mz_logo

Region Cham
Mittwoch, 28. September 2016 20° 3

Justiz

Nazi-Drohung landet vor dem Richter

Ein Anhänger der rechtsextremen Partei „Der dritte Weg“ soll einen Wirt in Cham bedroht haben. Jetzt stand er vor Gericht.

Der Angeklagte bestritt, die zitierte Bedrohung ausgestoßen zu haben. Foto: Winter

Cham.„Nazis werden hier nicht bedient!“ Mit diesen Worten verweigerte der 31-jährige Inhaber einer Gastwirtschaft in der Chamer Innenstadt am 11. Juli vergangenen Jahres die Bewirtung einer Gruppe von etwa acht jungen Leuten. Anhand ihres Outfits vermutete der Wirt in den Gästen Anhänger einer rechtsgerichteten politischen Gruppierung. Tatsächlich handelte es sich um Anhänger oder Mitglieder der Partei „Der Dritte Weg“, welche an diesem Tag bereits Kundgebungen in Dachlhofen und Neunburg v. Wald veranstaltet hatte. In Cham sollte eine dritte und anschließend in Furth im Wald eine vierte Kundgebung stattfinden.

„Smily“ in Facebook

Nach der Weigerung des Gastwirts, den Besuchern weder Essen noch Trinken zu verabreichen, soll einer aus der Gruppe, ein 48-jähriger Maschinenbauer aus Regensburg, zum Wirt gesagt haben: „Brauchst dich nicht zu wundern, wenn deine Hütte mal brennt!“ Ohne weitere Probleme verließ dann die Gruppe das Lokal.

Der Gastwirt nahm die Drohung nicht sonderlich ernst. In einem Facebook-Eintrag eine halbe Stunde später machte er sich sogar darüber ein wenig lustig und verzierte den Eintrag auch mit einem „Smily“.

Erst auf Drängen naher Bekannter ließ er sich dann doch zu einer Strafanzeige überreden, und zwar angeblich aus Sorge um die Sicherheit seines Personals im Falle seiner Abwesenheit.

Folge der Strafanzeige und der anschließenden Ermittlungen der Kriminalpolizei war eine Anklage gegen den Maschinenbauer aus Regensburg wegen eines Vergehens der Bedrohung.

Staatsanwaltschaft und Angeklagter bzw. dessen Pflichtverteidiger hatten zu dem Verfahren eine ganze Reihe von Zeugen aufgeboten. Der Angeklagte selbst bestritt, die zitierte Bedrohung ausgestoßen zu haben.

Allerdings gab er vor Gericht zu, dem Gastwirt angekündigt zu haben, „dass er ihm seinen Arsch in die Fritteuse stecke, wenn er weiter so dummes Zeug rede“.

Dumme Sprüche dieser Art

Bei der Zeugeneinvernahme stellte sich heraus, dass kein einziger die angeklagte Bedrohung mit dem „Hütte brennen“ gehört hatte. Auch die Ex-Frau des Gastwirts wusste es nur aus dessen Bericht geraume Zeit später. Dagegen wollten einige der Zeugen, welche der Angeklagte aufgeboten hatte, dessen Äußerung mit der Fritteuse vernommen haben.

Der Wirt wiederholte erneut, dass er nach wie vor die Drohung mit dem Abbrennen oder Abfackeln seiner Gastwirtschaft nicht ernst nehme und sich nicht fürchte.

Es sei in der Zwischenzeit ja auch nichts passiert und er sei nicht beunruhigt. Dumme Sprüche dieser Art höre er gelegentlich immer wieder. Angesichts dieser Beweislage konnte Staatsanwalt Christian Späth nicht umhin, Freispruch für den Angeklagten zu beantragen.

Zaghafter Beifall im Zuschauerraum

„Es steht Aussage gegen Aussage“, konstatierte Richter Andreas Lecker, aber für eine Verurteilung reiche die Beweislage nicht aus und so wurde der Angeklagte denn auch auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. Mit zaghaftem Beifall aus dem Zuschauerraum wurde das Urteil quittiert. (cog)

Kommentare (0) Regeln Unsere Community Regeln

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht