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Region Cham
Mittwoch, 22. November 2017 3

Aktion

Kunst kennt keine Behinderung

Einen Monat lang stellen 27 Bad Kötztinger Geschäfte Schaufenster für die Kunstwerke von behinderten Künstlern zur Verfügung.
Von Stefan Weber

Gemälde, Holz-Skulpturen und getöpferte Werke stehen seit Donnerstag in zahlreichen Geschäften der Innenstadt – es lohnt also ein zweiter Blick in die Schaufenster. Fotos: S. Weber

Bad Kötzting.In großer Runde haben sich die Teilnehmer und Initiatoren des Kunstwanderweges in der Innenstadt am Donnerstagvormittag in den Räumen der Sparkasse versammelt. Franz Rabl, stellvertretender Marktbereichsleiter, begrüßte die Initiatoren dieser besonderen Kunstausstellung – und natürlich ganz besonders die ausstellenden Künstler, die zahlreich vertreten waren.

„Unbehinderte Kunst“ im Schaufenster lautet der Name der Aktion, die der Verein Stadtmarketing gemeinsam mit der Psychosolzialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Cham an diesem Tag gestartet hat.

Die Künstler und Initiatoren eröffneten den Kunstwanderweg. Fotos: S. Weber

Die Künstler haben allesamt eine Behinderung und bekommen so eine Plattform für die Gemälde und Skulpturen, die sie angefertigt haben. „Kunst kennt keine Behinderung – Vor der Kunst sind wir alle gleich“, sagte Wolfgang Rießelmann, Geschäftsführer der PSAG. Und es sei Kunst, was in den 27Schaufenstern der Bad Kötztinger Geschäfte zu sehen sei: „Richtig gute, ehrliche Kunst.“

Künstler mit Behinderung malten und töpferten „aus dem Bauch heraus“ und müssten sich nicht verbiegen, nur um Erfolg zu erzielen. Sie hätten eine „völlig intuitive Sicht auf die Dinge“, seien keiner Mode oder dem wirtschaftlichen Erfolg unterworfen, „auch wenn etliche der Exponate käuflich zu erwerben“ seien.

Es geht um (K)uns(t)

Als Schirmherr für die Aktion konnte Stadtpfarrer Herbert Mader schnell gewonnen werden. Zur offiziellen Eröffnung versicherte er, dass er sich sehr über die Anfrage gefreut habe. Das liege nicht zuletzt daran, dass er selbst leidenschaftlicher Maler sei. „Es ist schön, wenn wir auf diese Weise in uns selbst eintauchen“, sagte er. Darum könne er vom Wort Kunst auch den ersten und letzten Buchstaben streichen, so dass „uns“ übrig bleibe. „In der Kunst geht es um jeden Einzelnen von uns“, erklärte er.

Künstler, das seien nicht nur berühmte Maler wie Pablo Picasso. „Wir bringen uns so selber zur Sprache, setzen uns selbst um in Bild und Keramik.“ Die Werke seien ein Ausdruck innerer Gefühle. Mal freudig mit kräftigen Farben, mal traurig mit dunklen Tönen. Die Ausstellung in den Schaufenstern biete ein Forum, das behinderte Menschen in die Gedankenwelt der Bewohner und Besucher der Stadt bringe. Inklusion und Integration seien letztlich nur Worte, doch der Kunstwanderweg sei die konkrete Umsetzung dazu. „Ich würde mir wünschen, dass möglichst viele Menschen euer ,uns‘ durch den Kunstwanderweg in sich aufnehmen.“

Wo liegt der Unterschied?

Nachdem der Pfarrer auch noch eine kleine Spende an die beteiligten Organisationen übergeben hatte, meldete sich stellvertretender Bürgermeister Wolfgang Pilz zu Wort. Der ehemalige Kunstlehrer an der Hauptschule zeigte sich überzeugt, dass „Kunst nicht an eine gesellschaftliche Gruppe“ gebunden, die Kunst behinderter Menschen darum auch nicht anders sei als die von nicht behinderten. Carola Höcherl-Neubauer als Vorsitzende des Vereins Stadtmarketing sagte zur Begründung für die Idee des Kunstwanderweges, dass „der Herbst einfach bunt werden sollte in der Stadt“.

Wie bunt, davon überzeugten sich die Besucher der Vernissage gleich im Anschluss bei ihrem Gang durch die Innenstadt.

Die Werke reichen von realistisch bis abstrakt, von kleinen Zwergen aus Holz bis zu größeren Ton-Figuren. Die Bilder gibt es in großen Formaten, aber auch in kleineren Ausführungen, mit unterschiedlichsten Motiven. Oft lohnt der zweite Blick in ein Schaufenster, um vielleicht noch ein weiteres Bild zu entdecken. Die Preise für die Werke, die verkauft werden, liegen übrigens zwischen etwa 50 und 150 Euro. Vielleicht ist ja auch schon das passende Weihnachtsgeschenk dabei ...

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