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Region Cham
Donnerstag, 21. September 2017 17° 2

Festspiele

Letztmals musste der Drache sterben

Furths Drachenstich ist vorbei. Er endete traditionell und ganz absichtlich mit einer nicht ganz „fehlerfreien“ Aufführung.
Von Christina Schweitzer

Der Drache ist wohl kein BVB-Fan ... Fotos: Schweitzer

Furth im Wald.Jedes Jahr freuen sich die Further Bürger wieder aufs Neue, wenn die fünfte Jahreszeit – der Drachenstich – ruft. Genauso groß wie die Vorfreude ist dann aber auch der mitschwingende Wehmut, wenn es heißt, dass die letzte Vorführung der diesjährigen Festspielsaison vorbei ist. Geprägt wird die Saison jährlich natürlich vom amtierenden Ritterpaar. Bürgermeister Sandro Bauer dankte Patricia Dums und Simon Fischer, die so souverän in ihre Rollen geschlüpft und von der Spielschar sehr gut aufgenommen worden seien.

Das Ritterpaar verabschiedet sich hoch zu Ross von den Zuschauern.

Wie es sich für das letzte Spiel der Saison gehört, hat sich die Spielschar ganz kleine Änderungen im Stück erlaubt, die wohl nur einem wahren Kenner auffallen. Da waren etwa die kleinen Textänderungen, wie die falsche Uhrzeitangabe, wann das Treffen vom Ritter und dem Florian nach dem Krieg stattfinden soll; oder der Verzehr von Ziegenmilch statt Kuhmilch bei der Ankunft des Kardinals und die Auslieferung der Mörder von Udo nach Nürnberg, nicht nach Straubing. Davon abgesehen gab es auch andere kleine Vorkommnisse, die die Mitglieder der Spielschar zum Lachen brachten.

Cizeks Blick auf den Further Drachenstich

Eine Fahrt mit „Hussa-Reisen“

Die Spielsaison 2017 ist vorbei. Fotos: Schweitzer

Gleich zu Beginn des Stückes schlichen sich Reinhold Kerner, der Kardinal, und Stefanie Decker mit auf den Wagen der Sattelbogner und lösten ein Ticket für die sogenannten „Hussa-Reisen“ direkt in die Schlacht nach Böhmen. Aber auch in der Drachenlegende schien es eine Neuerung zu geben: Der Stammesführer Günther Stelzer – ja von manchen liebevoll als „Oberguru“ bezeichnet – wurde diesmal, ehe er es sich anders versah, selbst als Opfer zur Fütterung des Drachens ausgelost. Aber nicht nur in der Legendengruppe schien die Nächstenliebe groß zu sein, auch bei den Hussiten war dieses Mal Kuschelkurs angesagt. So ritten die letztjährige Ritterin Sandra Bierl und Phillip Decker gemeinsam auf einem Pferd zum Überfall vor die Burgmauern. Einen großen Lacher auf Seiten der Zuschauer rief der Kommentar des Sekretarius über die offizielle Haltung der katholischen Kirche zu „Drachen und bösäugigen Gummibärchen“ hervor.

Festspiel-Geschichte

  • Anfänge

    Ein erster Hinweis auf den Drachenstich findet sich im Further Ratsbuch von 1590. Wie weit die Tradition zurückreicht, wird sich wohl nie mehr feststellen lassen.

  • Entwicklung

    Als Kurzdrama mit leicht holpernden Versen kommt der Drachenstich ab 1879 auf die Bühne. Um 1900 klingt der Eintritt in die Kreuzzugsarmee wie ein Auftakt zum Ersten Weltkrieg.

  • Aktuell:

    Nach weiteren Veränderungen wurde 2006 ein neues Festspiel kreiert, das den Drachenstich in die Zukunft führen soll, und das dieses Jahr bereits erste Veränderungen erfahren hat. (wf)

Es gab ein „G’schenk vom G’flank“. Fotos: Schweitzer

Dass der Spieß der Machtverhältnisse im letzten Spiel auch immer wieder umgedreht werden kann, haben die Hussiten des Jan heuer erfahren müssen: Anstatt die Sattelbogner in spielerischen Tänzeleien zu besiegen, lagen sie dieses Mal kurzerhand selbst im Sand, so dass lediglich der „Girgl“ allein die Bulle stehlen konnte und ohne seine Gefährten nach Böhmen flüchtete. Im Vergleich zu den Eingriffen, die Ritter Simon Fischer lieferte, erscheinen diese Änderungen aber als Lappalien.

Alle Artikel zum Drachenstich lesen Sie hier

Abschied von den Darstellern Fotos: Schweitzer

Dass Simon sehr heimattreu und vereinsverbunden ist, weiß wohl jeder, der den diesjährigen Ritter etwas kennenlernen durfte. So zierte nicht nur das Wappen des Further Glühweinklubs, kurz GWK, sein Haus nebst Sattelbogner Wappen und Co. – zur letzten Vorführung ritt er mit der GWK-Fahne anstelle des Augsburger Fähnleins an der Lanze in die Arena ein. Er dachte sich wohl, dass die in der Grenzstadt sehr zahlreich verteilten Aufkleber und Plakate zu dem am 16.September anstehenden Weinfest seines Herzensvereins noch nicht genügen, und dass er auf diese Art die Werbetrommel noch einmal kräftig rühren könnte.

Tag-Aufführung des Further Drachenstichs

GWK und BVB waren vertreten

Pause für Pferde und Reitlehrer Fotos: Schweitzer

Neben dem Glühweinklub verehrt er aber auch schon seit Jahren den Fußballverein des BVB, weshalb er sich nach dem Spiel erstmal mit einer Fahne des Vereins unter dem Drachen postierte und von der Drachenmannschaft gleich mal eine Ladung Blut erntete. Simon Fischer meinte nur: „Ihr könnt mich mit noch so viel Blut überschütten, ich wäre trotzdem ein Fan dieses Fußballclubs“. Aber nicht nur Fahnen hatten es dem Ritter angetan: Er versenkte bei letzten Vorführung mit einem Schmetterwurf sein Schwert im Kiefer des Drachen.

Zum letzten Mal verneigten sich die Darsteller für diese Saison vor ihrem Publikum in der Arena. Fotos: Schweitzer

Trotz dieser kleinen Änderungen, die wohl wirklich nur die eingesessenen Further Drachenstichler bemerkt haben dürften, haben wohl – wie Sandro Bauer erklärte – alle das Festspiel sehr genossen. Als Dankeschön für die tolle Leistung des Rittepaares, und weil sie beide auch gebührend ihrer Wege ziehen lassen wollten, wurden Patricia Dums und Simon Fischer wieder hoch zu Ross von den Mitgliedern der Spielschar verabschiedet. Der römische Kammerdiener Florian Gruber ließ zu diesem Anlass sein a Capella gesungenes „Time to say goodbye“ vertonen. Das rief bei Patricia und Simon, die auf den Pferden Lee und Goja die letzten Runden durch die Arena ritten, die ein oder andere Träne laufen.

Blumen für Fanny zum Abschied Fotos: Schweitzer

Dass die beiden in der Spielschar verbunden sind, zeigte sich, als Belinda Reitmeier, die Sprecherin der Volkgruppierung, für die beiden im Namen des „G’flanks“ ein Präsent überreichte, dass sie wohl noch lange an diese Spielsaison zurückerinnern lässt.

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