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Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Einsatz

Waldmünchener BRKler sichern Skiadler

In Elz entstand einst die Idee, beim Neujahrsspringen zu helfen. Dieter Müller war immer dabei. Heuer in neuer Mission.
Von Petra Schoplocher

Bedeutungsvoll in vielfacher Hinsicht: Dieter Müller (links) mit Bereitschaftleiterin Christine Ullsperger, dem Einsatzleiter Skispringen Tobias Scheuber, Daniela Messbauer und Petra und Norbert Kerschek (hinten). Das Ehepaar hat auch schon in Waldmünchen Dienst getan. Foto: Müller

Waldmünchen.Nein, das Weiße im Auge von Richard Freitag hat er nicht gesehen, der Dieter Müller. Aber auf gefühlte fünf Meter ist der Leiter der BRK-Bereitschaft Waldmünchen an den deutschen Top-Skispringer schon heran gekommen. „Aber man hält sich zurück, das gebietet der Anstand“, sagt der Waldmünchener. Doch nicht nur Freitag, auch alle anderen „Adler“ mussten an ihm vorbei.

Zum neunten Mal war die Bereitschaft mit einer – wenn auch dieses Mal nur zwei Mann starken – Abordnung beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen vertreten. Und doch hielt der Einsatz von Dieter Müller und Daniela Messbauer in diesem Jahr etwas besonderes bereit: Sie waren erstmals bei der Athletenrettung eingeteilt. Das sei schon etwas Besonderes gewesen, erzählt Müller kurz nach seiner Rückkehr. Daniela Messbauer musste gestern schon wieder arbeiten, so dass Max Schmid mitgekommen ist: Der angehende Arzt war bereits acht Mal für das BRK bei einem Springen im Einsatz.

Leichtgewichtige Athleten

„Was das für Leichtgewichte sind...“, entfährt ihm als Erstes, wenn er sich an die Athleten erinnert. Schmid war einmal der Station oben auf der Schanze zugeordnet, „ganz so nah waren wir da aber nicht dran“. Meist verrichten die Waldmünchener, die die Reise auch schon zu acht angetreten hatten, ihren Dienst auf der Tribüne, inmitten des Publikums. Sichtbar sind die Helfer im Gedränge dann durch eine große Rot-Kreuz-Fahne.

Stimmungsvoll, sportlich und die Sanitäter mittendrin: Für Dieter Müller und seine Kollegin Daniela Messbauer war das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen wieder ein Erlebnis. Während für die Zuschauer hinter dem Zaun Schluss ist, dürfen die Helfer in den geschützten Bereich. Foto: Müller

Den Großteil der Einsätze machen Schnitt- und Sturzverletzungen aus, vereinzelt sind Kreislaufkollapse oder Ähnliches zu versorgen. Ein anderes Rotkreuzteam habe einen Krampfanfall behandeln müssen und „gottseidank nichts Schlimmeres“. Dieter Müller betrachtete die Flüge der Sportler mit gemischten Gefühlen. „Da zuckt man schon zusammen, wenn einer ins Trudeln kommt“, berichtet er. Allerdings: Keiner der 50 Sportler stürzte, so dass Müller und Co. keinen Einsatz hatten. Wäre dies der Fall gewesen, „wären wir zu fünft sofort raus“. Entgegen früherer Jahre gab der Rennleiter die Order an Ärzte und Sanitäter aus, nicht auf irgendeine Freigabe zu warten.

Müller ist sich sicher: „Harmlose Stürze gibt es da nicht. Wenn einer nicht erst nach der Landung fällt, braucht er auf alle Fälle medizinische Hilfe“. Schmid nickt. Sein „schwerster“ Fall war ein Patient, der auf den Rücken gefallen war und über Atemnot klagte. Dieser wurde in die Klinik gebracht – der Schritt, der erfolgt, wenn eine Versorgung an Ort und Stelle oder an der Sanitätsstation nicht ausreicht.

Diese ist gut und umfassend organisiert, wenngleich die Zahl der Helfer – zumindest des BRK – weniger wird. In Spitzenzeiten, so erinnert sich Max Schmid, seien sie an die 100 gewesen. Aktuell schätzt Müller die Zahl auf rund 40.

Engagement in der BRK-Bereitschaft

  • Voraussetzung:

    Schon ein Erste-Hilfe-Kurs reicht, um bei Sanitätsdiensten mitzulaufen. Nächste Stufe wäre die acht Wochenenden umfassende Ausbildung zum Sanitätshelfer. Als solcher dürfte man schon beim Neujahrsspringen Dienst tun. Rettungsdiensthelfer (Ausbildung 320 Stunden Theorie und Praxis) dürfen im Rettungsdienst mitfahren.

  • Alternativen:

    Auch, wer kein Blut sehen kann, kann sich beim BRK einbringen. Im Betreuungsdienst zum Beispiel, der bei Katastrophenfällen gefragt ist. Die Waldmünchener waren etwa beim Hochwasser im Einsatz. Es gibt auch ein Jugendrotkreuz. Bereitschaftsleiter Dieter Müller, Telefon (01 74) 3 42 25 72 erteilt gerne Auskunft. (ps)

Nach einigen Jahren, in denen die Waldmünchener immer erst am Neujahrstag zu nachtschlafender Stunde Richtung Alpen gestartet sind, „gönnte“ sich das Duo dieses Mal die Anreise schon am 30. Dezember. Mit der Folge, dass Messbauer und er auch schon beim Training im Dienst waren – für’s Publikum, ebenso ohne Zwischenfälle.

Hatten viel zu lachen: Max Schmid (links) und Dieter Müller Foto: ps

Die Einsätze der Waldmünchener Bereitschaft beim Neujahrsspringen haben einen „Umweg“ über Elz genommen. Beim Gründungsfest der dortigen Rotkreuzgemeinschaft sind die Waldmünchener mit Garmischern ins Gespräch gekommen – sie verbindet eine Vereinsfreundschaft. Die Rotkreuzler aus der Partnerstadt waren schon länger bei der Großveranstaltung mit von der Partie. Eine Bierlaune wird es wohl gewesen sein, aus der die Idee „das könnten wir doch auch“ entstand. Mit den Elzern „haben wir uns in der Folge öfter in Garmisch getroffen als bei ihnen oder uns“, schmunzelt Dieter Müller. Umso bedauernswerter sei es zu diesem Jahreswechsel gegeben, dass kein Vertreter der Partnerstadt kommen konnte.

Besondere Freundschaft

Dafür freuten sich Dieter Müller und Daniela Messbauer über eine andere Verbindung: Sie feierten mit Norbert und Petra Kerschek, ebenso Sanitäter und mittlerweile Freunde, Silvester. Am Neujahrstag waren alle dann miteinander im Dienst.

Zwei Tage hintereinander Dienst von 8 bis 17 Uhr, dazu mögliche Minusgrade und alles ehrenamtlich, wieso reizt so eine Aufgabe? Natürlich, weil man in Bereiche kommt, die man sonst nie betreten würde, erklären Müller und Schmid unisono. Aber im Grunde aus genau dem Antrieb, der beide auch im Rettungswagen Platz nehmen lässt: „Wir wollen Menschen helfen.“

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