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Tragik

Rätsel um Blutbad im Flüchtlingsheim

Warum fiel Afghane im Arnschwanger Asylbewerberheim über eine Russin und ihre Kinder her? Am Tag danach: noch keine Antwort.
Von Ernst Fischer

Die Zufahrt zum Tatort war abgeriegelt. Über dem Gelände kreiste ein Hubschrauber. Die schreckliche Tat passierte im früheren Waldcafe zwischen Arnschwang und Furth im Wald, das seit längerer zeit als Asylbewerberunterkunft dient. Foto: Paleczek

Arnschwang.Wie ist es zu dem Streit in dem Arnschwanger Asylbewerber-Wohnheim gekommen, der zwei Menschen das Leben kostete? Auch am Morgen nach dem erschütternden Geschehen hat die Polizei noch keine Antwort auf Hintergründe und Motive der schrecklichen Tat.

Ein 41-jähriger Afghane hatte am Samstag gegen 16.50 Uhr eine 47-jährige Russin und ihre beiden fünf und sechs Jahre alten Kinder mit dem Messer attackiert. Der fünfjährige Bub starb an den Folgen seiner Verletzungen. Die Mutter wurde schwer verletzt. Der Täter wurde von einem Polizisten erschossen.

„Angaben zum Motiv des Mannes und in welcher Beziehung die Personen zueinander standen, können derzeit nicht gemacht werden. Die Ermittlungen stehen ganz am Anfang.“ So steht es wörtlich in einer Pressemitteilung, die das Polizeipräsidium in Regensburg am späten Samstagabend um 23.11 Uhr herausgegeben hat.

Frau kann noch nicht aussagen

Keine neuen Erkenntnisse gab es auch bis zum nächsten Tag. „Die Ermittlungen gestalten sich schwierig“, sagte Polizeisprecher Marco Müller auf unsere Nachfrage am Pfingstsonntag geben 10.15 Uhr. Die schwerverletzte Frau sei auch wegen eines Schocks noch nicht aussagefähig.

Und die Befragung der Bewohner des Asylbewerberheims sei auch sehr aufwändig. Wegen ihrer unterschiedlichen Nationalitäten seien dafür mehrere Dolmetscher in verschiedenen Sprachen nötig.

Die Staatsanwaltschaft hat auch eine Obduktion der beiden Leichen angeordnet. Polizeisprecher Müller konnte am Vormittag nicht sagen, ob das Ergebnis noch am Pfingstsonntag vorliegen wird.

Grundsätzlich erklärt er zu den Ermittlungen. „Das ist ein sehr, sehr ernster Fall, den wir auch ganz sauber abarbeiten wollen. Da geht Genauigkeit vor Schnelligkeit.“

Der Polizeisprecher sagt das gerade auch vor dem Hintergrund einer erregten Diskussion mit manch vorschnellen Urteilen, die aktuell im Internet zu beobachten ist. Der Appell von Marco Müller: „Haben Sie Vertrauen in unsere Beamten und und unseren Rechtsstaat. Da wird bestimmt nichts unter den Tisch gekehrt und alles sauber ermittelt.“

Die Ermittlungen zu dem Fall hat die Kriminalpolizeiinspektion Regensburg in enger Absprache mit der Staatsanwaltschaft Regensburg vor Ort aufgenommen. Die Untersuchung des Schusswaffengebrauchs durch den Beamten übernimmt das Bayerische Landeskriminalamt in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Regensburg. Der stellvertretende Leiter der Staatsanwaltschaft Regensburg sowie Ermittler des Bayerischen Landeskriminalamtes waren ebenfalls umgehend am Einsatzort, wie es in einer Pressemittelung heißt.

Notrufe der Heimbewohner

Die schreckliche Tat passierte im früheren „Waldcafé“, etwas außerhalb von Arnschwang in Richtung Furth im Wald, das schon länger als Asylbewerberunterkunft genutzt wird. Erste Hilferufe bei der Further Polizeiinspektion waren gegen 16.50 Uhr am Samstag eingegangen. Gleich mehrere Bewohner der Unterkunft hatten per Handy die Notrufnummer 110 angewählt und von einem „Streit“ in dem Heim erzählt.

„Streit im Asylbewerberheim, da schrillen bei uns sofort die Alarmglocken“, sagt Polizeisprecher Müller. Die Further Polizeiinspektion beorderte deshalb sofort mehrere Beamte nach Arnschwang.

Die Lage, die sie dort vorfanden, wird in der Pressemitteilung des Polizeipräsidiums so geschildert: „Sofort zum Einsatzort beorderte Einsatzkräfte trafen wenige Minuten nach der Mitteilung in der Unterkunft auf einen 41-jährigen Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit, der einen fünfjährigen Jungen in seiner Gewalt hatte und auf diesen mit einem Messer einwirkte.

Im weiteren Verlauf kam es dann durch die zu Hilfe eilenden Einsatzkräfte zum polizeilichen Schusswaffengebrauch gegen den 41-jährigen Mann, der dabei tödlich verletzt wurde.

Der 41-Jährige fügte dem Kind schwerste Verletzungen mit einem Messer zu, an denen der Junge noch am Einsatzort verstarb. Im Gesamtgeschehen erlitt zudem die 47-jährige Mutter des Kindes schwere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen, durch den 41-jährigen Angreifer. Die Frau mit russischer Staatsangehörigkeit wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.

Woher kam das Messer?

Ein weiteres, sechsjähriges Kind der Frau blieb körperlich unverletzt. Die Mutter und ihr sechsjähriges Kind werden unter anderem von einem Kriseninterventionsteam im Krankenhaus betreut.“ Soweit der offizielle Polizeibericht.

Was hatte der Täter für ein Messer? Und wie kam er dazu? Konkrete Antwort gibt es auch dazu noch nicht. Marco Müller: „In jedem Haushalt gibt es ein Messer, mit dem man auch jemanden töten kann.“

Zur Person des Polizisten, der den tödlichen Schuss auf den Täter abgegeben hat, äußerte sich Polizeisprecher Müller nicht. Es sei „ein sehr erfahrener Beamter“. Zum weiteren Verfahren verwies er auf die Staatsanwaltschaft, die in dieser Sache die Ermittlungen führt.

Lesen Sie mehr: Am Sonntagabend verbreiteten Neonazis ihre Parolen in Arnschwang. Bewohner des Dorfes protestierten dagegen.

Unterkunft bleibt über Pfingsten zu

Die Ermittlungen in der Arnschwanger Asylbewerberunterkunft werden sich noch mindestens über die gesamten Pfingsttage hinziehen. So lange bleibt das ehemalige „Waldcafé“ auch gesperrt. Die 18 Bewohner der Unterkunft, darunter drei Kleinkinder, wurden vorübergehend anderswo untergebracht.

Wo, das kann der Polizeisprecher nicht sagen. In dieser Frage habe sich auch Landrat Franz Löffler eingeschaltet, der sich am Samstag persönlich vor Ort darum kümmerte. Löffler dazu auf unsere Nachfrage: „Die Menschen sind auf andere Unterkünfte im Landkreis verteilt worden, wo nach Kapazitäten vorhanden waren. Und das hat gut funktioniert.“

Zu dem furchtbaren Geschehen und der Diskussion im Internet wollte sich Löffler am Tag danach noch nicht äußern: „Es ist viel zu früh, dazu etwas zu sagen, weil man die näheren Umstände noch nicht kennt. Jetzt sollten wir erst einmal die Polizei in Ruhe ermitteln lassen.“

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