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Justiz

Verbrannter Bub: Prozessbeginn bekannt

Das Landgericht setzt 13 Verhandlungstage an, an denen sich die Eltern aus dem Raum Waldmünchen verantworten müssen.
Von Johannes Schiedermeier

Für bundesweite Schlagzeilen sorgte das Auftauchen eines schwer verbrannten Buben an dieser Chamer Tankstelle.Foto: km

Waldmünchen.Ein Jahr nachdem ein Elternpaar aus dem Altlandkreis Waldmünchen mit seinem fünfjährigen Buben mit schwersten Brandverletzungen an einer Tankstelle aufgefallen war, will das Landgericht am 25. Oktober das Verfahren eröffnen. Wie bereits berichtet, will die Staatsanwaltschaft auf versuchten Mord durch Unterlassung klagen, jeweils in Tateinheit mit Misshandlung von Schutzbefohlenen und schwerer Körperverletzung jeweils durch Unterlassung.

13 Verhandlungstage sind angesetzt, 40 Zeugen geladen. So will die Jugendstrafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Carl Pfeffer Licht in das Dunkel um die Vorfälle im Oktober 2016 bringen.

Die Staatsanwaltschaft Regensburg hatte zunächst wegen versuchten Mordes ermittelt. Inzwischen haben die Nachforschungen ergeben, dass es sich wohl um einen Unfall gehandelt hat und der Sohn nicht absichtlich angezündet worden ist. Die Mutter hatte mit einem Benzinkanister hantiert, den sie wegwarf, als er in Brand geriet. Durch das brennende Benzin fing der fünfjährige Sohn Feuer. Der Fall machte bundesweite Schlagzeilen, weil die Eltern (beide 36) mit dem Buben an der Hand in eine Chamer Tankstelle gingen. Dort reagierte die Frau an der Kasse auf die schweren Verbrennungen und verständigte die Polizei.

Ende April hatte Thomas Polnik, der Sprecher des Landgerichts Regensburg, unserem Medienhaus mitgeteilt, dass die Anklage zugestellt sei. Mittlerweile saßen beide Eltern in Untersuchungshaft. Für die fünf Kinder hat das Jugendamt am Chamer Landratsamt die Vormundschaft übernommen. Sie sind alle gemeinsam in einer Jugendeinrichtung untergebracht. Auch der verletzte Fünfjährige ist inzwischen wieder dabei. In der Zwischenzeit prüfte das Landgericht Regensburg die Zulässigkeit der Anklage. Ausschlaggebend für die Anberaumung eines Prozesses ist eine überwiegende Verurteilungs-Wahrscheinlichkeit. Die hat das Gericht gesehen und die Plausibilität der Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bejaht.

Drei Tage lang hatten die Eltern den Buben nicht in ärztliche Behandlung gegeben, obwohl die Verletzungen so schwer waren, dass eine spätere Untersuchung nur unter Narkose möglich war. Dies hatte der Vater selbst in einem Interview berichtet.

Die Familie war vier Monate vor dem Geschehen im Altlandkreis Waldmünchen zugezogen und in der Folge durch erhebliche Schulversäumnisse der Kinder aufgefallen. Deshalb hatte das Jugendamt bereits im Vorfeld „engmaschigen Kontakt“, wie der Pressesprecher des Landrats mitteilte. Friedrich Schuhbauer erklärte aber, dass es keinerlei Hinweise auf eine Kindeswohl-Gefährdung gegeben habe.

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