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Mittwoch, 22. November 2017 7

Geschichte

Von Münzen, Knollen und Beilen

Archäologische Funde in dem bekannten Baugebiet am Weinberg sind ein Beleg für eine sehr frühe Besiedlung Stamsrieds, sagen Heimatforscher.
Von Jakob Moro

  • Drei keltische Tonscherben und sieben Funde aus der „Bauernkultur“.
  • Ein großer Knollen und vier Plattensilex aus Arnhofen. Fotos: Moro
  • Pfeilspitzen, Schaber und Messer: Diese Funde stammen aus Arnhofen.
  • Münzen aus der Neuzeit, der Kaiserzeit und dem Dritten Reich.

Stamsried.Stamsried ist nachweislich bereits sehr lange als Siedlung bekannt. Schon der Name „Stam“ weise darauf hin, meinen Heimatforscher. Relikte aus längst vergangenen Zeiten hat Hobbyheimatforscher und Archäologe Kurt Hornauer auf dem Weinberg von Stamsried vor längerer Zeit gefunden, jedoch hat die Öffentlichkeit bisher davon nichts erfahren.

Ein Beleg für die frühe Besiedlung Stamsrieds ist ein wenig bekannter Fund im Elternhaus von Albert Ehrhardt, Flurnummer 331 in der Gemarkung Stamsried. Gefunden wurde ein Steinbeil, ein heller faustgroßer Stein mit einem Durchmesser von 20 bis 25 Millimeter. Fachleute erklärten, dass es sich hier um Steinbeil handelt.

Hammeraxt als Kultgegenstand

Hobbyarchäologe Kurt Hornauer beschrieb das Fundstück wie folgt: „Die Hammeraxt war ursprünglich Arbeitsgerät, später wurde es Kultgegenstand, verziert mit Längsriefen.“ Das Material bestand aus Tuff, Gneis und Granit aus basaltischer Lava aus der Zeit zwischen 3000 und 5000 Jahre vor Christus (Bandkeramische Zeit). Hergestellt wurde das Fundstück vermutlich im Raum Pilsen in Tschechien. Die Hammeraxt soll sich heute in Privatbesitz befinden.

Als die Bürger wenig Interesse an der Vergangenheit zeigten, hatte Kurt Hornauer aus Roding beim Schmie-Hans (Häusler Hans) sein Auto zur Reparatur gebracht. Während das Auto repariert wurde, machte sich Kurt Hornauer auf und ging die angrenzenden Felder ab. Bebaut war damals der Weinberg noch nicht. Nur das spätere Café Ehrhardt, das Anwesen der „Heiberger Nane“, war vorhanden. In der Schachtel mit der Nummer 135 befindet sich das Sammelgut im Besitz von Kurt Hornauer und wurde wissenschaftlich durch das Landesamt für Denkmalschutz ausgewertet.

Es stellt sich die Frage, ob bereits vor 6000 Jahren am Weinberg in Stamsried Messer, Sicheln und Beile hergestellt worden sind. Wie bereits in Friedersried in der Nähe des Hiltenbaches wurde „Steinzeug“ aus der Jungsteinzeit, etwa 5500 bis 7000 vor Christus, aus der so genannten Bauernkultur gefunden.

Gefunden wurden zum einen drei keltische Tonscherben aus der Hallstein-Zeit, etwa 200 vor Christus, sieben Tonscherben aus der „Bauernkultur“, die dem Zeitraum 5500 bis 7000 vor Christus zuzuordnen ist. Es handelt sich um Neolithisches Material, Hüttenlehm (Verputz vom Haus) sowie um zwei grob gemagerte Henkel von Krügen oder größeren Töpfen – Gefäße in der damaligen Zeit.

Zum zweiten wurde ein noch gut erhaltener Schuhleistenkeil, ein Schuhleistenkeil, der später als Schlag oder Schleifstein verwendet worden war, sowie etwa 40 Abschläge von Plattensilex und Hornsteinknollen (Schaber, Pfeilspitzen, Messer, Harpunenspitzen, Werkzeuge unserer Vorfahren). Ähnliche Funde gab es in Friedersried.

Zum dritten wurde ein großer Knollen von Material, das aus Arnhofen bei Kelheim stammen dürfte, vier Abschläge aus Hornsteinknollen, die aus unserer Gegend stammen (im Nittenauer Raum abgebautes Material), sowie ein aus Polen stammendes Material, das auch beim Heilbrünnl, in Arnschwang, Nittenau und Unterlintach gefunden worden ist.

Silber aus der Kaiserzeit

Ferner entdeckte er auf etwa fünf Quadratmeter Fläche Münzen der Neuzeit (Drittes und Kaiserreich), ein Markstück aus der Kaiserzeit von 1875 – Silber und kleiner Adler, Buchstabe A. Gefunden wurden außerdem Reichspfennige aus dem Deutschen Reich aus Messing von 1935, diverse Reichspfennige aus Zink aus den Jahren 1940 bis 1941 und ein Zweimarkstück aus dem Deutschen Reich 1939 in Silber mit dem Motiv von Paul von Hindenburg. Vermutlich hat diese ein Bauer beim Ausbringen des Mists auf den Feldern verstreut oder ein Stamsrieder hat die Dinge auf dem Weinberg einfach weggeschmissen.

In Arnhofen nahe Abensberg wurden Plattenhornsteine und Knollenhornsteine (Silex) abgebaut und gehandelt. Diese Materialien ließen sich hervorragend zu langschmalen Klingen spalten. Es wurde bevorzugt zu Messern, Sichelklingen und Bohrern weiterverarbeiten. Dabei entstand eine regelrechte Massenproduktion. Der Abbau in Arnhofen begann nach neuesten Forschungen rund 6000 vor Christus.

Die Spuren der Händler, die einst über die Donau und den Bayerischen Wald in die Gebiete um das heutige Pilsen und Prag pendelten, um den „bayerischen Stahl der Steinzeit“ zu verkaufen, sind längst verwischt. Mit einer Ausnahme: Der Feuerstein als hartes Quarzmineral blieb über die Jahrtausende hinweg erhalten. Was als Ware für die Feuersteine aus Arnhofen eingehandelt worden ist, könne man heute nur noch erahnen. In Frage kommen Vieh, Wolle, Stoffe und Gewürze, aber auch das Salz.

Nur 15 Prozent werden freigelegt

Sicher haben auch einige Einheimische Steine gefunden, die ihnen sonderbar erschienen sind. Nur durch entsprechendes archäologisches Fachwissen und Sachkenntnis sei eine Zuordnung möglich. Man müsse sich in die Materie hineindenken können. Gefunden wird vor allem in der schlechtesten Jahreszeit, wenn Frost und Regen das „Zeug“ freigelegen beziehungsweise frei gewaschen hat. Es findet sich nicht auf einmal, man muss über Jahre hinweg mehrmals die Stellen abgehen. Denn nur 15 Prozent der „Bodenschätze“ mit historischem Hintergrund gibt der Boden frei, 85 Prozent befinden sich weiter im Boden.

Besonderes Fundstück: ein Schuhleistenkeil

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