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Volksfest mit Minister und Startverbot

Die Veranstalter des Chamer Volksfestes sind mit der Bilanz 2017 zufrieden, auch wenn es kein Jahr der Rekorde war.
Von Steffi Bauer

Der Besuch von Innenminister Joachim Herrmann (2. v. links) war sicher einer der Höhepunkte beim Chamer Volksfest. Rechts ist Volksfest-Präsident Sepp Altmann zu sehen. Fotos: Benjamin Franz

Cham.Nach den Besucherzahlen wird Volksfest-Präsident Sepp Altmann so ziemlich jedes Jahr gefragt. Aber die Festbesucher werden nie gezählt, höchstens grob überschlagen. „Es gibt keine Statistik, man kann nur ungefähr hochrechnen, wie viele es sind“, sagt er dann immer. 3000 Menschen finden Platz im Bierzelt, dazu kommen 1000 auf den Freisitzen davor.“ Nicht zu vergessen diejenigen, die es sich im und vor dem Weißbierstadl gemütlich gemacht haben, und die vielen Menschen, die bei den Essensständen, den Fahrgeschäften und Losbuden stehen oder gerade eine Runde auf dem Festplatz drehen.

Das Ganze mal elf Tage macht unterm Strich: eine durchaus ansehnliche Anzahl an Volksfestbesuchern. Auch dieses Jahr, obwohl Petrus es teilweise etwas zu gut gemeint hatte mit dem heißen Festwetter. Und so wurde es „kein Fest der Rekorde“, wie Altmann sagt. „Aber wir sind keine Rekordjäger; unser Anspruch ist ein familienfreundliches Fest, auf dem sich alle Besucher wohlfühlen.“ Und das war es aus der Sicht des Vorsitzenden des Volksfestvereins: ein schönes, erfolgreiches und friedliches Fest.

Schwülwarm zum Festauftakt

War das Zelt am Freitagabend beim Festauftakt mit dem Auftritt der Charly-M-Band noch proppenvoll, haben bei den schwülwarmen Temperaturen am ersten Wochenende einige dann doch das Freibad oder den schattigen Garten vorgezogen. Der Mittwoch war temperaturmäßig einer der Spitzenreiter, aber dank „Rodscha und Tom“ und ermäßigter Preise am Kindernachmittag haben viele Familien sich trotzdem entschlossen, aufs Fest zu gehen. Und ab Donnerstag hat das Blatt sich ohnehin gewendet, sprich es hat abgekühlt und die Besucher kamen in Scharen: „Am Montag habe ich mit vielen der Schausteller gesprochen, und zum Schluss sind dann alle wieder auf ihre Kosten gekommen“, berichtet Altmann.

Das Free-Style durfte in Cham nie abheben. Foto: Archiv si

Eine Schaustellerfamilie ist natürlich nicht zufrieden: Die Agtschs mit ihrem Fahrgeschäft Free-Style, zunächst als „Premiere und Attraktion“ für das Chamer Volksfest angekündigt. Auslöser war ein Vorfall, der sich im 7000 Kilometer entfernten Ohio in den USA zugetragen hat. Bei einem tragischen Unfall in einem baugleichen Modell des Karussells starb ein 18-Jähriger, sieben Personen wurden verletzt. Aufgrund dessen hatte der Hersteller dazu aufgerufen, weltweit den Betrieb aller baugleichen Fahrgeschäfte einzustellen. Der TÜV-Süd erließ daraufhin eine entsprechende Anordnung, und auch von der obersten Baubehörde gab es keine Betriebserlaubnis – bis zum Ende des Chamer Volksfests. Dass das Free-Style nicht abheben durfte, findet Altmann vor allem für die Schaustellerfamilie bedauerlich, die auf den kompletten Umsatz der elf Tage verzichten musste. „Aber die Sicherheit hatte oberste Priorität.“ Der Schaustellerfamilie sei man dafür entgegengekommen, was das Platzgeld betrifft.

Lesen Sie hier: Unter Prügelknaben, Zechern und braven Autofahrern – MZ-Reporter Johannes Schiedermeier auf Streife mit den Ordnungshütern am Chamer Volksfest.

Apropos Sicherheit: Altmann spricht der Polizei, dem privaten Sicherheitsdienst, dem BRK und allen Helfern ein großes Lob und seinen Dank aus: „Sie sind die Garanten, dass so ein Fest reibungslos über die Bühne gehen kann.“ Jeden Tag informierte sich der Volksfest-Präsident bei der Sanitätswache über die Lage – hauptsächlich handelte es sich zum Glück um harmlose Geschichten. Und auch die Polizei freut sich, dass das 69. Chamer Volksfest „relativ ruhig und sehr friedlich“ zu Ende gegangen ist, was wohl auch den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen geschuldet sei. Insgesamt wurden die Beamten in diesem Zeitraum zu fünf Körperverletzungsdelikten gerufen, bei denen alle Beteiligten meist erheblich alkoholisiert waren, und zum Teil war auch Eifersucht im Spiel. „Glücklicherweise wurde aber kein Beteiligter schwerer verletzt“, heißt es im Polizeibericht.

