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Region Cham
Mittwoch, 13. Dezember 2017 5

Umwelt

Schlamm ist kein Spaß für die Bäche

Füllen sich die Gewässer mit Sedimenten, sind auch die Kommunen gefordert. Der Mensch steht in der Pflicht, wenn’s ihm die Fische danken sollten.
Von Rupert Schlecht

In Rettenbach haben die Versammlungsteilnehmer den Arracher Bach im Bereich des Wehrs beim Parkplatz in Augenschein genommen. Foto: rto

Hetzenbach.Verschlammte Bäche setzen nicht nur den Lebensräumen der Fische und Kleinlebewesen zu, sondern sind auch für die Gemeinden ein Problem, schlicht, weil sie den Unterhaltungsaufwand erhöhen. Gleichzeitig schränkt die Verschlammung mit Sedimenten auch die Freizeitnutzung an den heimischen Bächen ein.

Dies stand am Mittwoch auf der Agenda des Gewässer-Nachbarschaftstages im Lindenhof Hetzenbach in der Gemeinde Zell, ehe sich die Teilnehmer, unter anderem die Bürgermeister aus Lam, Schorndorf, Zandt, Tiefenthal und Zell, am Nachmittag auf Exkursion zu Bächen im Markt Falkenstein machten. Am Arracher Bach in der Nähe von Erpfenzell zum Beispiel ist heuer ein sogenanntes boden:ständig-Projekt gestartet worden.

Wo sind die Forellen geblieben?

„In meiner Jugend gab’s noch Forellen“, hat Zells Bürgermeister Thomas Schwarzfischer in der Versammlung festgestellt. Dabei liegt die Jugend des Anfang-Fünfzigers doch eigentlich erst ein paar Jahrzehnte zurück. Und heute? –Heute sei es um den Fischbestand mitunter mäßig bis unbefriedigend bestellt, wozu Dr. Thomas Ring von der Fachberatung für Fische/Bezirk Oberpfalz auch gleich eine Reihe von Gründen vor Augen führte: Einträge aus der Landwirtschaft, begradigte Bäche, Starkregenereignissen, die binnen ganz kurzer Zeit immens reichlich Sedimente in heimische Bäche und Flüsse „eintragen“ – usw.

Nun, Dr. Ring zufolge, gibt es aber auch Gutes zu berichten, etwa über den Kleinen Arbersee, der vom ph-Wert her eigentlich ein saures Gewässer sei, deswegen für Fische lange Zeit quasi tabu. Seit einigen Jahren aber existierten dort (wenn auch eingesetzte) Bachsaiblinge. Die, sagte Dr. Thomas Ring im Gespräch mit unserem Medienhaus, könne man im Wasser mitunter sogar springen sehen. Der Saibling sei zwar eigentlich in heimischen Gefilden nicht heimisch, sondern ein „Amerikaner“, aber nichtsdestotrotz im See willkommen.

Insgesamt 55 Berater in Bayern

Dr. Thomas Ring (Fachberatung für Fische am Bezirk) weiß, wo Fische sind. Ihr Vorkommen hängt natürlich von der Wasserqualität ab. Foto: R. Schlecht

Der Nachbarschaftstag im Landkreis fand im Übrigen heuer zum 15. Mal statt. Rund 20 Mitarbeiter aus den Kommunen (und Bürgermeister) nahmen daran teil, zudem Dipl.-Ing. Marianne Badura, die Beraterin der Gewässer-Nachbarschaft im Landkreis Cham. Sie ist als Landschaftsökologin tätig und hat ihr Büro im Landkreis Amberg-Sulzbach. „Die Gewässer-Nachbarschaften Bayern“, so Badura, „werden vom Bayerischen Umweltministerium und den kommunalen Spitzenverbänden getragen und durch die Wasserwirtschaftsämter in ihrer Arbeit unterstützt.“ Das Landesamt für Umwelt sei dafür zuständig, die Arbeit der Gewässer-Nachbarschaften und der rund 55 Berater zu koordinieren; mehr dazu unter www.gn-bayern.de. „Die Gewässer-Nachbarschaften sind ein Netzwerk auf der Ebene der Landkreise. Engagierte und erfahrene Gewässer-Nachbarschaftsberaterinnen und Berater führen regelmäßige Gewässer-Nachbarschaftstage durch. Praktiker aus den Kommunen und Pflegeverbänden nehmen daran teil.“ In Hetzenbach galt Baduras Blick den „Feinmaterialeinträgen ins Gewässer“. Dazu führte sie in die Runde den Begriff „Kolmation“ ein, womit in der Hydrogeologie die Verringerung der Durchlässigkeit des Bodengerüsts bezeichnet wird, infolge von Wechselwirkungen zwischen Boden und darüberstehenden Wassersäule. Arge Probleme resultierten für Bäche bisweilen aus dem Eintrag aus der Landwirtschaft, aus den Starkregen-Ereignissen sowie inzwischen verschwundenen Feldgehölzen.

Planung ist flächendeckend

  • Unterhalt:

    „In Bayern sind rund 90 000 Kilometer Bäche und Gräben in der Unterhaltung der Gemeinden“, teilt Dipl.-Ing. Marianne Badura, die Gewässernachbarschaftsberaterin für den Landkreis Cham, mit.

  • Umsetzung:

    Ihren Worten nach werden im Landkreis Cham seit fast 20 Jahren regelmäßig alle zwei Jahre Bauprogramme zur Gewässerunterhaltung erarbeitet und durch den Zweckverband für die Gewässer III. Ordnung (ZV GW III) umgesetzt.

  • Mitgliedschaft:

    Seit dem Jahr 2016 seien alle Städte und Gemeinden Mitglied im Zweckverband GW III.

  • Konzepte:

    „Derzeit“, so Marianne Badura, „werden die Gewässerentwicklungskonzepte für die Gemeinden Lohberg und Runding erarbeitet, diese liegen Mitte 2018 vor.“

  • Planung:

    Der Kreis Cham verfüge als einer der wenigen in Bayern über eine flächendeckende Planung, um Bäche zu unterhalten und verstärkt in weitere Maßnahmen zu investieren. (ec)

Um aber die Bäche von der Verschlammung zu befreien, seien auch die Kommunen gefordert. „Die Gemeinden, in deren Verantwortung die kleinen Bäche liegen, werden mit dieser Aufgabe aber nicht alleingelassen.“ Badura: „Der Freistaat Bayern unterstützt finanziell Planungen und konkrete Umsetzungen an den kleinen Gewässern.“ Botschaft aus und in die Runde: Gewässer-Unterhalt für Kommunen lohne sich. Beispiele wie am Lederbauernbachl oder Arracher Bach in Falkenstein führten vor Augen, dass schon mit kleinen Maßnahmen heimische Bäche wieder naturnäher und schöner werden können.

Projekt am Arracher Bach

Am Nachmittag des Gewässer-Nachbarschaftstages ging es an den Arracher Bach in der Gemeinde Falkenstein nahe Erpfenzell. Dort wird derzeit mit dem boden:ständig-Projekt unter Federführung des Amtes für ländliche Entwicklung (ALE) Tirschenreuth und der Marktgemeinde Falkenstein versucht, den Eintrag von Sedimenten in Bäche zu reduzieren. Ein Schwerpunkt von vielen ist dabei die „Erosionsmindernde Bodenbearbeitung“ (zum Beispiel Mulchsaat). Andererseits richtet sich das Projekt unter anderem auch auf „Bodenmodellierungen“ oder „Ackerraine“, um den Abfluss von Niederschlagswasser in der Fläche zu verlangsamen.

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