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Freitag, 23. Juni 2017 32° 2

Mysteriöser Fall

Warum wurde der Piano-Mann nicht vermisst?

Die kleine Ortschaft Prosdorf bei Waldmünchen (Lkr. Cham) ist seit Montag von Journalisten belagert - lüftet der Piano-Mann das Rätsel um seiner Person?
Von Markus Heigl, MZ

Der Piano-Mann hat Prosdorf berühmt gemacht. Den ganzen Tag über waren gestern Kameras auf sein Elternhaus gerichtet.Foto: M. Heigl

Waldmünchen. Die kleine Ortschaft Prosdorf bei Waldmünchen (Lkr. Cham) ist seit Montag von Journalisten belagert. Der Piano-Mann hat das Dorf weltberühmt gemacht. Kameras sind auf das Elternhaus des geheimnisvollen jungen Mannes gerichtet. Ein Fernsehteam will den 20-Jährigen an einem Fenster gesehen haben. Wird das Rätsel um den Piano-Mann auf einer Pressekonferenz, die gestern kurzfristig anberaumt wurde, gelüftet?

Auf die vielen Fragen der Journalisten geben die beiden Rechtsanwälte der Familie nur dürre Antworten. Der 20-Jährige, der Anfang April tropfnass in einem schwarzen Anzug an einem Strand in der englischen Grafschaft Kent gefunden wurde und viereinhalb Monate kein Wort sprach, sondern nur auf einem Klavier spielte, habe unter einem „psychotischen Schub“ und Depressionen gelitten. Die Behandlung mit Psychopharmaka habe schließlich gegriffen, so dass der junge Mann seine Sprache wiedergefunden habe, sagen die Anwälte. Deshalb sei er weitgehend geheilt aus der Klinik in Großbritannien entlassen worden. Informationen zu seinem derzeitigen Aufenthaltsort geben die Anwälte nicht. Sie erklären lediglich, dass der Piano-Mann noch in diesem Jahr ein Studium aufnehmen wolle. Die Familie, die immer wieder vor den Fragen der wartenden Journalisten in ihr Wohnhaus flieht, verweigert jede Stellungnahme.

Keine Vermisstenanzeige

Mysteriös bleibt auch, warum die Fotos vom Piano-Mann um die Welt gingen — und niemand in seiner Heimat den 20-Jährigen erkannte. Dieser Umstand stieß vor allem bei den Waldmünchnern selbst auf Verwunderung.

Eine Nachbarin sagt, der eher zurückhaltende, aber kluge junge Mann habe seine Frisur und sein Erscheinungsbild verändert. Im Ort habe ihn niemand vermisst, man habe geglaubt, er habe irgendwo ein Studium aufgenommen. Warum auch seine Familie den 20-Jährigen nicht auf Bildern identifiziert hatte – diese Frage lassen die Anwälte offen. Wussten die Angehörigen womöglich von dem Klinikaufenthalt? Fest steht, dass die Angehörigen keine Vermisstenanzeige erstattet hatten.

Dabei gibt es noch viele Rätsel: Ist der junge Mann ein Hochstapler, der die behandelnden Ärzte in England zum Narren hielt? Warum konnte oder wollte er nicht sprechen und nur Klavier spielen? Die Anwälte weisen Medienberichte zurück, wonach der Piano-Mann gar nicht Klavier spielen könne und immer nur eine Taste gedrückt habe. „Er hat nicht gesprochen, aber sehr wohl Klavier gespielt“, sagt sein Anwalt Christian Baumann. Sein Mandant könne dies „für den Hausgebrauch“, er habe auf einem Keyboard spielen gelernt.

Wohl keine Selbstmord-Absicht

Der „Daily Mirror“ hatte berichtet, der Piano-Mann habe von einem Selbstmordversuch kurz vor seinem Auftauchen erzählt. Grund sei der Verlust seines Arbeitsplatzes in Frankreich gewesen. Die Anwälte bestätigen lediglich, dass der junge Mann dort gejobbt hatte. Eine Selbsttötungsabsicht kann sich Baumann nicht vorstellen.

Die in den britischen Medien verbreitete Information, dass der britische Gesundheitsdienst den Piano-Mann auf Entschädigung verklagen wolle, treffe nicht zu, erklären die Anwälte weiter. Rechtsanwalt Christian Baumann: „Das ist eine Presse-Ente.“

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