, was Kerstin Berg freut. Ansonsten gibt es die altbewährten Plätzchensorten. Schön nacheinander hingerichtet zeigen sich Vanillehörnchen, Butterplätzchen, Bärentatzen und Lebkuchen von ihrer leckersten Seite. Gerne würde man da einfach hineingreifen und sich eine Handvoll herausholen...

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