mz_logo

Region Cham
Montag, 18. Dezember 2017 3

Glaube

Wandelkonzert mit Mirjam und Wieland Meinhold

Zum Reformationsjahr hatten die beiden Pfarreien – verbunden mit einem Spaziergang – zu Musik in die zwei Kirchen geladen.

Das Ehepaar Meinhold bewies immer wieder Übereinstimmung in der Interpretation der Barockmusik. Foto: fwk

Furth im Wald.Zum Andenken an das einschneidende Ereignis der deutschen Geschichte, als vor genau 500 Jahren ein Augustinermönch an der Schlosskirche von Wittenberg 95 lateinische Thesen gegen den Ablasshandel angeschlagen hatte, organisierten die katholische Pfarrei Mariä Himmelfahrt und die evangelische Kirchengemeinde ein ökumenisches Wandelkonzert in den Hauptkirchen. Auch wenn der Ablasshandel, gegen den sich Martin Luther radikal und emotional wenden wollte, eine Erscheinung der damaligen Zeit war, beschäftigt die Verschiedenheit der daraus in Folge entstandenen christlichen Konfessionen bis heute die beiden Kirchen. Die Zeiten des heftig ausgetragenen Streits sind vorbei, aber der Unterschied ist geblieben.

Ihn zu mindern oder zu überwinden ist ein Anliegen der unter dem Oberbegriff Ökumene zusammengefassten Bemühungen beider Kirchen, besonders in diesem Gedenkjahr. Auf einem wichtigen Gebiet der Liturgie kann man diese Spaltung der beiden Konfessionen heute als unproblematisch betrachten, nämlich auf dem Gebiet der Kirchenmusik.

Mozart und Bach

In der katholischen Kirche werden aus der Reformation hervorgegangene Kirchenlieder heute genauso gesungen wie in der evangelisch-lutherischen. Evangelische Kantoreien singen heute auch Mozarts Krönungsmesse, wie schon länger auch katholische Chöre den Schatz der Musik Johann Sebastian Bachs für sich entdecken. So war es ein schönes Zeichen dieser Gemeinsamkeit auf musikalischer Ebene, dass die beiden Pfarreien mit dem Ehepaar Mirjam und Wieland Meinhold renommierte Interpreten auf dem Gebiet der Kirchenmusik eingeladen hatten, um in einem durch einen Spaziergang zwischen den beiden Stadtkirchen unterbrochenen Konzert zwei wichtige Musiker aus dem protestantischen Musikschaffen zu Gehör zu bringen. Das auch bewusst in den beiden doch sehr verschiedenen Räumen der katholischen und der evangelischen Kirche mit ihren jeweils eigenen Orgeln.

„Prunk und Herrlichkeit“

Der erste Teil des Wandelkonzerts befasste sich unter dem Motto „Prunk und Herrlichkeit“ mit dem in Halle an der Saale geborenen Weltbürger Georg Friedrich Händel, der seinem protestantischen Bekenntnis unter katholischem Einfluss in Rom und unter anglikanischem Einfluss in London treu geblieben ist, dabei aber allen diesen Einflüssen in seinem musikalischen Schaffen eine Bühne geboten hat.

Der Glanz und die intensive Gefühlswelt der katholischen Kirchenmusik in Rom schimmerte in der spannenden Interpretation durch den Thüringischen Universitätsorganisten Wieland Meinhold und seiner Frau, der Sängerin Mirjam Meinhold, immer wieder durch. In der berühmten Arie „Lascia ch’io pianga“ aus der Oper Armida, die beide Künstler in virtuosem Zusammenwirken aus orchestral registrierter Orgelbegleitung und klarem, hellen und schön geführten Soprantönen wunderbar darboten, genauso durch wie in einer scheinbar schlichten Sonate für Altblockflöte und Continuo.

In letzterem Werk überzeugte Mirjam Meinhold auch als Blockflötistin mit sehr lebendigem Flötenton und virtuosen Verzierungen, während ihr Partner wahlweise zarte Klänge des Salizionals in den langsamen Sätzen oder eine sehr klar zeichnende, vorwärtsdrängende Stimmführung in den schnellen Sätzen beisteuerte. Auch solistische Orgelklänge kamen nicht zu kurz, und ließen einmal mehr neben dem Klangfarbenreichtum auch die Fähigkeit der Eisenbarth-Orgel zur klaren Zeichnung von virtuosen Klangfiguren im Zusammenwirken mit der wunderbaren Akustik der Kirche Mariä Himmelfahrt erleben.

Schnörkellosigkeit und Nachdruck

Einen ganz anderen musikalischen Charakter gab es dann in der evangelischen Zachäuskirche an der Wünning-Orgel zu hören. Telemann war sicher ähnlich weltgewandt wie Händel, dennoch lag ihm mehr die bürgerliche Festlichkeit des Hamburgischen Konzertlebens, die weniger durch Opulenz, als vielmehr durch Schnörkellosigkeit und Nachdruck besticht.

Tänzerische Menuette für Flöte und Orgel, flötige Orgelregister in den cembalistisch geprägten Fantasien Telemanns, die reizvoll mit gewichtig registrierten langsamen Mittelteilen kontrastierten, und natürlich auch die typische Imitationskunst des Komponisten, selbst in Opernarien, boten ein sehr breites Spektrum aus dem enorm reichen Schaffen des Wahl-Hamburgers Telemann.(fwk)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht