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Region Cham
Montag, 20. November 2017 10

Freizeit

„Musik mit Lust“ vom Nachbarn

Beim Waldmünchener Kultursommer sind regelmäßig auch Künstler aus Tschechien vertreten – mit ganzem Herzen.
Von Ingrid Milutinovic

Die „Blasmusik Horalka“ zu Gast auf dem Waldmünchener Marktplatz: Sie machen „Musik mit Lust“. Fotos: Milutinovic

Waldmünchen.„Es war einmal“ – so fangen die meisten Märchen an. Ähnliches könnte man durchaus auch vom Waldmünchener Kulturprogramm sagen. Es war einmal eine Gruppe Waldmünchener, die sich zusammensetzte, um „etwas zu machen“. Der Kulturkreis Waldmünchen war geboren, und das Programm ist inzwischen aus Waldmünchen nicht mehr fortzudenken.

Als Hans Ruhland als Kulturreferent anfing, verschiedene Vereine auf ihre Teilnahme anzusprechen, stieß er sofort auf breite Zustimmung. Bedenken wie „passen wir da überhaupt hin?“ waren schnell zerstreut. Breit gestreut ist das Angebot inzwischen. Verschiedene Chöre, Blasmusik, aber auch Jazz, um nur einige Beispiele zu nennen, sorgen von Mai bis August regelmäßig für Treiben auf dem Marktplatz.

Die Inspiratoren auf beiden Seiten

Die Gesangsgruppe war auch optisch ein Hingucker. Fotos: Milutinovic

Verschiedene Fan-Gruppen lassen sich dabei ohne weiteres ausmachen. Und auch gerade diejenigen, die Bedenken hatten, ob es passt, haben inzwischen viele treue Gäste. Neben den Veranstaltungen des Kultursommers hat das Kulturprogramm noch weitere Highlights zu bieten: Bauerntheater, Operette auf der Trenckbühne, Musik ohne Grenzen – inzwischen ein wahrer Dauerläufer, der das gutnachbarschaftliche Verhältnis zu Tschechien zeigt – und viele andere Veranstaltungen, die aufzuzählen jetzt den Rahmen sprengen würde. Meist heißt es ja: „Aller Anfang ist schwer“ – auf den Kultursommer traf dieses zumindest nicht zu. Als erst einmal ein Anfang gemacht war und entsprechende Kontakte geknüpft waren, entwickelte sich die Idee schon fast rasant weiter, erinnert sich Ruhland. Teilweise meldeten sich Gruppen selbst, manchmal gab einer einen „heißen Tipp“. Und manchmal waren es dann auch einfach mal Zufallstreffer.

Lesen Sie hier: Am Beispiel Opera Classica erklärt Hans Ruhland, was der Kulturkreis leistet – mit Blick auf die Mitgliederzahl eine Menge.

Von Anfang an war den Machern aber eines klar: So nah an der Grenze soll es ein grenzübergreifendes Programm sein. Zwei bis drei Veranstaltungen von tschechischen Künstlern wollten sie regelmäßig einbinden. Schon lange mit dabei: die „Feier-omd-Musikanten“, eine Gruppe, die aus bayerischen und böhmischen Musikern besteht. Von dieser Gruppe stammte auch der Tipp für die „Blasmusik Horalka“ aus Domazlice. Marek Jahn, Mitglied in beiden Kapellen, stellte den Kontakt her. Alle Musiker und Sänger kommen aus der Gegend von Domazlice. Bei Veranstaltungen in Deutschland bieten sie Blasmusik, überwiegend aus Böhmen. Auch im Radio war die Gruppe bereits zu hören. Moderne Musik bei Veranstaltung in Tschechien gehören ebenfalls zu ihrem Repertoire.

Sogar Ostfriesen waren da

Am Mittwochabend war die Gruppe auf dem Marktplatz zu Gast. Das perfekte Wetter und vielleicht auch die Tatsache, dass nächste Woche unwiderruflich das Ende des diesjährigen Kultursommers naht, hatten wieder Waldmünchener und Feriengäste gleichermaßen auf den Marktplatz gelockt. Sogar ein Bus mit Touristen aus Ostfriesland war auszumachen.

Zehn Musiker, zwei Sängerinnen und zwei Sänger sorgten dafür, dass schnell die richtige Stimmung aufkam. Kapellmeister Josef Kubalik hatte ein wunderschönes Programm zusammengestellt. Eine bunte Mischung war es: Mal nur Instrumental, mal Gesang, mal gemeinsam. Neben der wirklich perfekten Beherrschung der Instrumente begeisterten besonders die wunderbar klaren Stimmen, die böhmische Volkslieder in Vollendung präsentierten. Den Gästen gefiel es, und so fiel auch der Beifall natürlich entsprechend aus.

Ein Ohrenschmaus zum Hingucken

Auch optisch machte die Kapelle etwas her. Die Chodentracht – besonders bei den beiden Sängerinnen farbenfreudig – war ein inzwischen nicht mehr ganz ungewohnter Anblick und ein wahrer Hingucker.

Seit 45 Jahren besteht die Kapelle bereits, erläuterte Kapellmeister Kubalik mit Dolmetscher Marek Jahn. Alle haben einen anderen Beruf, betreiben die Musik als Hobby. „Wir machen Musik mit Lust“, war sein abschließendes Statement – und das spürte man in jeder Minute.

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