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Region Cham
Freitag, 15. Dezember 2017 11

Stadtrat

Waldmünchens Wasserleitungen sind marode

Die Stadtwerke investieren 1,71 Millionen für die dringendsten Maßnahmen. Aauf anderen Feldern ist die Bilanz erfreulich.
Von Petra Schoplocher

Walter Roßmann liest derzeit Strom- und Wasserzähler ab. Das „Ziehen“ von Haus zu Haus ist Ausdruck von Kundennähe, die den Stadtwerken wichtig ist und zum guten Ruf des Versorgers beiträgt, wie der Stadtrat bestätigt hat, der wiederum durch vorlegte Zahlen bestätigt wurde. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Es ist kein gutes Zeugnis, das Johann Gleixner all jenen Teilen der Wasserversorgung ausgestellt hat, die er in den vergangenen Monaten untersucht hat. „Sehr stark überaltert“, „die Arbeitssicherheit nicht gewährleistend“ und gar „gefährlich für die Trinkwasserhygiene“, waren Urteile, die die Stadtratsmitglieder am Dienstag zu hören bekamen. Wie auch die Folge: Geschätzte 1,71 Millionen Euro werden die dringlichsten Maßnahmen des Wasserversorgungskonzepts kosten.

Dieses voranzutreiben, war Ziel des Tagesordnungspunkts, in dem Ingenieur Johann Gleixner vom Büro Kehrer Notwendigkeiten aufzeigte und die Projekte umriss, für die in naher Zukunft Detailplanungen und Ausschreibungen erstellt werden müssen. Über vielen von ihnen schwebe allerdings eine große Unbekannte, wie Gleixner dem Gremium erläuterte. Noch wisse man nicht, welche Schüttung die neuen Brunnen im Böhmerwald bringen werden. Von deren Volumen aber hänge ab, ob man nicht auf die ein oder andere Versorgungsquelle verzichten könne.

Lösung für den Notfall

Baustelle Böhmerwald: Der neue Hochbehälter ist Teil des Wasserversorgungskonzepts, das nach und nach umgesetzt wird. Am Dienstag beschloss der Stadtrat weitere Maßnahmen – für über 1,7 Millionen Euro.Foto: ps

So wurde für die Hochbehälter Ast, Herzogau, Spielberg, Untergrafenried und Unterhütte zunächst nur eine erste Bestandsaufnahme veranlasst. Genauer betrachtet hat das Planungsbüro hingegen unter anderem den Behälter in Althütte. Dort kamen verrostete Rohrleitungen, ein Einstieg oberhalb der Wasserkammer und herabbröckelnder Putz zum Vorschein. Als Alternative zu einer Sanierung („zum stolzen Preis“) schlug Gleixner den Anschluss über ein Pumpwerk an Unterhütte vor, ergänzt durch einen kleineren neuen Behälter als Notfalllösung, etwa bei einem Stromausfall. „Damit das Leitungsnetz nie leerläuft“, erklärt der Fachmann, ein Unterdruck könnte zur Folge haben, dass Ungewolltes eingesaugt würde.

Ähnliche Bilder boten sich in Arnstein, auch da würde beim Öffnen der Kammer Laub ins Innere fallen, die Wasserkammer sei schon optisch nicht sauber. „Das Gesundheitsamt hat Bedenken, wenn es sowas sieht“. Auch in Arnstein sei ein neues Druckpumpwerk samt kleinem Behälter einer Stilllegung des Hochbehälters vorzuziehen, die Kosten würden aber dennoch rund 272 000 Euro betragen. das Pumpwerk oberhalb Eglsee sei „auch kein Highlight“, der Sanierungsaufwand ähnlich.

Beim Hochbehälter Geigant reiche eine bauliche Instandsetzung –unter anderem ist das Dach marode – , nachdem die Wasserkammern bereits saniert wurden. Kostenpunkt: geschätzte 90 000 Euro. Diese Investition sei nach Einschätzung von Johann Gleixner zwar nicht vordringlich, aber wichtig. Denn: „Wie mag das Wasser aussehen, wenn das Gebäude außen so einen Eindruck macht“, führte er ins Feld.

