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Region Cham
Montag, 11. Dezember 2017 5

Gesundheit

Neue Wege gegen den Ärztemangel

Kann eine Kommune ein Medizinisches Versorgungszentrum betreiben? Bad Kötzting könnte hier bundesweit Vorreiter werden.
Von Stefan Weber

Der Druck steig: 68 Prozent aller niedergelassenen Ärzte im Altlandkreis Kötzting sind über 60 Jahre alt. Foto: dpa

Bad Kötzting.In der jüngsten Sitzung des Kreistages war es bereits einmal kurz Thema: Landkreis, Gesundheitsregion plus und die Stadt Bad Kötzting wollen wissen, ob und wie eine Kommune ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) betreiben könnte. Nicht Haus- und Fachärzte, die sich selbst zusammenschließen und gemeinsam eine Praxis auf eigene Verantwortung betreiben, sondern eine Kommune, die Räume und Geräte zur Verfügung stellt und die Ärzte anstellt.

Eine Idee, die Landrat Franz Löffler gemeinsam mit Peter Fleckenstein, dem Geschäftsführer der Gesundheitsregion plus, sowie Bad Kötztings Bürgermeister Markus Hofmann und Patricia Stoiber, persönliche Referentin des Landrates, am Freitag bei einem Pressegespräch näher erläutern. Die wichtigste Feststellung Löfflers gleich zu Beginn: „Im Moment befindet sich alles erst noch in der Planung.“

Ärzte anstellen – geht das?

Es sei jedoch immer derselbe Gedanke, der fast alle Gemeinden im Landkreis umtreibe: „Wie bekommt man Ärzte für den ambulanten Bereich in die Region?“ Ein Drittel aller niedergelassenen Ärzte im Landkreis sei derzeit bereits über 60 Jahre als – im Bereich rund um Bad Kötzting liege der Wert mit 68 Prozent sogar mehr als doppelt so hoch. Das sei der Grund, warum die Stadt – wo sich auch der Sitz der Gesundheitsregion plus befindet – schon von Anfang an in die Planungen mit eingebunden sei. Diese Ärzte des „klassischen Modells“ führen ihre Praxen komplett eigenständig – vom Notdienst über die Abrechnung bis zur Suche nach einer Urlaubsvertretung.

Gesundheitsregion plus

  • 24 Regionen

    Es gibt 24 Gesundheitsregionen in Bayern, die besonders gefördert werden.

  • Gesundheitsforum

    Es gibt ein Gesundheitsforum, in dem 21 Experten sitzen.

  • Themenschwerpunkte

    Sicherstellung der Gesundheitsversorgung und die möglichen Beiträge des Landkreises. Fachärzte und Notarzt-Versorgung sind hier drängende Aufgaben. Zweiter Themenschwerpunkt ist die Gesundheitsförderung und die Prävention. Auf diesem Gebiet ist das Bad Kötztinger Lebensstil-Programm ein wichtiger Faktor für die Überlegungen.

  • Dauer

    Das Programm läuft bis Dezember 2019. (wf)

Der nun angedachte neue Ansatz: Die Kommune stellt Gebäude und Geräte zur Verfügung und stellt Ärzte an. Doch geht das überhaupt? Laut Peter Fleckenstein gebe es derzeit in ganz Deutschland nur zwei ähnliche Versuche, die allerdings neben der Ambulanz auch mit stationären Abteilungen verbunden seien. Die Überlegungen, die nun angestellt würden, seien beispiellos. Um auszuloten, wie die an höchster Stelle bewertet werden, gab es bereits einen Besuch bei Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml. „Wir haben eine Rückmeldung bekommen, die ermuntert“, fasst Landrat Löffler das Gespräch zusammen.

Peter Fleckenstein, Franz Löffler, Patricia Stoiber und Markus Hofmann (v.l.) erklären die Planungen zum kommunalen MVZ. Foto: S. Weber

Als nächsten Schritt kündigt er an, dass eine Agentur damit beauftragt werde, wichtige Fragen zu klären. So etwa, wie eine Kommune die freiwerdenden Sitze der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) übernehmen könne. Schließlich gehöre das nicht zu den Pflichtaufgaben einer Kommune, erklärt Löffler. Auch die wirtschaftliche Machbarkeit sei ein Thema, die Frage nach der richtigen Gebäudlichkeit ebenso. Oder sind etwa auch Mischformen denkbar, so dass ein Arzt als Träger mit einsteigen kann? Wie wird gewährleistet, dass die Kommune nicht für medizinische Fehler haftbar gemacht werden kann? „Wir stehen noch ganz am Anfang dieser konkreten Überlegung“, betont Franz Löffler mit Blick auf diese und weitere Fragen noch einmal.

Neben der organisatorischen Entlastung könnte das Modell jungen und älteren Ärzten weitere Vorteile bieten. So könnte es unter Trägerschaft einer Kommune möglich werden, dass ein Arzt auch in Teilzeit arbeitet – egal welchen Alters. Weiterer Vorteil: Ärzte, die bereits einen Nachfolger suchen und keinen finden, könnten ihre KV-Zulassungen an die Kommune verkaufen und müssten nicht weiter suchen. Oberstes Gebot dabei: „Der Bürger darf nicht merken, dass die Praxis eine andere Struktur hat“, sagt Löffler.

Beispielgebend für ganz Bayern

Es gibt also noch viele Fragen zu klären, die der Landrat allerdings innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate geklärt haben möchte. Für Bürgermeister Markus Hofmann war es keine Frage, sich an diesem Projekt zu beteiligen. „Das könnte beispielgebend für ganz Bayern werden“, sagt er und sieht darin auch einen Werbeeffekt. Die ersten Interessenten hätten sich bei ihm bereits gemeldet. Peter Fleckenstein sieht eine Win-Win-Situation für Ärzte, Patienten und Kommunen. Entschieden ist nun allerdings noch nichts, alles werde völlig offen angegangen, betonen Löffler, Fleckenstein und Hofmann.

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