Für viele Besucher war der Weißbierstadl der Renner auf dem Volksfest. Der Betreiber, Ludwig Weber, bekommt viel Lob vom Volksfest-Präsident für die Gestaltung des Freibereichs, ebenso wie für das Programm mit Live-Musik. Immer beliebter werden übrigens auch die Freisitze um das große Festzelt herum. Altmann: „Die waren täglich voll besetzt.“ Die in diesem Jahr erfolgte Verlegung des Essensbereichs vom Zelteingang weg wurde laut Altmann sehr gut angenommen von den Besuchern.

Lobenswert: Keine Alkosünder

Beim Trinkverhalten der Festbesucher hat sich in den letzten Jahren auch einiges getan, hat der Volksfest-Präsident beobachtet. War es früher noch ganz überwiegend die Maß Bier, die getrunken wurde, bestellen die Leute heute auch gerne mal ein Radler, ein leichtes Bier oder gar ein alkoholfreies. Das zahlt sich aus: Chams Polizeichef Alfons Windmaißer ist besonders erfreut, dass trotz vieler durchgeführter Verkehrskontrollen kein einziger Fahrer unter Alkoholeinfluss angetroffen wurde.

Der Höhepunkt des Volksfestes ist für Altmann jedes Jahr der Festzug „Klingendes Cham“ am Sonntag mit etwa 2000 Teilnehmern. Auch heuer säumten tausende Zuschauer die Straßen und spendeten Beifall. Und nun darf man gespannt sein, was der Verein sich für das Jubiläums-Volksfest 2018 einfallen lässt.

Klingendes Cham 2017

Bilanz der Polizei

Das 69. Chamer Volksfest verlief aus polizeilicher Sicht relativ ruhig. Die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen haben hierzu wohl ihren Beitrag geleistet, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizeiinspektion: „Für das Verhalten möchte sich die Polizei Cham ausdrücklich bedanken. An den elf Festtagen kam es zu keinen größeren Ausschreitungen oder Störungen.“

Die Beamten wurden in diesem Zeitraum zu fünf Körperverletzungsdelikten gerufen, bei denen alle Beteiligten meist erheblich alkoholisiert waren. Glücklicherweise wurde aber kein Beteiligter schwerer verletzt. Zum Festauftakt am Freitag, 28. Juli, gegen 22.20 Uhr, gerieten offensichtlich wegen einer jungen Dame, eine russische und eine türkische Gruppe, auf einer Parkfläche gegenüber dem des Haupteingang vom Festgelände in die Haare. Bei den Streitigkeit unter mindestens fünf Beteiligten wurden drei Personen verletzt.

Am gleichen Abend, gegen 23.15 Uhr, schlug ein 26-jähriger Maurer einem 25-jährigen Österreicher mit der Faust aufs Auge. Dieser erlitt hierdurch eine Platzwunde und eine kräftige Schwellung am Augenbogen.

Ein Paar besuchte am Dienstagabend gemeinsam das Volksfest und sprach sehr dem Festbier zu. Als beide stark alkoholisiert in ihrer Wohnung in der Innenstadt eintrafen, entbrannte ein Streit, und beide schlugen sich gegenseitig ins Gesicht.

Eifersucht war wohl der Auslöser für eine Schlägerei zwischen einem 22-jährigen Chamer und einem 19-jährigen Further. Angeblich sei ihm sein „bester Freund“ auf die Schliche gekommen, dass er etwas mit seiner Freundin habe und verpasste ihm einen Faustschlag ans Kinn.

Eine 19-jährige Frau wollte am Samstag, gegen 23.15 Uhr, eine Rangelei zwischen mehreren Betrunkenen beenden und ging dazwischen. Als Dank dafür schlug ihr ein 23-jähriger Türke mit der Hand auf den Hinterkopf, wodurch sie eine Prellung erlitt und in der Rettungswache am Festplatz behandelt werden musste.

Sexuell belästigt wurde ein 16-jähriges Mädchen, indem ihr ein 19-jähriger an den Po und die Brust fasste. Der Täter flüchtete zwar, konnte jedoch durch die Polizei ermittelt werden und wurde zur Anzeige gebracht.

Am ersten Volksfestsamstag legte eine Frau kurz vor Mitternacht ihr iPhone 7 auf den Biertisch im Weißbierstadl. Offensichtlich in einem unbeobachteten Moment nahm ein Dieb das Mobiltelefon und verschwand.

Gleich zwei Autoaußenspiegel mussten am ersten Festabend dran glauben. Unbekannte Täter schlugen vom einem Pkw Kia und einem Ford, geparkt in der Further Straße den linken Außenspiegel ab.

Mit über zwei Promille fühlte sich am ersten Festsamstag, gegen 22.30 Uhr ein 33-jähriger Mauerer aus Bad Kötzting von anwesenden Asylbewerbern belästigt und drohte diesen mit „Abstechen“. Dank des schnellen Eingreifens des Sicherheitsdienstes im Festzelt wurde ihm sein mitgeführter Hirschfänger abgenommen und er kam in Polizeigewahrsam.

Lesen Sie hier: Betrunkener lässt sich Mustang stibitzen – Ein Unbekannter stahl den Schlüssel eines Ford Mustang auf dem Chamer Volksfest und machte sich mit dem Cabrio aus dem Staub.

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