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Region Cham
Sonntag, 24. September 2017 18° 3

Kirche

Stamsried hat jetzt seine Schutzmantelmadonna

Das Grundstück „Am großen Stein“, auf dem die Kapelle steht, gehört seit kurzem dem Markt. Am 16. Mai 1966 wurde das Kirchlein geweiht.
Von Jakob Moro

  • Die Kapelle „Zur Schutzmantelmadonna“ aktuell – im sanierungsbedürftigen Zustand Foto: Moro
  • Das Kirchlein bei der Einweihung im Jahr 1966 Repro: Moro
  • Die Schutzmantelmadonna im Innern der Kapelle Foto: Moro

Stamsried.In mehreren Bürgerversammlungen haben Bewohner des Baugebietes „Am Großen Stein“ den Bauzustand und die Pflege der Kapelle „Zur Schutzmantelmadonna“ in deren unmittelbarer Nachbarschaft angesprochen. Die Kapelle bedürfe einer grundlegenden Sanierung, sagten sie. Doch vorher mussten die Eigentumsverhältnisse geklärt werden. Das Grundstück, auf dem die Kapelle steht, gehörte bisher dem Landkreis Cham.

Wie Bürgermeister Herbert Bauer bei den Bürgerversammlungen wissen ließ, sei dass erweiterte Baugebiet mit 13 Parzellen erschlossen. In diesem Zusammenhang habe man auch die bisher ungeklärten Grundstücksverhältnisse rund um die dortige Kapelle geklärt, die in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts als Ersatz für eine Kapelle unten an der Stratwieser Straße beim Schlosspark errichtet worden ist. Bürger des Baugebietes „Am großen Stein“ boten sich bei den Bürgerversammlungen an, die Pflege der Kapelle zu übernehmen, wenn diese in einen ordentlichen Zustand gebracht werde. Dies ist jetzt möglich, weil die Besitzverhältnisse geklärt sind, so Bürgermeister Bauer.

Die Entstehungsgeschichte

Wie kam es zu der Kapelle hoch oben „Am großen Stein“? Als Ende des Zweiten Weltkrieges die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung einsetzte, war es als erstes notwendig, für gute Straßenverkehrsverhältnisse zu sorgen. Es wurden Straßen gebaut, Flurbereinigungen durchgeführt, Wiesen und Felder drainiert, Bäche und Flüsse begradigt, um die landwirtschaftliche Produktion zu steigern und die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen.

Vieles, was dem entgegenstand, wurde beseitigt, auch Kulturdenkmäler und Flurkreuze. Mit dem Auto nach Stratwies zu fahren, war bis in 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts nur über Bernried, Schatzendorf möglich. Ein schlechter Weg führte von der Stamsrieder Parkmauer zur Kürnberger-Kapelle, dort talwärts durch eine Hohlgasse hinab nach Stratwies. Die Straße nach Stratwies wurde neu gebaut. Eine Kapelle, die Maria-Hilf-Kapelle, störte und wurde abgerissen.

Im Zusammenwirken des damaligen Landkreises Roding unter Landrat Franz Sackmann und des Marktes Stamsried wurde eine neue Kapelle auf der Reserve errichtet. 1966, als der spätere Ehrenbürger Johann Gruber Pfarrer in Stamsried war, wurde die Kapelle „Zur Schutzmantelmadonna“ am 16. Mai benediziert. Um die Rechtsverhältnisse kümmerte sich damals niemand. Die Gebietsreform kam, Roding kam zum Landkreis Cham. Der Landkreis Cham ist heute Eigentümer des Grundstücks, hat aber wenig Interesse an der Kapelle. Die abseits gelegene Kapelle geriet in Vergessenheit. Sie könnte eine Renovierung, sowohl außen als auch innen, gebrauchen, meinen Besucher. Der Umgriff der Kapelle wird in regelmäßigen Abständen vom Kreisbauhof und dem Stamsrieder Bauhof gepflegt.

Es gibt kaum brauchbares Fotomaterial und nur wenig Schriftliches über die Vorgängerkapelle der „Kapelle zur Schutzmantelmadonna auf der Reserve“. Vermutlich von den damaligen Besitzern des Stamsrieder Schlosses (Schlossverwalter war zu dieser Zeit Johann Lukas Rauffer, dem Stamsried auch die Mariensäule auf dem Marktplatz verdankt) wurde um 1734, als vermutlich Benno Andreas Grienagl Pfarrer in Stamsried war, die Mariä-Hilf-Kapelle an der Stratwieser Straße errichtet. Sie soll 1786 auf Veranlassung des Gerichtsdieners Gensper neu aufgebaut worden sein. Erneut soll sie 1834 der Müllner Schmidbauer von der Fegersmühle nochmals mit eigenen Mitteln aufgebaut haben.

Bald bürgerte sich der Brauch ein, dass sich am Erntedankfest hier Geistlichkeit und Marktbewohner sammelten, um in einer langen Prozession zur Pfarrkirche zu ziehen. Zwei Linden sollen den Besuchern vor der Kapelle Schatten gespendet haben. In Notzeiten – nach dem Zweiten Weltkrieg –, als am Sonntagnachmittag Frauen, Männer und Kinder ihre Sorgen der Gottesmutter anvertrauten, sollen sich Stamsrieder dort öfter aufgehalten und gebetet haben.

„Maria, breit den Mantel aus“

Das Motiv der Schutzmantelmadonna gibt es seit dem 13. Jahrhundert. Das heutige Fest „Maria, Hilfe der Christen“ wurde erst von Papst Pius VII. eingeführt, als er nach dem Sturz Napoleons am 24. Mai 1814 nach Rom zurückkehren konnte. Eines der beliebtesten Marienlieder lautet: „Maria, breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus; lass uns darunter sicher steh’n, bis alle Stürm vorübergeh’n.“ Und weiter: „Dein Mantel ist sehr weit und breit, er deckt die ganze Christenheit, er deckt die weite, breite Welt, ist aller Zuflucht...“. Die ursprünglichen 29 Strophen erschienen 1640 beim Innsbrucker Musikverleger Michael Wagner. Besungen wird die Schutzmantelmadonna, die unter ihrem ausgebreiteten Mantel Gläubige vom Papst bis zum Bettler birgt.

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