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Region Cham
Donnerstag, 14. Dezember 2017 4

Kommune

Lixenried macht mobil gegen Funkmast

In Lixenried droht erneut eine Bürgerinitiative gegen einen Mobilfunk-Masten. Die Stadt Furth sieht rechtlich keine Chance.
Von Johannes Schiedermeier

Thomas Graf hat sich an die Spitze einer Bürgerinitiative in Lixenried gesetzt, die am Schindbühlweg, in seiner direkten Nachbarschaft, gegen die Aufstellung eines Mobilfunkmastens demonstrieren will. Fotos: Schiedermeier

Furth im Wald.Der Further Stadtteil Lixenried macht mobil gegen die Aufstellung eines Funkmastens am Schindbühlweg. Der Vorbesitzer des Hauses mit Pferdestallung hatte den Vertrag unterschrieben und dann das Anwesen verkauft. Eine Frau aus dem Landkreis Regensburg kaufte die Immobilie samt Vertrag.

Bürgermeister Sandro Bauer hat den Lixenriedern signalisiert, dass er keine rechtlichen Chancen für die Stadt sieht, den Bau erneut zu verhindern: Der Mast sei unter zehn Meter hoch und damit genehmigungsfrei, erklärte der Bürgermeister auf eine Anfrage des Lixenrieder Stadtrates Michael Engl im Bauausschuss und schlug dessen Bitte um Unterstützung aus.

Der eingesessene Lixenrieder Engl kennt die Vorgeschichte gut. Er war damals zwar nicht im Stadtrat, hat aber im seinem Stadtteil das miterlebt, was man ganz vorsichtig als „Aufruhr“ bezeichnen könnte. „Da gab es auch handfeste Drohungen. Ich bin ganz froh, dass ich damals noch nicht im Stadtrat war. Der Vertrag wurde noch unter Mithilfe von Bürgermeister Macho gekündigt.“ Engl versteht seine Mitbürger: „Wir sind ein 600-Seelendorf. Viele waren mit großen Bedenken bei mir. Nachbarn sind gekommen und haben gebeten, Bürgermeister Sandro Bauer einzuschalten. Eine Zeitlang waren wir verschont. Jetzt droht wieder Unruhe!“

Unruhen und „Hetzkampagne“

Der Further Stadtteil Lixenried ist eine Idylle. Das ändert sich aber jedes Mal, wenn ein Anbieter Verträge für die Aufstellung eines Funkmasts schließen will.

Die Lixenrieder halten nämlich überhaupt nichts von Mobilfunkmasten und haben das jedem bisher im Vorfeld klar gemacht, dem irgendwelche Verträge angeboten worden sind. Bereits 2006 hatte Georg Plötz aus Lixenried gegenüber unserem Medienhaus bedauert, dass man aufgrund eines bloßen Angebotes eine „Hetzkampagne“ gegen seine Familie losgetreten habe, ohne konkret nachzufragen. Plötz lehnte schließlich das Angebot ab, wie so mancher vor ihm.

Stadtrat Michael Engl weiß, dass diese Angebote mitunter verlockend sein können. „In Furth gibt es bereits viel zu viele solche Masten. Manche Besitzer hocken dann in den Wirtshäusern und protzen damit, was sie daran verdienen.“

In Lixenried, mitten am Schindbühlweg 11 wohnt Thomas Graf. Er ist einer der Köpfe der Bürgerinitiative. „Wir sammeln Unterschriften und wir wollen demonstrieren, wenn in der nächsten Bauausschusssitzung von der Stadt nichts kommt“, sagt er. Graf weiß aus eigener Anschauung um die Verlockungen der Mobilfunkanbieter. „Bei mir waren die auch. Die bieten dir eine Einmalzahlung, monatliche Beträge und kostenloses Telefonieren an.“ Wie hoch das monatliche Angebot genau gewesen sei, daran kann er sich heute nicht mehr erinnern, sagt er. „Aber da geht es schon um Geld. Das sind mehrere hundert Euro.“ Doch Graf hat widerstanden: „Ich tu mir doch den Ärger nicht auf und dann stell ich mir so ein Ding direkt neben das Haus. Über die Auswirkungen wird doch heute noch gestritten und jeder erzählt dir was anderes.“ Von dem Argument, dass jeder telefonieren will, aber alle die Masten vor der Haustüre ablehnen, hält Graf nichts. „Wir können doch telefonieren. Und wenn das Ding erst einmal steht, dann hast du doch keinerlei Zugriff mehr, was die anschließend noch alles dranschrauben.“ Graf ist sich sicher: „Wir werden uns wehren.“

Lixenrieds Mobilfunkmast-Geschichte

  • Der erste Versuch

    Bereits 1990 gab es erste Versuche, einen Mobilfunkmast in Lixenried zu installieren. Schon damals war es ein Anlieger am Schindbühlweg. Nach harten Auseinandersetzungen und Demonstrationen unterschrieb er den Vertrag nicht.

