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Region Cham
Donnerstag, 19. Oktober 2017 18° 3

Ehrung

Kultur in ihrer ganzen Vielfalt

Der Bezirk vergab den Jugend-Kulturförderpreis in Schönthal. Die Grundschule ist unter den drei Ausgezeichneten für das Naturprojekt „Villa Pinau“.
Von Petra Schoplocher

Schönthal.Größer hätte der Kontrast auf der Bühne kaum sein können: Singende Kinder mit einem ansteckenden Lachen auf der einen Seite, nachdenklich machende junge Erwachsene auf der anderen. Genau dieser Kontrast aber war es, der am Mittwochabend neben drei ausgezeichneten Künstlern und Gruppen augenscheinlich einen weiteren Sieger hervorbrachte: die Jugend-Kultur im Bezirk.

Dieser verlieh in der Grundschule Schönthal zum 13. Mal seinen Förderpreis. Zum sechsten Mal kam dabei mit der Grundschule Schönthal eine ausgezeichnete Gruppe aus dem Landkreis Cham. Zusammen mit den Buben und Mädchen, deren Naturprojekt „Villa Pinau“ gewürdigt wurde, durfte eine Abordnung des Vereins Musical und Theater Neumarkt die Urkunde und das Preisgeld aus Händen von Bezirkstagspräsident Franz Löffler entgegen nehmen.

„100 Prozent Anwesenheit des Gemeinderats“ seien ebenso ein deutliches Zeichen der Wertschätzung für die Preisträger und den Stellenwert der Auszeichnung wie auch der Besuch von vielen Bezirksräten. So vielen, dass der Bezirkstag sogar beschlussfähig gewesen wäre, wie „Chef“ Löffler anerkannte. Von diesen hatten einige selbst Anfahrtswege aus Weiden oder Tirschenreuth in Kauf genommen, um zu gratulieren.

Bedeutung über Ort hinaus

Franz Löffler hatte auch die Aufgabe, die Laudatio auf die Preisträger aus „seinem“ Landkreis zu halten. Vor mehr als zehn Jahren errichteten Schüler aus herumliegendem Waldmaterial, Holz und Laub ein Bauwerk. Geschaffen wurde laut Löffler aber viel mehr als das rund 200 Quadratmeter große „Gebäude“, das seinen Namen einem Forstwald namens Pinau verdankt. Vermittelt würde der Sinn für Einfachheit, Umweltbewusstsein, aber auch Empathiefähigkeit. „Das Projekt hilft, die Persönlichkeiten der Kinder zu stärken“, zeigte sich der Bezirkstagspräsident überzeugt.

Löffler hob noch etwas anderes hervor, das dem Kulturausschuss besonders imponiert habe: Die Netzwerkarbeit, denn auch Kinder anderer Schulen, unter anderem aus Rötz und Waffenbrunn, besuchen die „Villa Pinau“ regelmäßig, der Kontakt zum Kindergarten ist eng. Damit habe das Projekt Bedeutung über die Schule und den Ort hinaus.

Wie für die Kleinen, denen Franz Löffler schon nach deren szenischer Darstellung ihres Projekts versichert hatte, dass „nun jeder weiß, warum ihr den Preis bekommen habt“, meinte auch der zweite Laudator des Abends, Bezirksrat und Kulturreferent Thomas Gabler, dass das Auftreten der zweiten Gewinner vom Verein Musical und Tanz Neumarkt für sich selbst spräche. Während eine gesangliche Kostprobe aus dem Musical „Hitlerjunge Adolf“ die Qualität des Projekts eindrucksvoll vor Augen führte, ließen wohl keinen im Saal die Einspielungen der Aufführung kalt.

Auf zwei Zeitebenen erzählt das selbst geschriebene und selbstkomponierte Musical die Geschichte von Adolf, der als Mitglied der Flieger-Hitlerjugend den Verlockungen des Nationalsozialismus erliegt und der als gealterter Mann dann mit ansehen muss, wie sein Enkel in die Neonazi-Szene abzudriften droht.

Ganzheitliche Umsetzung

Gewürdigt wurde von der Jury aber nicht nur das Musical selbst, sondern auch die Einbindung von den gesammelten Bildungsträgern in Stadt und Landkreis, Vereinen und Schulen. Das Projekt „Lass die Vergangenheit ruhn!? Neumarkt 1945: verFührt – nie wieder“ sei ganzheitlich umgesetzt worden, sagte Gabler. Auch, dass es sich um eine Fortsetzung einer Aktion aus dem Jahr 2011 zur Geschichte der Juden in Neumarkt handelte, gefiel der Jury. Denn die Thematik sollte nicht in Vergessenheit geraten, mahnte er.

Dem Verein, der nicht umsonst abgekürzt „MuT“ heiße, zollte er hohen Respekt. Es bedürfe Mut, ein immer noch aktuelles Thema auch in seinen aktuellen Entscheidungen aufzugreifen: „Der Name ist Programm“.

Lob in Abwesenheit

Die dritte Preisträgerin, die 15 Jahre alte Ronja Künkler, konnte bei der Preisverleihung nicht anwesend sein. Der kurze Umriss ihres Engagements, das sich insbesondere in heimatkundlichen Projekten wiederfindet, erstaunte das Publikum schon, als es nur von der Aufarbeitung des Frauenaufstands in Weiden 1917 oder einer Theaterinszenierung hörte.

Wie auch schon Franz Löffler zeigte sich Gabler in seinem Schlusswort von dem großen Spannungsfeld, in dem sich die Jugendkultur im gesamten Bezirk bewegt, angetan. Momente wie die in Schönthal seien der beste und lebendige Beweis, dass Jugend und Kultur nicht nur zusammen passen, sondern zusammen gehören.

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