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Freitag, 22. September 2017 17° 3

Premiere

Schinderhannes zieht alle in seinen Bann

Das Stück unter der Regie von Johannes Reitmeier ist mit der Premiere auf dem Ludwigsberg in Bad Kötzting in seine zweite Spielzeit gestartet.
Von Stefan Weber

Der Schinderhannes verzaubert nicht nur seine Leni auf dem Ludwigsberg. Foto: Gabi Schönberger

Bad Kötzting.Ein Mann, der aus der Not heraus zum Räuberhauptmann aufsteigt, kurzzeitig ein Dasein wie Robin Hood oder auch der Räuber Heigl lebt, der Obrigkeit das Fürchten lehrt und schließlich an sie verraten und verkauft wird – der Schinderhannes, der am Samstag eine viel gelobte Premiere feierte, verkörpert all das und noch viel mehr.

Joachim Roiger verkörpert den tragischen Helden auch in der zweiten Spielzeit des Schinderhannes und zieht dabei wieder gekonnt alle Register: Ob hinterlistiger Kaufmann, verträumter Liebhaber oder hitzköpfiger Kriegstreiber – gemeinsam mit ihm erleben die Zuschauer wieder eine regelrechte Achterbahn der Gefühle. Um das Drama perfekt zu machen, darf natürlich ein schauspielerisch ebenso glänzender Gegenpart nicht fehlen. Hier vertraut Regisseur Johannes Reitmeier wieder völlig zurecht auf Barbara Bachl als Leni, die sich in den Räuberhauptmann verliebt, und das, während sie bereits mit dem obersten Gendarm Adam (Johannes Kerscher) verlobt ist.

Die Bühne ist „gewachsen“

Der Schinderhannes zeigt wieder das gesamte Spektrum der Bad Kötztinger Festspieler, die sich zwar als Laientheater bezeichnen, als solches aber unter den Festspielen der Region wieder einmal ihresgleichen suchen müssen.

Denn es sind ja nicht nur die Hauptdarsteller, auf deren Leistung sich Regisseur Reitmeier wieder einmal voll und ganz verlassen kann: Der Zuschauer kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, was sich auf der Bühne alles abspielt, wenn 30 Darsteller gleichzeitig die Bühne bevölkern – und apropos Bühne: Die ist seit dem vergangenen Jahr sprichwörtlich weiter „gewachsen“; Bäume und Sträucher nehmen mehr Raum ein, so dass die naturbelassene Umgebung des dargestellten Dorfes noch echter aussieht und der Zuschauer den Wald, in dem sich die Räuber aufhalten, förmlich riechen kann.

Stück mit ungeheurer Dynamik

Insgesamt ist es eine eher düstere Szenerie, die dargestellt wird. Reiche Kaufleute, die die armen Bauern unterdrücken. Später das gesamte Volk, das unter den Französischen Soldaten leidet, die Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Französischen Revolution auch das Deutsche Kaiserreich mit Krieg belegen. Und schließlich die Räuberbande, die, den Rückhalt in der Bevölkerung verloren, selbst dahindarbt.

Die Besucher des Ludwigsberges erleben ein Auf und Ab der Gefühle, das zu keinem Zeitpunkt an Spannung verliert. Das liegt natürlich an der Leistung seiner Laienschauspieler, aber auch an der unglaublichen Dynamik, die der Regisseur durch schnelle Szenenwechsel seiner Adaption – erstmals in Zusammenarbeit mit Barbara Kerscher, die große Teile des Textes von Carl Zuckmayer ins Bairische mit übersetzte – verleiht. Dabei werden die Gäste auch in den kommenden beiden Wochen wieder für gut zwei Stunden entführt in eine Welt, die perfekt aus dem rheinländischen Original ins Bayern des 19. Jahrhunderts übertragen wurde.

Unterhaltung auf höchstem Niveau

Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau, kann man das nur nennen, was dieses Jahr übrigens letztmals auf dem Ludwigsberg gezeigt werden wird. Welches Stück nächstes Jahr gezeigt wird, das ist noch nicht bekannt. Aber die Chance, diesen besonderen Räuberhauptmann sehen zu dürfen, sollten sich nicht nur die „eingefleischten“ Theaterfans nicht entgehen lassen. Denn der Ludwigsberg darf auch im 27. Jahr zu Recht eine Sonderstellung unter den Festspielen in der Region für sich beanspruchen.

Packend bis zu Schluss, mit einer sehr guten Dosis Humor und einer Geschichte, die unter die Haut geht – das alles perfekt abgestimmt mit aufwendigen Kostümen und Musikstücken aus dem 19. Jahrhundert – mal leicht und mal schwermütig. Das ist die Mischung für einen perfekten Theaterabend.

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