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Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Menschen

Sie wurde vom Schulamt „verkuppelt“

Karin Buchinger kam aus Rimbach als Rektorin an die Grundschule Waldmünchen. Hier ist einiges anders als an der alten Schule.
Von Petra Schoplocher

Lesen ist nicht nur eines der Hobbys von Karin Buchinger, es ist ihr auch in der Schule ein großes Anliegen. Eines der ersten Projekte, das sie an ihrer neuen Wirkungsstätte umgesetzt hat, sind „Lesepaten“, die die Kinder in den kommenden Wochen besuchen werden. Foto: Schoplocher

Waldmünchen. Nein, Waldmünchen hätte sie so gar nicht auf dem Schirm gehabt, lächelt Karin Buchinger in ihrem neuen Büro. „Verkuppelt“ hat die damalige Rektorin der Grundschule Rimbach dann niemand Geringerer als Schulamtsdirektor Rudolf Hofmann persönlich, als schlagkräftiges Argument für einen Wechsel nach Waldmünchen konnte er zudem eine Empfehlung der Regierung anführen. „Dann probier ich’s halt mal“, erinnert sie sich an ihre Gedanken vor einer Bewerbung, die vor allem vor dem Hintergrund spielten: „Mal was Größeres“. Der Plan ging auf, seit August leitet die Neunkirchenerin die Grundschule Waldmünchen.

Stimmungsvoll ist es, ihr neues Büro heimelig, eine schöne Atmosphäre ist ihr wichtig. Neben der herbstlichen Dekoration – zusammen mit der ein oder anderen neuen Ecke im Schulhaus wohl der augenscheinlichste Ausdruck, dass hier neuer Wind herrscht – ist auch die Technik eingezogen. „Ich habe als erstes einen Computer angeschafft“, erzählt sie beinahe liebevoll.

Viele Vorstellungen nach der Zusage, wie es sich an der deutlich größeren Schule denn anlassen werde, habe sie sich nicht gemacht. „Wie´´s kommt, so kommts“, entspreche im Wesentlichen ihrer Lebenseinstellung. In Rimbach hatte Buchinger gerade einmal 50 Kinder in drei Klassen, nun sind es 180 in Waldmünchen plus 38 in Geigant sowie rund 20 Kollegen. Dafür unterrichtet die Mutter zweier Söhne nun aber auch „nur“ noch 17 Stunden (unter anderem Englisch, Musik oder evangelische Religion), in ihrer alten Schule hatte sie neben der Leitungsfunktion eine Klassenleitung. Und hier hat sie eine Sekretärin und einen Hausmeister, der mehr ist als das – weil er beispielsweise viele Absprachen mit der Stadt trifft.

In der Gestaltung des Schullebens sieht sie ihre Hauptaufgabe, erste Ideen wurden bereits umgesetzt, an anderen gearbeitet. Buchinger möchte nichts überstürzen und vor allem das, was gut läuft - „und das ist vieles!“ - beibehalten. Zumindest habe sie diesen Eindruck in zahlreichen Gesprächen mit Kollegen, Eltern und anderen „Keyplayern“ gewonnen.

Medienkonzept ist in Arbeit

Arbeit wartet dennoch und nicht immer ist sie frei gestaltbar. So müssen sich Grundschulen ein Medienkonzept erarbeitet, „da sind wir momentan dran“. Ziel ist es, dass die Klassenzimmer auf modernen Stand kommen (Stichwort Beamer und Laptop) und der verantwortungsvolle Umgang geschult wird - sicher eine Gratwanderung. „Schon Zweitklässler schreiben Whats app“, weiß sie. Positiv ist ihr aber aufgefallen, dass sie in Waldmünchen noch kein Kind mit Handy im Schulhaus gesehen hat. Auch die Evaluation, die bayernweite Qualitätssicherung, steht in der Schule in diesem Jahr an. Das sei eine Menge Arbeit, erklärt die Rektorin. Sorge um das Ergebnis macht sie sich aber nicht. Erstens hätte Rimbach das letzte Mal sehr gut abgeschnitten. Und zweitens würde Kritik ja dazu führen, dass Dinge besser würden, sagt sie entspannt.

„Man tut sich mit Vielem leichter, wenn man akzeptiert, dass der Elternwille über Allem steht“, kommentiert sie das Dauerthema Übertritt. Sie habe schon Kinder mit einem Notenschnitt von vier auf weiterführende Schulen gehen sehen. „Ob das im Sinne des Kindes ist?“, fragt sie laut. Diese Frage stelle sich aber nicht nur in der vierten Klasse, oft würde auch der Segen der schulvorbereitenden Einrichtung nicht erkannt. „Doch, ich denke schon, dass der Druck vorwiegend von den Eltern durch deren Erwartungshaltung aufgebaut wird“, fasst sie zusammen.

Zur Person: Karin Buchinger

  • Heimat:

    Karin Buchinger wohnt in Neukirchen beim Heiligen Blut, aufgewachsen ist sie in Stachesried. Ihr Vater war Zollamtsvorsteher in Eschlkam, was ihr starkes Interesse an der Grenze erklärt. Mit ihm zusammen unternimmt sie dort gerne E-Bike-Touren – Radfahren ist eines ihrer Hobbys.

  • Werdegang:

    Nach der Grundschule in Eschlkam und Abitur am JvFG Cham studierte Karin Buchinger an der Uni Passau. Sie war Hanns-Seidel-Stipendiatin.

  • Stationen:

    Als Lehramtsanwärterin kam sie nach Teisnach, wo sie nach Stationen in Kirchaitnach und Prackenbach zurückkehrte.

  • Leitung:

    Seit 2010 war die Mutter zweier Söhne Rektorin an der Hohenbogen-Grundschule Rimbach, ehe sie zum August 2017 die Leitung der Grundschule Waldmünchen übernahm.

  • Aufgaben:

    Jahrelang war sie Praktikumslehrerin sowie Betreuungslehrerin für Lehramtsanwärter.

  • Ziel:

    Karin Buchinger wünscht sich für ihre neue Schule ein „Wohlfühlklima“ für alle, geprägt von gegenseitiger Wertschätzung. Alle Schüler sollen gefördert, aber auch gefordert werden.

  • Hobbys:

    „Skifahren, Reisen in die Berge, Lesen“. Gerne besucht sie auch mal ein Theater oder ein Konzert. (ps)

Die Entscheidung für ein Lehramtsstudium sei im Grunde gar keine gewesen, erzählt die begeisterte Radfahrerin. „Ich hab das schon immer gewusst.“ Die Ader, zu unterrichten, liegt offenbar in der Familie: Tanten und Onkels sind oder waren Lehrer, Sohn Stefan möchte ebenso nichts anderes als Grundschullehrer werden. In der Skischule ihres Vaters, als Jugendwart im Tennisverein oder auch beim Geben von Nachhilfestunden merkte sie, dass das genau ihr Ding ist und welche Freude das Weitervermitteln von Fähigkeiten und Wissen geben kann.

Die Begeisterung in den Augen der Kinder, wenn etwas gelungen ist, sei nach wie vor unbeschreiblich und jeden Tag aufs Neue Bestätigung, sagt sie dankbar. Das Vertrauen der Jungen und Mädchen, denen schon mal der Lehrerin gegenüber ein „Mama“ herausrutscht, sei ein hohes Gut, ergänzt sie noch.

Tränen beim Abschied

schöne Momente habe sie im Laufe ihrer Berufsjahre viele sammeln können, erzählt sie. Ganz vorne in der Liste zu finden ist die Verabschiedung in Rimbach, wo sie gerne gewesen sei und wo „so manche Träne beim Abschied vergossen“ wurde.

„Das Schöne überwiegt, so dass stressige Zeiten gut zu überstehen sind“, sagt sie nach ihren ersten Monaten in Waldmünchen, die ihr schon viele gute Begegnungen beschert hätten. Und denen sicher noch viele folgen werden.

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