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Region Cham
Montag, 20. November 2017 10

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Was hilft bei einer Depression?

Im Chamer Kino gab es erst einen Film zum Thema Depression, danach standen Experten Rede und Antwort.
Von Monika Kammemeier

Expertenrunde (v.l.): Josef Fischer, Emilie Weigl, Dr. Matthias Dobmeier und Johann BergFoto: Kammermeier

Cham.Was ist eine Depression? Wie geht es Menschen, die daran erkrankt sind? Kann man sie heilen und womit? Eine AOK-Kinotour mit dem Motto „Depressionen verstehen“ zeigte am Donnerstag im Cine-World Cham den Film „Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag“. Nach dem Film gab es eine moderierte Expertenrunde mit Dr. Matthias Dobmeier, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Emilie Weigl, Bündnis Selbsthilfe gegen Depression in Cham und Johann Berg, stellvertretender Direktor der AOK Bayern-Direktion Cham. Josef Fischer, Ansprechpartner vom „Chamer Bündnis gegen Depression“, übernahm die Moderation.

Depression sei eine häufige und oft schwere Krankheit, so das Bündnis gegen Depression. Das Leiden eines betroffenen Menschen sei selbst für nahestehende Angehörige oft schwer nachvollziehbar. Die Filmemacher Michaela Kirst und Axel Schmid begleiteten über ein Jahr unterschiedliche an Depression erkrankte Menschen auf ihrem ganz eigenen Weg durch und aus der Erkrankung.

Im Film lässt die Tochter per Videotagebuch den Zuschauer an ihrem Weg in einen neuen Lebensabschnitt mit Ausbildung und Auszug aus dem Elternhaus teilhaben. Der Vater berichtet, wie ihn die Erkrankung veränderte und wie ihm die Männergruppe Kraft gibt. Eine ältere Frau lässt den Zuschauer miterleben, wie sie sich in einer depressiven Phase fühlt – und nichts mehr fühlt. Mit Hilfe einer Therapie und einem Kunstprojekt setzt sie sich mit der Depression auseinander.

Axel Schmidt, Leiter einer Tagesklinik in Bonn und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, initiierte das Projekt. Zu seiner ärztlichen Tätigkeit entwickelte Schmidt seit 2005 filmische und mediale Konzepte zur Aufklärungs- und Anti-Stigma-Arbeit bei psychischen Erkrankungen.

Die Musikerin im Film beschreibt die Erkrankung so, dass es einem darin ergehe, als ob man in einen dunklen Keller geschubst würde, in dem auch ein paar Leichen vergraben seien. Sie sagt, dass man Pfade suchen und finden müsse, aus der Depression zu kommen. Das gelang ihr mit Hilfe der Musik.

Dr. Dobmeier sagte, dass Depression eine Stoffwechselerkrankung des Gehirns sei, die behandelt werden müsse. Verglichen mit einer Zuckerkrankheit, wo es bei einer leichten Erkrankung reiche, weniger Zucker zu essen, bei einer schweren Erkrankung aber gespritzt werden müsse. Fischer sagte, er nehme seit 15 Jahren Medikamente. Er fragte ins Publikum, wie der Bekanntenkreis mit der Erkrankung umgehe. Nur eine Frau meldete sich im vollbesetzten Kinosaal zu Wort und sagte, dass sie ihre Erkrankung verschweige. Fischer meinte, dass man Depression nicht sehen könne, und dass man mit ihr offen umgehen solle. Emilie Weigl vom Bündnis Selbsthilfe gegen Depression in Cham, selbst Betroffene, sagte, dass man in der Selbsthilfegruppe Rat und Halt erfahren kann. Die Depression werde besser, wenn auch nicht ganz gut. Fischer fragte, ob Depression heilbar sei. Dazu sagte Dobmeier, dass eine vollständige Wiederherstellung bei keiner Krankheit funktioniere – immer blieben Narben. Am 8. November ist Dr. Manfred Lütz, Theologe und Psychiater, in der Stadthalle Roding mit einem Bühnenprogramm „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden“ zu Gast. Er ist Autor von dem Bestseller: „Irre, wir behandeln die Falschen“.

Das bietet die Krankenkasse

  • Angebot:

    Die AOK unterstützt vorbeugende Maßnahmen, so Johann Berg.

  • Arbeit:

    Die Ausfallzeiten von Arbeitnehmern seien enorm, so Dobmeier.

  • Gefahr:

    Menschen, die immerzu nur „ja“ sagten, seien gefährdet, zu viel zu arbeiten und gelangten in ein Burn-out. Große Firmen verböten inzwischen über Handy oder E-Mail in der Freizeit weiterzuarbeiten. Berg sagte, dass das Thema Psyche vom Gesetzgeber dem Arbeitgeber „aufs Auge gedrückt“ worden sei. Die AOK sei seit Jahren in Betrieben und überlege sich Gegenmaßnahmen. (kmo)

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