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Region Cham
Freitag, 30. September 2016 21° 1

Urteil

Tierquäler muss ein Jahr ins Gefängnis

19-Jähriger hatte seinen Hund im Wald angebunden und sterben lassen. Bewährung kam wegen weiterer Delikte nicht infrage.

CHAM. „Wenn ich es ändern könnte, wüde ich es ändern“, schluchzt der 19-Jährige und bricht auf der Anklagebank in Tränen aus. Irgendwann im Januar hat er seinen Mischlingshund Rocky zwischen Katzbach und Rhanwalting an einen Baum gebunden und ausgesetzt. Amtsgerichtsdirektor Volker Kern erspart dem Angeklagten nichts. Unter Tränen muss sich der 19-Jährige Fotos von dem völlig ausgetrockneten Hund ansehen. „Diese kleine Kreatur ist wegen Ihnen qualvoll gestorben“, sagt der Richter. Der Angeklagte nickt.

Zerrüttetes Elternhaus

Er erzählt den Hergang aus seiner Sicht: Weil er seine Mutter alkoholsüchtig gewesen sei, und ihr Lebensgefährte ihn verprügelt habe, lebte er bei der Mutter einer Freundin, alleinerziehend mit drei Kindern. Diese musste aus ihrer Wohnung in Katzbach ausziehen – auch weil es Beschwerden von Mitbewohnern über den Hund gab. In die neue Wohnung nach Runding sollte der 19-Jährige nur mitziehen dürfen, wenn der Hund verschwindet.

Am 12. Dezember taucht der Angeklagte samt der Frau, die ihm Obdach gewährt, in der Tierklinik Miltach im Nachtdienst auf. Sein Hund leidet an Atemnot, die Lymphdrüsen sind geschwollen. Rocky hat zu diesem Zeitpunkt nichts mehr gefressen und kaum noch getrunken, sagt der Angeklagte.

Der Zustand des Hundes as sei nach dem Arztbesuch besser gewesen, habe sich dann aber wieder verschlechtert. Die Rechnung bezahlt die Frau, bei der er wohnt.

Laut Diagnose ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Hund Krebs hat. Dass dies nicht der Fall ist, stellt sich erst später bei der Obduktion heraus.

Kein Geld fürs Einschläfern

Der 19-Jährige, dessen Einkommen in Zahlungen der ARGE besteht, die immer noch auf das Konto der Mutter gelaufen sind, hat kein Geld für das Einschläfern des Hundes. Er nimmt Kontakt zum Tierheim auf. Dort will man den Hund für 100 Euro annehmen. Die hat er nicht.

Im Januar bindet der Angeklagte den Hund an einen Baum. Gefunden wird das verendete Tier erst nach Wochen, als der Schnee schmilzt.

Fahren ohne Führerschein

In den Prozess um die Tierquälerei wird zweites Verfahren einbezogen: Fahren ohne Führerschein mit fahrlässiger Körperverletzung. Der Angeklagte hatte im März trotz einschlägiger Vorstrafen eine 15-jährige Freundin mit seinem nur für eine Person zugelassenen Roller mitgenommen. Dabei waren sie gestürzt, die Beifahrerin hatte Prellungen und eine Gehirnerschütterung erlitten.

Für beide Taten zusammen fordert die Staatsanwältin ein Jahr Jugendstrafe. Der 19-jährige sei sichtbar nicht als Erwachsener zu beurteilen. Sein Vorstrafenregister enthält auch Diebstahl, Betrug und Urkundenfälschung. Ein erneuter Verstoß elf Tage nach einer achtmonatigen Bewährungsstrafe erfordere nun eine Haftstrafe.

Keine positive Prognose

Dieser Forderung schloss sich das Schöffengericht an. Amtsgerichtsdirektor Volker Kern sieht bei dem Angeklagten Dummheit gepaart mit kriminellem Einschlag. Zur Dummheit gehöre auch, dass er seinen Hund nicht beim Tierheim angebunden habe. Kern nahm dem 19-Jährigen nicht ab, dass der Hund gefunden werden sollte. Da geselle sich zur Dummheit ein Stück Rohheit und Gefühllosigkeit. Die Bewährung versage das Gericht auch vor dem Hintergrund, dass es keine positive Prognose gebe. Kern rät dem 19-Jährigen, die Chance für den Beginn einer Ausbildung im Gefängnis zu nutzen.

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