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Mensch

Seit 25 Jahren das Gesicht des Kurparks

Seit 1992 führt Wilma Anderle den Kiosk im Bad Kötztinger Kurpark. Und ans Aufhören denkt sie noch lange nicht.
Von Fred Wutz

Wilma Anderle betreibt seit 25 Jahren den Kiosk im Bad Kötztinger Kurpark. Ihr Arbeitstag hat zwölf Stunden und Urlaub gibt es nur im Winter. Die Beschäftigung macht ihr dennoch jeden Tag Spaß und sie sagt: „Aufhören? – Nein, das Ende sehe ich noch nicht!“ Fotos: Fred Wutz

Bad Kötzting.Genau genommen ist das Jubiläum schon vorbei, denn am 7. Juni 1992 hat Wilma Anderle ihr Gewerbe angemeldet, den Kiosk im Kurpark übernommen und seither durchgehend – 25 Jahre und ein paar Tage mehr – in Betrieb gehalten. Der Kiosk hat rund zehn Monate im Jahr durchgehend geöffnet, täglich „von 10 Uhr bis die Sonne untergeht“, wie sie sagt. Urlaub gibt es nur im Winter. Aber ans Aufhören denkt Wilma Anderle keineswegs: „Nein, das Ende sehe ich noch nicht!“

Auch wenn der Name etwas anderes vermuten ließe: Wilma Anderle ist gebürtige Kötztingerin. Sie hatte schon einen beruflichen Abschluss als Werbekauffrau und war (in München) Beamtin bei der Bundespost, als es sie wieder in die Heimat zog. Sie arbeitete im legendären „Cockpit“ und zählte 1991 zu den Gründern des Szenelokals „Monokel“. Dass sie bei der Post ausstieg, in die Gastronomie ging und sich 1992 selbstständig machte, war für Wilma Anderle „logisch“, denn sie sagt: „Ich bin eine Person der Tat und nicht der Bürokratie!“

Treffpunkt Kiosk

Der Kiosk steht im Kurpark an zentraler Stelle, nahe am Präventionszentrum und beim Minigolf-Platz. Auf kurzen Wegen sind der Pavillon, das Theatron, die Ruhezonen samt Spazierwegen von hier aus in allen Richtung erreichbar. Fotos: Fred Wutz

Dass der Kiosk im Kurpark eine traumhafte Lage hat, ist einer der Punkte, die für Wilma Anderle stark positiv zählen. „Und er war immer ein Ort, an dem sich Alt und Jung getroffen haben, alle gesellschaftlichen und sozialen Schichten – einfach schön!“ An den Start, bei der Eröffnung des Kurparks im Jahr 1992, erinnert sich die Kiosk-Betreiberein noch genau: „Mit vier Tischen habe ich angefangen, 25 Schläger gab es beim Minigolf-Platz – das hat sich aber stark geändert.“ Rund 100 Plätze hat Wilma Anderle dauernd bestuhlt, Bierzelt-Garnituren in zwei überdachten Bereichen („Dafür habe ich lange gekämpft, jetzt ist das toll!“) können ergänzend aufgestellt werden, und der Minigolf-Platz erfreut sich vieler Besucher. Prominente Gäste, offiziell und inkognito, waren in den 25 Jahren auch da. „Der Ministerpräsident Stoiber zum Beispiel,“ sagt die Kiosk-Chefin. Ein Gästebuch oder eine Pinnwand mit Erinnerungsbildern hat sie aber nicht angelegt.

Hinter den Kulissen geht im Kiosk des Bad Kötztinger Kurparks die Arbeit nicht aus. Eine Vollzeitkraft und vier Aushilfen sind neben der Chefin hier tätig. Wenn wenig Betrieb ist, wird alles auf Hochglanz gebracht. Fotos: Fred Wutz

„Jeder Tag macht Spaß,“ sagt Anderle, „das hat aber viel damit zu tun, dass es einfach passt.“ Nach ihren Worten ist die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und der Kurverwaltung perfekt. Auch die Beschäftigten des Bauhofes sind schnell vor Ort, wenn ein Problem auftaucht. Und sind die Schwierigkeiten ausnahmsweise größer, ist auch die Polizei bald im Einsatz, etwa um Vandalismus oder wilde Partys im Kurpark zu unterbinden.

