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Donnerstag, 21. September 2017 17° 4

Garten

Vielseitige „Bettsoacha“

In der Küche kann man die Rübe vielseitig einsetzen. Sie erinnert im Geschmack an Kohlrabi und hat auch Schärfe wie der Radi, nur nicht so nass.

Der Anderl holt ganz frisch aus dem Garten Herbstrüben.

Sie haben viele Namen: Mairübe, Herbstrübe, Stoppelrübe, Weiße Rübe, Speiserübe, Halmrübe, Saatrübe, Ackerrübe, Krautrübe, Wasserrübe – oder auch, a bisserl bayerisch-ordinär, „Bettsoacha“. Allen gemeinsam ist der botanische Name Brassica rapa. Das ist ja der große Vorteil der wissenschaftlichen Bezeichnungen – auch wenn sie manchmal schwer zu merken sind –, dass sie für Ordnung in der Natur sorgen und eine internationale Verständigung ermöglichen. Da kennt man sich aus, ob nun der Schweizer „Rübstiel“ sagt, der Franzose „navet“, der Engländer „turnip“, der Pole „rzepa jadalna“, der Tscheche „vodnice“ (Wasserrübe)“ oder der Tiroler „Soachruabn“. Wobei die derbe süddeutsch-österreichische Bezeichnung ganz zutreffend ist, sagt man der Rübe doch eine recht harntreibende Wirkung nach.

Der griechische Arzt Dioskurides (1. Jahrhundert n. Chr.) beschrieb die Wirkung der Rübe wie folgt: „Die gekochte Wurzel der weißen Rübe ist nahrhaft, erzeugt Blähungen und reizt zum Liebesgenuss. Werden die Sprossen derselben gekocht und gegessen, so wirken sie harntreibend.“

In der Küche kann man die Rübe recht vielseitig einsetzen. Der Anderl ist da noch am Experimentieren, weil er die Brassica rapa noch nicht so lange im Garten anbaut. Sie erinnert im Geschmack an Kohlrabi und hat auch etwas Schärfe wie der Radi, nur nicht so rass. Größere Exemplare kann man fein wie Radi aufschneiden und salzen, kleinere wie Radieserl essen. Auch geraspelt und mit a bisserl Essig und Öl angemacht, schmeckt die Rübe als Rohkost recht gut, gedämpft kann man sie wie Kohlrabi zubereiten, wobei man auch das grüne Kraut verwenden kann.

Die ältesten europäischen Samenfunde dieser Rübe stammen aus steinzeitlichen Siedlungen des nördlichen Alpenvorlandes. Im altertümlichen Griechenland und Rom war die Stoppelrübe eine wichtige Anbaupflanze. Eine Beschreibung der Kultivierung und Konservierung durch Milchsäuregärung von rapa (lat. Rübe) stammt vom römischen Landwirtschaftsautor Columella (um 35 - 65 n. Chr.). Dieses „Rübenkraut“ schätzen manche auch heute noch. Zur Herstellung werden weiße Rüben geschnetzelt und mit Salz abwechselnd in einen Steinguttopf geschichtet und festgestampft, bis sie mit dem eigenen Saft bedeckt sind. Nach einigen Wochen ist der Gärprozess abgeschlossen, ähnlich wie bei Sauerkraut.

In Tirol brennt man auch einen Schnaps aus den Rüben, den „Krautinger“. Das Privileg zur Schnapsherstellung aus Rüben („Krautingerbrennen“) wurde den Bauern der Wildschönau von Maria Theresia (1740 - 1780) verliehen.

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