  • Die Fortsetzung

    Immer wieder versuchten Mobilfunk-Gesellschaften Verträge zu schließen. Thomas Graf, einer der Mast-Gegner, berichtet, dass man auch ihm eine Einmalzahlung, monatliche Zahlungen und freies Telefonieren geboten habe: „Ich habe abgelehnt.“

  • Nächster Versuch

    2006 waren dann die Kranscheune von Georg Plötz und die Pferdestallung von Franz Hofmann im Gespräch. Hofmann lehnte sofort ab, zu Plötz kam ein E-Plus-Vertreter, der letztlich keine Unterschrift bekam. Plötz bedauerte damals gegenüber unserem Medienhaus, dass man eine Hetzkampagne gegen ihn losgetreten habe, ohne ihn konkret zu fragen.

  • Der Vertrag

    Nun gibt es neue Unruhe, Darüber informierte der Lixenrieder Stadtrat Michael Engl den Bauausschuss: Nach dem Verkauf eines Gebäudes, für das ein Vertrag über die Aufstellung eines Mobilfunkmastes bereits besteht, wolle sich eine Bürgerinitiative bilden. Er bat die Stadt, gegen den Bau einzuwirken.

  • Die Chancen der Stadt

    Bürgermeister Sandro Bauer sagte dazu, dass die Stadt rechtlich keine Möglichkeiten habe, da der Mast unter zehn Meter hoch und daher nicht genehmigungspflichtig sei. Der neue Besitzer wohne nicht vor Ort. Nicht der jetzige Besitzer, sondern der Vorbesitzer habe den Vertrag abgeschlossen. Der Neubesitzer konnte eine Auflösung des Vertrages nicht erreichen.

Doch dieses Mal wird es schwerer für die Lixenrieder. Denn der Vertrag ist bereits geschlossen. Und zwar vom Vorbesitzer des Hauses am Schindbühlweg. Der Mast wird wohl die üblichen 9,9o Meter hoch. Ein paar Zentimeter unter der Genehmigungsgrenze. Einen konkreten Bauantrag im Further Bauamt gibt es noch nicht, sagt Pressesprecher Franz Würz.

Würz erinnert sich aber noch bestens an seine Zeit im Bauamt , als 1990 Mannesmann dem Schindbühlweg-Anlieger Nagl ein Angebot unterbreitet habe. Das war noch unter Bürgermeister Reinhold Macho. Da sind bei einem Anliegergespräch plötzlich krebskranke Bürger aufgestanden und haben gesagt: Wollt Ihr so enden wie wir? – Da hatte ich Gänsehaut. Macho hat das irgendwie abgebogen damals.“

Schon damals habe es heftige Anfeindungen gegeben, bis hin zu lockeren Radschrauben am Auto des Grundstücksbesitzers. „Wir haben über diese Vorfälle noch heute eine dicke Akte im Bauamt“, erinnert sich Würz.

„Wir können da nicht raus!“

Die neue Eigentümerin kommt aus dem Landkreis Regensburg. Ihr Mann kennt die ganzen Vorgeschichten nicht. „Mir hat der Vorbesitzer gesagt, dass die Jungen in Lixenried froh über gute Handyverbindungen sind und die Alten das schon hinnehmen.“ Unter dem Strich ist das für ihn auch unerheblich: Er kann aus dem Vertrag nicht heraus. „Der läuft schon vier Jahre und der Vorbesitzer hat monatliche Zahlungen bekommen.“ Im gespräch mit unserem Medienhaus berichtete er, dass er versucht habe, zum Beispiel einen Passus herauszubekommen, nach dem ein Haustürschlüssel in einem Tresor hinterlegt werden muss, damit bei dringenden Reparaturen jemand auf das Dach kann. „Die haben ganz klar gesagt: Vertrag ist Vertrag!“ Wichtig sei für ihn gewesen, dass niemand gesundheitlich gefährdet werde. „Mir wurde erklärt, dass die Belastung im 1. Stock des Hauses so ist, als ob jemand mit dem Handy telefonieren würde. Sonst könnte ich ja kaum vermieten.“ Der Mast solle laut Betreiber noch heuer errichtet werden.

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