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Region Cham
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Justiz

Rechtsextremist mit unerlaubter Waffe

Der 31-Jährige stand zum wiederholten Mal vor Gericht in Cham. Nun schickte ihn der Richter für längere Zeit ins Gefängnis.
Von Christoph Klöckner

Untere anderem eine Schreckschusspistole – im Bild ein Modell so einer Waffe – wurden in der Wohnung des Mannes gefunden. Foto: dpa

Cham.Er ist ein „alter Bekannter“ bei Gericht gewesen, der am Donnerstag wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht stand. Selbst wenn der über und über Tätowierte, der in schwarzer Jogginghose mit der Aufschrift „Deutsches Reich“ und der entsprechend aufgedruckten Fahne seine rechte Gesinnung deutlich machte, erst 31 Jahre alt ist. Auch bei Richter Wolfgang Voit hatte er vor kurzem erst auf der Anklagebank gesessen. Nun muss er acht Monate ins Gefängnis. Die Staatsanwältin hatte neun Monate für ihn gefordert.

Minutenlang hatte der Richter am Donnerstag in der Verhandlung die Einträge des Mannes im Zentralregister verlesen. 16 Delikte seit 2004 sind dort erfasst – vom Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen über Bedrohungen, Körperverletzungen bis zu versuchtem Diebstahl.

Mehrfach saß der Angeklagte bereits im Jugendarrest oder im Gefängnis. Und da seine Sozialprognose – er hat keine Ausbildung, keine Arbeit, vier Kinder mit drei Frauen, zudem 20 000 Euro Schulden – nach Ansicht des Gerichts keine Aussicht auf eine Besserung gibt. Zumal noch Strafen aus zwei anderen Delikten aus diesem Jahr zu Buche schlagen, die mit berücksichtigt wurden. Der Richter verurteilte ihn zu insgesamt acht Monaten Gefängnis. Eine Bewährung komme nicht mehr in Frage, so Voit.

Hitlerbilder in der Wohnung

Die Waffen, wie etwa eine Schreckschusspistole oder einen Dolch, die der Mann trotz Verbots des Landratsamtes unerlaubt in seiner Wohnung hatte, waren bei einer Hausdurchsuchung gefunden worden. Dabei ging es um die Aufklärung eines Tankstellenüberfalls mit Waffengewalt. Ein Verwandter des 31-Jährige meinte die Waffe bei dem Mann entdeckt und ihn bei einem Telefonat über die Tankstelle reden gehört zu haben. Das hatte er gemeldet, worauf die Polizei die Durchsuchung mehrerer Wohnungen in dem Haus vornahm, wie ein Polizist als Zeuge dem Gericht schilderte. Mit dem Tankstellenüberfall habe aber die Waffe nichts zu tun gehabt, so der Polizist. Fotos gab es auch von der Wohnung, die das Gericht anschaute. „Wo bekommt man Hitlerbilder her?“, fragte Richter Voit etwas verwundert über das rechtsextreme Interieur der Räumlichkeiten. So was gebe es auf Flohmärkten etwa in Jena oder Gera, so der 31-Jährige. Wie auch die Waffen, die er nur zu gesammelt, aber keinen damit bedroht habe. „Und der Deutsche Schäferhund, ist das Ihr Hund?“, fragte der Richter weiter. Das sei nicht seiner, antwortete der Angeklagte.

Das Landratsamt hatte gegenüber dem Mann 2016 ein Verbot für den Besitz von Waffen jeglicher Art erlassen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung – erwohnte damals in Furth im Wald – fanden die Polizisten jedoch eine Schreckschusspistole, ein Butterfly-Messer, einen Dolch und einen Elektroschocker. Er habe die Waffen aber schon vor dem Bescheid des Landratsamtes besessen, sagte er. Was habe er denn damit tun sollen? Abgeben oder zerstören, klärte ihn der Richter auf.

Verteidiger legte Mandat nieder

Verteidigen musste sich der Mann selbst – nachdem sein Verteidiger laut Gericht sein Mandat vor dem Verfahren niedergelegt hatte. Einem Antrag des Angeklagten auf einen Pflichtverteidiger lehnte das Gericht ab. Der Mann erklärte die ihn belastenden Angaben des weitläufigen Verwandten damit, dass der psychisch krank sei: „Der hat seine Mülltonne in der Wohnung stehen.“ Er habe die Waffen vor dem Verbot bereits gehabt, versuchte er zu erklären.

„Das ist definitiv das letzte Mal, dass ich hier auf der Anklagebank sitze. Ich habe die Schnauze voll!“, sagte der Angeklagte am Ende. Diesem Wunsch schloss sich Richter Voit gerne an: „Mir ist es Recht, wenn wir uns hier nicht mehr wiedersehen!“

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