mz_logo

Region Cham
Sonntag, 29. März 2015 7

Ehrung

Waldverein ehrt Siegfried Peter

Monument auf einem mächtigen Felsen auf dem Weg zum Voithenberg bei Furth ist dem Waldgeher, Schriftsteller und Maler Friedl Thorward gewidmet.

  • Nach der Enthüllung des Gedenksteins (v. l.): Xaver Penzkofer (WSV), Gabriele Waldschmidt, Anna Peter, Dr. Rolf Waldschmidt, Thomas Peter, Ingrid Körner (geb. Peter), Walburga Peter, Walter Spieß, Bürgermeister Josef Kammermeier, Bernd Meißner, Werner Perlinger, Bürgermeister Sandro Bauer und Gerhard Hoch (WV)Foto: fsh
  • Diese Inschrift und ein Foto von Siegfried Peter zieren den Gedenkstein.

Furth im Wald.„Gewidmet dem Waldgeher, Schriftsteller und Maler des bayerisch-böhmischen Waldgebirges Siegfried Peter, genannt Friedl Thorward (1915-2008), Ehrenmitglied des Wald-Vereins und der Naturfreunde, erster Waldschmidt-Preisträger“, so lautet die Inschrift einer Bronzetafel an einem mächtigen Felsen auf dem Weg zum Voithenberg. Bürgermeister Sandro Bauer und Walter Spieß enthüllten gemeinsam die Gedenktafel.

Idee des Waldvereins

Sie basiert auf einer Idee der Waldvereins-Sektion Furth im Wald und wurde vom Vorsitzenden unter fleißiger Mithilfe von Sigmar Mühlbauer, Walter Spieß, Uli Kolbeck und Hans Schlosser in die Tat umgesetzt. Walter Spieß freute sich am Sonntagnachmittag über die vielen Besucher und Gäste, die gemeinsam vom Parkplatz am Skilift die gut 1200 Meter zur Gedenkstätte gewandert waren. Der große Gedenkstein selbst stammt vom Bau der Forststraße vor über 20 Jahren und ist vor einem Jahr speziell für diesen Zweck ausgesucht worden.

Spieß begrüßte den Further Bürgermeister Sandro Bauer mit Frau, Bürgermeister Josef Kammermeier aus Eschlkam, Walburga Peter, Ehefrau des Geehrten, Tochter Ingrid Körner und Sohn Thomas Peter mit Frau, Ehrenmitglied des Waldvereins Dr. Rolf Waldschmidt mit Frau, für diese Aktion extra aus München angereist, die NaturFreunde mit Vorsitzendem Bernd Meißner, Vertreter der Bergwacht sowie des Waldschmidt-Vereins.

Stadtarchivar Werner Perlinger hielt die Laudatio auf Siegfried Peter: Als Spross einer alten Eisenbahnerfamilie in der 3. Generation am 5. Februar1915 nahe seinem geliebten Bahnhof geboren, gehört Peter zu den alteingesessenen Familien in Furth im Wald, die man bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen kann. Erwähnt in den Protokollen als Janitores Castri – Torwächter im damaligen kurfürstlichen Schloss – darum auch sein Pseu- donym Thorward.

Er suchte das Abenteuer

Siegfried Peter suchte Ruhe und Erholung in der Natur, aber auch stets Abenteuer, die an die Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit gingen. So bestieg er fünfmal das Matterhorn, einmal den Mont Blanc und einmal das Bergmassiv Jungfrau. Peter arbeitete von 1962 bis zu seiner Pensionierung 1980 als Eisenbahner im Grenzbahnhof in Furth. Er stand für Leistung, Pflicht und Selbstbewusstsein. Für seinen Bahnhof Furth setze er sich immer voll ein. Als Friedl Thorward, der Waldgeher, der Fotograf, der Maler und vor allen der Schriftsteller, hat er viele Publikationen wie Wanderführer, Bildbände, und einige Romane hinterlassen.

Der erste Waldschmidt-Preisträger

1985 wurde er erster Waldschmidt- Preisträger, erhielt 1990 die Bundesverdienstmedaille und 1993 das Ehrenzeichen des Kreises und die die Bürgermedaille der Stadt Furth im Wald. Noch als 86-Jähriger wanderte er innerhalb 24 Stunden über 17 der höchsten Gipfel der Bayerwaldberge – auch hier wieder der Versuch, bis an die eigenen mentalen und physischen Grenzen zu gehen.

In der Betrachtung seiner Gesamtheit als Persönlichkeit ist er heute noch Vorbild nicht nur für die Senioren, was man im Alter noch alles leisten kann, sondern vor allen für die heutige Jugend. „Für jeden Wanderer und für uns Bürger in der Stadt Furth möge diese Gedenkstätte immer an die Vorbildfunktion, aber auch an die Persönlichkeit Siegfried Peter erinnern“, schloss Perlinger.

Walter Spieß dankte ihm für seinen Vortrag und lud alle Anwesenden zur Einkehr in den Schloss-Gasthof Voithenberghütte „Auf der Oid“, wo es ein 30-Liter-Fass Freibier gab, das der Further Bräu Matthias Dimpfl spendiert hatte.

„Es macht mich als Bürgermeister der Stadt Furth im Wald stolz, dass ich heute hier vorn stehen und diese Gedenktafel mit enthüllen darf“, betonte Sandro Bauer. „Mein Dank gilt dem Waldverein, der durch diese Initiative dem Friedl Thorward eine große Ehre erweist. Auch von Seiten der Voithenberg‘ schen Stiftung freut es mich, dass wir diesen Platz gefunden haben – und der Platz hätte dem Geehrten sicherlich selbst gefallen“, so Bauer.

„Luis Trenker des Bayerwaldes“

Er erinnerte daran, dass Thorward auch die Further Bürgermedaille bekommen hat für seine Verdienste um die Stadt, nicht nur für sein Wirken am Bahnhof, sondern auch für seine Arbeit und sein Beschreiben der Natur und der Landschaft vor allen des Bayerischen Waldes. „Er wurde auch der Luis Trenker des Bayerwaldes genannt und hat unsere Heimat weit über die Grenzen hinaus bekanntgemacht“, ergänzte das Stadtoberhaupt.

Siegfried Peter legte großen Wert darauf, vielen Menschen die Schönheiten der Natur und der Berge zu zeigen und dafür Anerkennung zu finden. Er trotzte stets dem Wetter, dem Risiko, der körperlichen Erschöpfung – in der Tat auf der Suche nach den eigenen Grenzen. All dies war neben seiner gesunden Lebensweise mit ein Grund für sein hohes Alter. Er erreichte 93 Jahre.

Noch im Februar 2008 veröffentlichte er zu seinem 93. Geburtstag das autobiografische Werk „Ein alter Mann schaut zurück“. Darin heißt es: „Ich glaube, dass es der jungen Generation nützt, wenn wir sie hineinschauen lassen in unser Leben, ihnen zeigen, dass auch sie einen langen, gefährlichen Weg gehen müssen mit Höhen, Tiefen und Abgründen“.

Er war auch vorbereitet auf das Sterben. Todesanzeigen in eigener Sache sind eine seltene Kunst, wenn es ans Sterben geht, aber nicht bei Siegfried Peter. Die großformatigen Anzeigen in einer Freitag-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung waren nicht zu übersehen. „Siegfried Peter“ stand auf beiden in großen Lettern und klein darunter „Friedl Thorward“.

Zurück in die ewige Heimat

Die Anzeigen waren allerdings in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Denn hier schrieb der im Alter von 93 Jahren Verstorbene selbst – samt Foto: Er bedankt sich bei seiner Frau, seinen Kinder, Kameraden, Freunden und Fans für ihre Treue und endete mit: „Ihr Lieben alle! Ich gehe zurück in unsere ewige Heimat“ „Bedauert mich nicht! Trauert nicht um mich!“ (fsh)

Kommentare (0) Regeln Unsere Community Regeln

Anmelden

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht