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Region Cham
Sonntag, 19. November 2017 10

Polizei

Spektakuläre Unfallflucht in Cham

46-jähriger Chamer fuhr auf drei Fahrzeuge auf, bevor er von der Polizei verhaftet wurde. Zeuge: „Das sah aus wie Absicht!“
Von Johannes Schiedermeier

  • Der 46-Jährige fuhr gegen einen weißen Polo. Foto: Schiedermeier
  • Wohl gleich drei Unfälle gehen auf das Konto des Chamers. Foto: Schiedermeier

Cham.Nach einer spektakulären Unfallflucht, in deren Verlauf drei Fahrzeuge gerammt wurden, hat die Polizei am Freitagvormittag einen 46-jährigen Chamer an der Ampelkreuzung beim Frey-Wohnen verhaftet. Beim letzen Aufprall, der unmittelbar bei Rot an der Kreuzung stattfand, wurde in einem VW Tiguan der Fahrer verletzt. Er musste vom Rettungsdienst versorgt und in das Krankenhaus Cham gebracht werden. Die Polizei bezifferte den Gesamtschaden auf mindestens 20 000 Euro.

Die ersten Meldungen waren entsprechend verwirrend. Es war von einem Unfall am Mittelweg und auf der B 85 die Rede. Zunächst bestand der Verdacht, dass es sich um einen einzelnen Unfall mit zwei verschiedenen Alarmierungen handelte. Kreisbrandinspektor Marco Greil erkundete als erster die Lage und stellte schnell fest, dass es mehrere Unfallstellen gab. Die Polizei griff an der Ampel am Mittelweg zu und verhaftete zunächst einen 46-jährigen Chamer BMW-Fahrer. Er hatte keinen Führerschein dabei und verweigerte einen Alkoholtest.

Insgesamt drei Unfälle

Der Fall an der Kreuzung beim Frey-Wohnen ließ sich recht schnell klären. Der BMW war zunächst von der B 85 kommend den Abfahr-Ast Richtung Cham hinaufgefahren. Oben hatte gerade eine Frau mit einem Skoda angehalten, weil sie Autos vorbeilassen musste. Der BMW fuhr auf den Skoda auf, streifte ihn und fuhr Richtung Ampelkreuzung weiter. Die Frau fuhr mit ihrem Skoda hinterher und holte ihn ein, weil an der Kreuzung gerade die Ampel auf Rot stand. Dort erwischte es den Fahrer eines VW-Tiguan, auf den der BMW-Lenker mit seinem Wagen mit ziemlich großer Wucht auffuhr. Eine Weiterfahrt war unmöglich, weil daraufhin rundum der Verkehr zusammenbrach.

Zwei Mitfahrer im Tiguan berichteten verblüfft, dass der Fahrer aus dem BMW ausgestiegen sei, nach vorne ging und sich in den Tiguan gesetzt habe. Das alles habe einen total abwegigen Eindruck gemacht. Die Polizei nahm den BMW-Fahrer in Gewahrsam. Er verweigerte den Alkoholtest und wurde dann zum Polizeifahrzeug gebracht, damit er im Chamer Krankenhaus einer Blutabnahme unterzogen werden konnte. Beim Gang zum Streifenfahrzeug wurde der Unfallverursacher von zwei Beamten geführt und hinterließ einen absolut desolaten Eindruck.

Inzwischen ergab sich auch an der ersten Unfallstelle ein zusammenhängendes Bild, weil dort der tschechische Fahrer des gerammten Skoda und ein weiterer Zeuge aussagten. Der unverletzte Tscheche berichtete den Beamten, es habe sich um ein weißes Fahrzeug gehandelt, mehr habe er aber nicht mitbekommen.

Der hinter ihm fahrende Zeuge konnte auch erklären, warum. Auch er war noch immer total verblüfft von dem, was er gesehen hatte: „Der BMW-Fahrer hat mich überholt und ist hinter dem Skoda eingeschert. Dabei ist er ihm mit ziemlicher Geschwindigkeit bis auf 50 Zentimeter aufgefahren. Dann hat er sich zurückfallen lassen. Als er einen normalen Abstand hatte, gab er Gas und fuhr voll geradeaus hinten ins Heck. Das hat ausgesehen wie Absicht. Der Polo hat sich einmal um die eigene Achse gedreht und kam dann wieder richtig rum auf der Überholspur zum Stehen.“

Schwierige Beweisführung

Der BMW-Fahrer sei einfach weitergefahren. Der Zeuge konnte sich den Vorfall nicht erklären: „Ich habe den Polo-Fahrer gefragt, ob er irgendwelche Feinde hat. Das gibts doch nicht, dass jemand einfach Anlauf nimmt und dir hinten ins Heck fährt. Einfach so! Aber die beiden kennen sich scheinbar nicht einmal.“ Auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr bescheinigten dem Skodafahrer unglaubliches Glück, weil er auf der Gegenfahrbahn nicht gerammt worden war.

Die Polizei Cham war mit mehreren Streifen vor Ort und versuchte Spuren zu sichern, bevor die Fahrzeuge abtransportiert werden mussten, weil der Verkehr rund um die Unfallstellen bereits lange Staus gebildet hatte. Insbesondere die Unfallstelle mit dem weißen Skoda hatte es in sich. „Weiß auf Weiß ist immer schwierig“, erklärte eine Beamtin, die an der Unfallstelle mit Fotos dokumentierte. Zeuge und Unfallopfer wurden zur Dienststelle gebracht, wo der beschlagnahmte BMW stand, um eine Identifizierung zu ermöglichen.

Alle Hände voll zu tun hatte die Chamer Feuerwehr. Die Unfallstelle auf der Mittelspur der B 85 musste wegen ihrer Gefährlichkeit mit einem Fahrzeug und Pylonen abgesichert werden. Außerdem wurden Fahrzeugteile eingesammelt. Die Strecke Cham-Süd nach Cham-Mitte war eine gute Stunde lang gesperrt.

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