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Region Cham
Sonntag, 17. Dezember 2017 9

Soziales

Integration wird gelingen

Jobcenterchefs berieten über Herausforderungen duch Flüchtlinge.

Die Jobcenterchefs der Oberpfalz

Cham.Nach 2006 und 2009 tagten die Geschäftsführer der Oberpfälzer Hartz IV-Behörden am 30. Oktober auf Einladung ihres Chamer Kollegen Josef Beer bereits zum dritten Mal in Cham. Dabei standen die personellen und inhaltlichen Herausforderungen aufgrund der Zuständigkeit der Jobcenter für die anerkannten Flüchtlinge im Mittelpunkt der Beratungen.

Die Oberpfälzer Jobcenter sind von den Auswirkungen der Fluchtsituation überdurchschnittlich stark betroffen: Während im Durchschnitt der bundesweit 400 Jobcenter 12,8 Prozent der erwerbsfähigen Hartz IV-Leistungsberechtigten anerkannte Flüchtlinge sind, liegt der durchschnittliche Anteil in der Oberpfalz bei 23 Prozent. Spitzenreiter sind der Landkreis Kelheim (42 Prozent), der Landkreis Neumarkt (30 Prozent) und der Landkreis Cham (28 Prozent). Den kleinsten Anteil verzeichnen der Landkreis Neustadt/WN (15 Prozent) und die Stadt Regensburg (16 Prozent).

Aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen stellten die Tagungsteilnehmer fest, dass man bei der Integration von anerkannten Flüchtlingen nicht in Monaten, sondern in Jahren denken muss. Zunächst müssen die Betroffenen Sprach-, Integrations- und Qualifizierungskurse absolvieren, um die grundlegenden Voraussetzungen zu erfüllen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Trotz dieses für die Flüchtlinge steinigen Weges waren die Jobcenter-Chefs verhalten optimistisch. „Wenn man uns und auch den Flüchtlingen selbst genügend Zeit lässt, und wenn die lokalen Netzwerke aus Behörden, Arbeitgebern, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Bildungsträgern und ehrenamtlichen Helfern auch zukünftig so hervorragend funktionieren, wird die Integration von Flüchtlingen gelingen“, fasst Beer die Einschätzung der Tagungsteilnehmer zusammen.

In diesem Zusammenhang sehen die Oberpfälzer Geschäftsführer die noch von der alten Bundesregierung geplante Mittelausstattung 2018 sehr kritisch. „Wenn die neue Bundesregierung die Verwaltungs- und Eingliederungsmittel nicht deutlich aufstockt, werden viele Jobcenter im kommenden Jahr einen deutlich kleineren Handlungsspielraum bei der Betreuung der Langzeitarbeitslosen haben“, so Beer. Seine Behörde zum Beispiel müsste trotz steigender Kundenzahlen mit einem um über 300000 Euro (acht Prozent) geringeren Gesamtbudget auskommen.

Auch mit der Sicherheit der Jobcenter-Mitarbeiter befassten sich die Geschäftsführer. Nachdem es immer wieder zu verbalen und tätlichen Angriffen kommt, setzten immer mehr Jobcenter auf den Einsatz von Sicherheitsdiensten. Mehrere seiner Kollegen, so zum Beispiel auch in Schwandorf und Regensburg, seien bereits dazu übergegangen, so Beer. Für das Jobcenter Cham sehe er keinen entsprechenden Bedarf. Das seit einem tödlichen Angriff im Jobcenter Rothenburg 2014 erstellte Chamer Sicherheitskonzept, angefangen von der Videoüberwachung, über eine Alarmierung und Verbindungstüren zwischen allen Büros bis hin zu Selbstverteidigungskursen, genüge den derzeitigen Anforderungen.

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