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Region Cham
Sonntag, 24. September 2017 18° 3

Tradition

Loiblinger feiern Kirta – ohne Kirche

Wie der Chamer Vorort zu seinem Fest am Bartholomäus-Tag kam, das weiß keiner mehr. Aber wie früher gefeiert wurde…
Von Georg Fleischmann

Unser Bild ist eine wahre Überlieferung von einem Kirtasamstag aus dem Jahr 1935. Sieben Gockerl wurden hier geschlachtet und lagen nun bratfertig auf dem Arbeitstisch. Fast wie im Schlaraffenland. Foto: Fleischmann, Archiv

Loibling.Es ist ein „Kirchweihfest“ ohne einen richtigen Patron, und doch feiert die Loiblinger Dorfbevölkerung seit vielen Jahrzehnten diesen Tag wie eh und je. Es ist immer der letzte Sonntag im August und die Kirche feiert den Namenstag dieses Apostels bereits am 24. August.

Warum gerade an Bartholomäus Kirchweih gefeiert wird, davon können auch die ältesten Loiblinger Einwohner nichts berichten. Das war schon immer so, erinnern sich die Älteren, und wohl niemand möchte diesen schönen Brauch in Frage stellen. Auch mit den Heiligen in der schmucken Dorfkapelle hat das keinen Zusammenhang.

Ein heutiger „Kirta“ ist aber auch nicht mehr das, was er einst war. Wurde einst die ganze Verwandtschaft zum Festessen am Mittag oder zu einem Verwandtentreffen am Nachmittag eingeladen, so ist heute nur mehr wenig davon übrig geblieben. In Loibling spielte sich früher auch auf dem Dorfplatz Kirta-Geschehen ab, so wird uns erzählt. Mehrere Verkaufsbuden standen hier, und das ganze Dorf und viele Besucher konnten sich vergnügen. Mittelpunkt dieses Tages war jedoch schon immer die Familien, die damals noch ganz schön groß waren. Und wie dieser Tag immer vorbereitet wurde, davon erzählte uns vor über 20 Jahren Erna Schall, Ponholzmühle, (gestorben 2006), die als junges Mädchen bei den Vorbereitungen immer mithelfen musste.

Die Loiblinger schätzten ihren Kirta immer ganz besonders. Dazu wurde die nähere Verwandtschaft eingeladen und wie es sich gehörte, wurde schon Tage zuvor mit dem „Herrichten“ begonnen. Fast vergessen wurde dabei die sonst übliche Sparsamkeit der Menschen, trotz der damaligen armen Zeit.

Erna Schall, in Loibling geboren und dort aufgewachsen, hat, noch jung an Jahren, bei den Bauern immer mithelfen dürfen, wenn für den Kirta hergerichtet wurde. Da kam nur Gutes auf den Tisch – und das auch reichlich. Außer dem Schmalzgebackenen gab es zum Festessen auch immer junge Gockerln im besten Alter.

Stundenlang wurde gerupft, ausgenommen und bratfertig hergerichtet. Die ganze Familie und auch die Mägde mussten dabei mithelfen. Und zum Schluss lagen dann die Gockerl schön nebeneinander auf dem Arbeitstisch, dass es die wahrste Freude war.

Am nächsten Tag wurden so vorbereiteten Gockerl dann im Rohr schön braun gebraten oder gebacken, zum Kirtaschmaus aufgetischt. Wenn das kein Festessen war!?

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