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Region Cham
Montag, 20. November 2017 10

Politik

Roter Landesvater besucht Cham

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow unterstützt den Kandidaten der Linken, Marius J. Brey, im Bundestagswahlkampf.
Von Martin Hladik

Linkenkandidat Marius J. Brey (Mitte) begrüßt den Ministerpräsidenten Thüringens, Bodo Ramelow, vor dem Hotel Randsbergerhof. Fotos: Hladik

Cham.Ganz am Schluss fragte Bodo Ramelow dann doch ein Journalist: Was er davon halte, dass er als Ministerpräsident Thüringens weder von der Stadt Cham, noch vom Landkreis empfangen worden sei. „Ich weiß um die prallen Terminkalender der Kommunen“, entgegnete Ramelow. Da sei vieles wichtiger, als ein fünfminütiges Gespräch mit ihm. Auch mit dem Neutralitätsgebot der Behörden in Wahlkampfzeiten, wisse er „höflich umzugehen“. Er versprach: „Ich komme wieder!“ Soll wohl heißen, außerhalb von Wahlkampfzeiten.

Bodo Ramelow trägt sich ins Goldene Buch des Randsbergerhofs ein. Hotelchef Michael Wittmann (links) freut sich über den prominenten Gast. Fotos: Hladik

Und weil sich Linken-Wahlkämpfer und Ministerpräsident Bodo Ramelow sich so auch nicht ins Goldene Buch der Stadt eintragen konnte, trug er sich dafür ins Goldene Buch des Hotels Randsbergerhof ein, was wiederum Hotelchef Michael Wittmann freute. „Wahnsinnig“ freute sich sogar der Linken-Bundestagskandidat Marius J. Brey über den Besuch Ramelows. Auch wenn Ramelow später tiefstapelte und sagte, wichtig sei der Kandidat. Er sei nur der „Unterstützer“.

„Schmuddel“-Image der Linken überwinden

Bodo Ramelow bei seiner Rede. Fotos: Hladik

Er sei als „lebendes Beispiel“ einer rot-rot-grünen Koalition nach Cham gekommen, sagte Ramelow in seiner Rede. Die für hiesige Ohren besonders interessant war, als er berichtete, wie schwierig es einst für ihn gewesen sei, seiner westdeutschen Familie beizubringen, dass er für die Linken kandidiere. Ihm sei es so gegangen, wie wahrscheinlich auch „den Linken in die Oberpfalz“. Man habe ihn gefragt: „Wie kannst du uns das antun?“ Diese Art von „Antikommunismus“ müsse überwunden werden. So würden nämlich Koalitionen unmöglich, selbst wenn man dafür die rechnerischen Mehrheiten habe, sagte Ramelow. „Mit Horst Seehofer verbindet mich die Hölle“, sagte Ramelow. Gemeint ist das Höllental im Frankenwald, wo ein wichtiges, sieben Kilometer langes Teilstück einer Eisenbahnverbindung zwischen Bayern und Thüringen fehlt. Auch hier gab Ramelow zu verstehen, dass vieles leichter wäre, wenn die Linken im Westen nicht dieses „Schmuddel“-Image hätten.

Die Chamer Genossen mit ihrem Linkenkandidat Marius J. Brey (Mitte) Fotos: Hladik

Dass es auch ein rot-rot-grüner Koalitionär nicht leicht hat, machte Ramelow aber auch deutlich. Die Gebietsreform, die er gerade in Thüringen umzusetzen versuche, sei „nicht vergnügungssteuerpflichtig“. Tatsächlich widmete Ramelow ein großen Teil seiner insgesamt etwa 25-minütigen Rede der Steuer- und Abgabenpolitik. Der Linkenpolitiker sieht Angestellte, Beamte und selbstständige Handwerker mittlerweile in einem Boot. Sie alle würden von einer Bürgerversicherung, in die alle einzahlen, profitieren. Wichtig war Ramelow auch dafür einzutreten, dass Kindererziehung von der Kita bis zur Uni gebührenfrei sein sollte. Ein Ehegattensplitting sei nicht gerecht, wenn eine Ehe kinderlos bleibe. Unterstützung brauche die Erziehung der Kinder.

„Ein ‚Weiter so‘ hilft niemanden“

Vehement trat Ramelow für ein Ende der Großen Koalition ein. „Ein ‚Weiter so‘ hilft niemanden, auch nicht der CDU/CSU und der SPD“, sagte er. In einer Großen Koalition würden nur „Tabus tradiert“. Das zeige sich zum Beispiel in der Gesundheitspolitik. Hier werde an der Trennung von ambulant und stationär nicht gerüttelt. Darunter leide die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum und sorge für volle Notaufnahmen in Krankenhäusern.

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