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Region Cham
Montag, 20. November 2017 10

Ausbildung

Landwirte betreiben aktiv Naturschutz

Für jeden Bauern soll an erster Stelle der sorgsame Umgang mit Natur und Umwelt stehen. Die angehenden Landwirte lernten seltene Biotope kennen.
Von Thomas Mühlbauer

  • Albert Adlhoch erklärte den Teilnehmern den Balkenmäher. Fotos: Mühlbauer
  • Die Schüler absolvierten einen Projekttag in Schergendorf.

Falkenstein.Nicht die Schulbank drückten am Freitag die 18 angehenden Landwirte aus dem Landkreis Cham, die in ihrem ersten Ausbildungsjahr derzeit das Berufliche Schulzentrum Oskar von Miller in Neunburg vorm Wald besuchen, sondern sie fanden sich auf dem Betrieb von Albert Adlhoch in Schergendorf bei Falkenstein ein. Hier fand zum ersten Mal im Landkreis ein Landschaftspflegeprojekt „Feuchtwiese“ statt. Die Schüler und Ehrengäste wurden von Außenstellenleiter Günter Dirnberger begrüßt.

Wie Günter Dirnberger sagte, befinden sich die Schüler derzeit im Berufsgrundschuljahr Agrarwirtschaft. Hierbei findet vier Tage Unterricht an der Berufsschule statt und ein Praxistag auf den Betrieben.

„Ökologie und Umwelt“

Zum durchgeführten Projekttag am Freitag ließ Dirnberger wissen, dass Landwirte in und mit sensiblen Bereichen der Umwelt und Natur arbeiten. Dies sind unter anderem Boden, Wasser, Luft, Tier und Pflanzenarten. Die Unversehrtheit dieser natürlichen Ressourcen ist ein berechtigtes Anliegen aller Menschen und natürlich erst recht der Landwirte. So steht, laut Dirnberger, für jeden Landwirt an erster Stelle der sorgsame Umgang mit Natur und Umwelt.

Der neue Lehrplan des Berufsgrundschuljahres Agrar enthält daher in diesem Jahr neu das Unterrichtsfach „Ökologie und Umwelt“ mit dreieinhalb Wochenstunden. Im Wesentlichen werden dabei folgende Schwerpunktthemen behandelt – Umwelt- und Naturschutz, Landschaftspflege, Ökolandbau und regenerative Energien. So ist auch der heutige Tag sehr wichtig für die Schüler, wie Dirnberger herausstellte. Hierzu sagte er: „Nur durch die praktische Auseinandersetzung mit Naturschutz und Landschaftspflege kann man dieser Thematik gerecht werden. So habe man sich zum ersten Mal im Landkreis zur Durchführung einer Landschaftspflegemaßnahme entschlossen.“

Am Freitag lernten die Schüler so wertvolle und seltene Lebensräume im Feuchtbiotop von Albert Adlhoch kennen, zudem erfuhren sie die praktische Umsetzung einer Landschaftspflegemaßnahme. Hier vor allem den Umgang mit Maschinen und Geräten, Handarbeit, Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen, Erkennung der besonderen Eignung der Landwirte für Landschaftspflegemaßnahmen und schließlich das Erfahren von Landschaftspflege auch als Zuverdienstmöglichkeit.

Konrad Bierlmeier von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Cham freute sich darüber, dass die Berufsschule diese Thematik mit dem organisierten Projekttag aufgreift. Denn es ist wichtig, solche Flächen zu haben und zu erhalten. Nur dadurch, könne man die Landschaft in ihrer Vielfalt erhalten. Diese „Feuchtwiese“, die man hier vorfinde, werde immer seltener, so Biermeier.

Die Landwirte sollten auch zukünftig mit dafür sorgen, dass so viel Wasser wie möglich in der Landschaft zurückgehalten wird und in den Wiesen versickern kann, damit die Hochwasserereignisse nicht immer schlimmer werden. Es sei sehr schade, dass die Feuchtgebiete immer seltener würden, bis dahin, dass man sie an manchen Stellen gar nicht mehr vorfindt. Für die Schüler hat ein solcher Tag nach Ansicht von Konrad Bierlmeier gleich mehrere Vorteile. Zum einen lernen sie die Vielfalt der Natur kennen, zum anderen ist es auch eine wertvolle Erfahrung, Arbeiten mit der Hand, wie heute mit dem Balkenmäher oder der Motorsense auszuführen und dann per Hand zusammenzurechnen.

Abschließend machte Konrad Bierlmeier noch einmal deutlich: „Es ist natürlich zwingend notwendig, dass solche Flächen einmal im Jahr gemäht werden, denn nur dadurch kann auch die Artenvielfalt in diesen Biotopen erhalten bleiben.“

Biotoppflege ist wichtig

Josef Wutz, in seiner Funktion als Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes, dankte in seinen ersten Worten Albert Adlhoch, der es erst ermöglicht hat, dass diese Maßnahme am Hof durchgeführt werden kann. Hier sieht man auf wenigen Metern, wie Landwirtschaft und Landschaft untrennbar miteinander verbunden sind. Die Biotopflege liegt auch im Interesse der Landwirte. Zudem sprach Wutz noch den derzeit großen Flächenverbrauch an. So müssen die Landwirte auch ihre Bewirtschaftungsmöglichkeiten anpassen. Die jungen angehenden Landwirte, unter denen sich auch zwei Frauen befanden, sind das beste Beispiel, wie man aktiven Naturschutz betreiben kann“, so Wutz abschließend.

Nach der Einführung an den diversen Geräten machten sich die 18 Schüler aus dem Landkreis Cham an die Arbeit, um die Biotopfläche wieder auf Vordermann zu bringen.

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