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Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Glaube

Vom Werdegang eines Spätberufenen

Früher schliff er an Gussformen: Jetzt steht Daniel Schmid als Kaplan am Further Altar. Ein Gespräch über Gott und die Welt
Von Michael Gruber

Der neue Kaplan am Altar der Further Stadtpfarrkirche: Daniel Schmid aus Burglengenfeld Foto: Gruber

Furth im Wald.Hauptschüler - dieses Wort hat einen Beigeschmack. Da mag sich die Münchener Politik noch so rühmen für das bayerische Schulsystem – wer den Hauptschulabschluss hat, war ein „Mittelschüler“. Klingt besser. Aber Daniel Schmid will das nicht sagen. Wenige Wochen vor seiner Quali-Prüfung stand er im Ministrantenkleid vor dem Altar, er schwenkte das Rauchfass in seiner Heimatpfarrei St. Vitus in Burglengenfeld. Schon damals träumte er davon, seinen Glauben zum Beruf zu machen. Priester zu werden, Predigten zu halten, Menschen zur Seite zu stehen, ob bei der Taufe oder den dunkelsten Stunden. „Als Hauptschüler – und das sage ich ganz bewusst so – schien es für mich ausgeschlossen, ein Studium zum Priester aufzunehmen“, sagt Daniel Schmid. Nur Familie, Freunde und Bekannte sahen das anders: „Der wird a mal a Priester“, flüsterten die sich zu. Und sie sollten recht behalten.

„Als Hauptschüler – und das sage ich ganz bewusst so – schien es für mich ausgeschlossen, ein Studium zum Priester aufzunehmen.“

Daniel Schmid

Diesen Sommer, am 24. Juni, wurde Daniel Schmid von Bischof Voderholzer im Dom zu Regensburg feierlich zum Priester geweiht. Nach sechs Jahren Studium der Theologie, Kunstwissenschaft, Philosophie und der christlichen Dogmatik hat der 35-jährige Burglengenfelder das Priesterseminar in Regensburg absolviert und ist nun zu seinem ersten geistlichen Amt berufen worden: Als neuer Kaplan der Pfarrei Mariä Himmelfahrt hat er am 1. September seinen Vorgänger Thomas Kohlhepp abgelöst. An der Seite des Stadtpfarrers Richard Meier übernimmt er fortan die Leitung der Gottesdienste, die Ministranten- und Kolpingsarbeit und ist verantwortlich für die Katholische Arbeiterbewegung.

Fingerspitzengefühl für Furth

Und auch wenn bisher nur ein Bett und Sturmgepäck in seinem Schlafzimmer am Marktplatz stehen – nach den ersten zwei Wochen im Dienst ist sich Daniel Schmid jetzt schon sicher: Der Weg hinter den Further Altar ist der richtige. „Die Menschen hier in der Pfarrei haben mich sehr herzlich empfangen und auch mit Pfarrer Richard Meier komme ich sehr gut aus.“ Fingerspitzengefühl für den Charme der Further hat der Burglengenfelder schon bei seiner ersten Predigt bewiesen. Er zitierte eine Stelle aus dem Drachenstich. Zwei Rittersleute werden gefragt, was sie nach Furth verschlagen habe: „Woanders wollte uns keiner nehmen“, so die ironische Antwort. Ernst ist es dem jungen Kaplan dagegen mit der religiösen Botschaft, die er der Pfarrgemeinde verkünden möchte: Das Kreuz als Mittelpunkt des Glaubens, als Symbol für die Liebe Gottes, das auch das Leben des Burglengenfelders radikal gewandelt hat. Denn noch vor sieben Jahren stand Schmid da, wo die meisten seiner Messgänger heute schuften: im Alltag der Arbeitswelt, mit all den Höhen und Tiefen, die das heutige Berufsleben prägen.

„Keine Nachkommen zu haben, war eine der schwierigsten Überlegungen beim Zölibat.“

Daniel Schmid

Nach dem Quali begann Schmid eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker bei der Firma Hansa in Burglengenfeld und schliff knapp vier Jahre lang an Formen für Hämmer, Zangen und Schraubenzieher. Eine Konjunkturflaute brachte den Betrieb ins Wackeln, Schmid wechselte zur Bundeswehr, leistete seinen Wehrdienst in Amberg ab und trat 2004 eine Stelle in einer Werkzeugschleiferei in Nittenau an. „Der Wunsch nach einem geistlichen Amt reifte zu dieser Zeit weiter heran“, sagt Schmid. Als Oberministrant und Pfarrgemeinderat blieb die Kirche für ihn als fester Rückzugsort präsent und über einen Besuch des Bischofs erfuhr er von dem Regensburger Rudolphinum, einem Priesterseminar, das auch Menschen ohne Hochschulreife ein geistliches Studium ermöglicht.

Ein harter Einschnitt

Der Werdegang eines Spätberufenen

  • Handwerk:

    Nach dem Quali absolvierte Daniel Schmid eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker bei der Firma Hansa Metallwerke in Burglengenfeld. 2004 wechselte der Handwerker in einen Nittenauer Familienbetrieb.

  • Priesterseminar:

    Das bischöfliche Rudolphinum in Regensburg ermöglicht Nicht-Abiturienten das Theologiestudium über den dritten Bildungsweg. 2010 wurde Schmid in das Priesterstudium aufgenommen.

  • Lehrplan:

    Der Lehrplan sieht mehrere Ausbildungsphasen vor. Nach einer Einführung in die Fundamentaltheologie, stehen im zweiten Abschnitt Fächer wie Religionspädagogik und Dogmatik und Praktika auf dem Programm.

  • Priesterweihe:

    Am 24. Juni wurde Daniel Schmid von Bischof Voderholzer im Dom zu Regensburg zum Priester geweiht. Sein Praktikum absolvierte der 35-Jährige in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Bad Kötzting.

Schmid wagte den Schritt und nach den ersten Monaten im Hörsaal waren auch die anfänglichen Zweifel an seiner Entscheidung verflogen: „Ich stand damals auf dem Kreuzberg in Burglengenfeld, atmete tief durch. Und ich spürte, dass ich das Richtige tue.“ Auf dem Weg zum Priester gibt es viele harte Einschnitte: Die Absage an eine Eheschließung, an eine Familie, die einen zu Hause empfängt. „Keine Nachkommen zu haben, war eine der schwierigsten Überlegungen beim Zölibat“, sagt Schmid. Doch sieht der 35-jährige in seinem Wechsel an den Altar einen entscheidenden Vorteil für seine Arbeit: „Durch meine Vorerfahrung in der Berufswelt und im weltlichen Leben weiß ich, wie es um die Sorgen und Nöte der Menschen steht.“

Dass der Ruf der Kirche in diesen Tagen angekratzt ist und sich immer mehr Menschen vom Glauben abwenden, ist dem jungen Kaplan bewusst und genau deshalb möchte er offen mit dem Thema umgehen. „Wir müssen eingestehen, dass Fehler passiert sind“, sagt Schmid. „Wichtig ist jetzt, dass Urteile gefällt und Maßnahmen getroffen werden, damit sich das auf keinen Fall wiederholen kann.“

Deshalb möchte Schmid bei seiner Arbeit ein besonderes Augenmerk auf jene Menschen in der Gemeinde richten, die für ihn die Weichen der Zukunft stellen. „Ich möchte den Blick auf junge Familien richten, die Keimzellen unserer Gesellschaft.“ Dem neuen Kaplan der Stadtpfarrei schwebt dabei vor, die Sonntagsmesse kinderfreundlicher zu gestalten, etwa mit einem ergänzenden Kindergottesdienst in der Krypta.

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