„Nach der Sanierung ist es hier besonders schön“, schwärmt Wilma Anderle, der die die zentrale Funktion des Kiosks als Kontaktstelle sichtlich die meiste Freude macht. Sie selbst trägt dabei wesentlich dazu bei, wie der Gast ganz leicht feststellen kann: Wenigstens die Hälfte der Passanten kommen mit einem „Servus!“ oder „Grüaß di, Wilma!“ am Kiosk vorbei. Und die Betreiberin selbst bringt es auf den Punkt, wenn sie auf eine Pulk kinderwagen-fahrender Frauen zeigt und erzählt: „Schau, da trifft sich eine Mutter-Kind-Gruppe – von den Müttern habe ich viele gesehen, als sie noch selbst als kleine Kinder im Wagen gesessen sind.“

Auch Unerfreuliches gab es in den 25 Jahren, gibt Wilma Anderle nach kurzem Überlegen zu, etwa der Einbruch im Kiosk: „Der war völlig sinnlos. Da war nur Schaden, Wertvolles gab es nicht. So etwas kostet nur Zeit und Nerven.“

Der Minigolf-Platz wird von Einheimischen und Gästen sehr gut angenommen. Am Kiosk von Wilma Anderle werden die Eintrittskarten gelöst. Jährlich findet dort eine Meisterschaft statt, die Titel sind begehrt. Fotos: Fred Wutz

Übel war nach den Worten der Kiosk-Betreiberin auch das Hochwasser vor 15 Jahren. „Einen Meter hoch stand das Wasser, außen und innen, das war schon schlimm.“ Aber sie habe dabei auch Erlebnisse gehabt, die ihr wieder Mut machten: „Da kamen einfach irgendwelche Leute vorbei, die haben beim Aufräumen und Putzen geholfen, das war toll.“

Zusammenarbeit ist wichtig

Manchmal ist die Arbeit am Kiosk arg stressig, berichtet Wilma Anderle: „Wenn mehrere Gruppen oder Schulklassen gleichzeitig kommen, dann ist Hochbetrieb.“ Eine fest angestellte Vollzeitkraft und vier Aushilfen hat sie zur Verfügung, die aber auch dann zu tun haben, wenn weniger Gäste da sind: Gläser, Geschirr und Speisen vorbereiten, die Waren-Auslagen aufräumen, Tische und Stühle reinigen und für neue Gäste vorbereiten.

In Sichtweite des Kiosks sind weitere zentrale Punkte: der Teich mit der Fontäne, der Pavillon die Anlage mit dem Maxi-Schachspiel. In südwestlicher Richtung schließen sich Spazierwege und Ruhezonen an. Fotos: Fred Wutz

Viele nette Erlebnisse sind es, die Wilma Anderle täglich neuen Spaß am Kiosk bereiten, wie sie sagt. Und wichtig ist ihr die gute Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten und anderen Firmen in Bad Kötzting. Für sich allein ist sie eher selten: „Der Kaffee am Morgen im eigenen Garten, ja, den genieße ich.“ Aber dann geht es schon wieder in den Kurpark. Und auch die Zeit für die eigene Familie ist eher knapp bemessen.

Dass noch einiges zu erwarten ist –über diese 25 Jahre hinaus – liegt irgendwie auf der Hand, wenn Wilma Anderle erzählt: „Wenn gar nix los ist, fällt mir schon etwas ein. Voriges Jahr habe ich ein Rezept meiner Oma ausprobiert, Eierlikör mit Zitronenlimo, das habe ich Kötztinger Sonnenschein getauft. Den Gästen hat es geschmeckt, es wird noch immer verlangt. Also gibt es das weiter.“

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