Die Installationen in den Druckminderungsschätzen seien teils nicht bedienbar. Für die Schachinstallationen setzte er rund 67 000 Euro an, die ebenso notwendige Erneuerung der Verbindungsleitung zwischen alter Aufbereitungsanlage an den Rieselhängen und dem Schacht „an der Bildbuche“ wird weitere 258 000 Euro verschlingen. Rund um den neuen Hochbehälter müssen zudem neue Leitungen verlegt werden sowie neue Steuerungselemente installiert, wofür ebenso eine Ausschreibung in Auftrag gegeben wurde.

Aus den Anfragen

  • Post:

    Weil es seit Einrichtung des Zustellstützpunkts Furth im Wald – von dem aus seit Oktober auch Waldmünchen versorgt wird – vermehrt zu Beschwerden im Stadtgebiet gekommen ist, hat Bürgermeister Markus Ackermann einen Beschwerdebrief an das Unternehmen geschickt. Sobald eine Stellungnahme vorliegt, werde er den Stadtrat wieder informieren, teilte der Rathauschef mit.

  • Papierflut:

    Manfred Ruhland regte an, die Sitzungsunterlagen statt mit der Post künftig per Mail zu versenden. Die Verwaltung prüft den Vorschlag.

  • Breitband:

    Welche Übertragungsraten derzeit und künftig möglich seien, wollte Ruhland noch wissen. Dies sei pauschal nicht zu beantworten, meinte Ackermann. Wer durch das neue Förderprogramm angeschlossen werde, könne mit mindestens 50 Mbit rechnen. Wo Glasfaser verlegt würde, wäre für bereits Angeschlossene ein Upgrade möglich – gegen Bezahlung.

  • Geld:

    Auch für das laufende Jahr erhält Waldmünchen Stabilisierungshilfen. Nach Übergabe des Bescheids über eine Million Euro wird das Gremium ebenso Neues hören. (ps)

„Das Alles zeigt den Handlungsbedarf“, kommentierte Bürgermeister Ackermann den Vortrag. Sobald ein genauer Ist-Zustand zu den Kosten vorliege, würden die Bürger informiert, kündigte er an. Damit die Stadt die Investitionen finanziell schultern kann, hat sie einen Antrag für den Härtefallfonds gestellt. Zu Beginn würde sie wohl nicht zum Zuge kommen, im Laufe der Maßnahmen aber wohl sicher, erläuterte Ackermann den Sachstand. Positiver Nebeneffekt: Eine Förderung im Bereich Abwasser werde dadurch beschleunigt.

Strompreis: mindestens stabil

Während sich am Wasserpreis folglich etwas tun wird, konnte Markus Ackermann für die Stromkunden Positives verkünden: Der Grundversorgungstarif wird 2018 das gleiche kosten wie 2017. Längerfristig an die Stadtwerke gebundene Kunden dürfen sogar auf eine leichte Preissenkung hoffen. An diese werden die aktuellen und etwas günstigeren Preisparameter (Netzentgelte, Stromeinkauf) weitergegeben.

Positiv bewertete der Bürgermeister den Jahresabschluss 2016 der Stadtwerke mit einem Gewinn von fast 138 000 Euro. Die Bilanzsumme belief sich auf 9,16 Millionen Euro (2015: 9,52). Schon bei der zuvor vorgelegten und genehmigten örtlichen Rechnungsprüfung war die deutlich verbesserte Eigenkapitalquote sowie der Schuldenabbau herausgestellt worden. Es werde „sachgerecht, sorgfältig und zielstrebig gearbeitet“, attestierte Prüfungsausschussvorsitzender Anton Ruhland. Markus Ackermann ergänzte erfreut, dass über all dem das Fingerspitzengefühl nicht verlorenginge.

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