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Region Cham
Dienstag, 21. November 2017 7

Diskussion

Was muss Tierschutz uns wert sein?

Klare Ansage aus dem Landkreis Schwandorf zur Debatte zwischen Gemeinden und Tierfreundekreis: „Dieser Preis ist zu gering!“
Von Johannes Schiedermeier

Main-Coon-Kater Joshua ist zwei Jahre alt und posiert im Tierheim Schwandorf mit Gabi Hahn. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins bricht eine Lanze für den Tierfreundekreis Bad Kötzting: „Für den Preis ist da nichts zu machen!“ Foto: Lorenz

Landkreis.Der Tierfreundekreis Bad Kötzting versucht derzeit in Person seines Vorsitzenden Wilfried Oexler seinen neun Mitgliedsgemeinden klar zu machen, dass er mit den bisherigen Preisen nicht mehr hinkommt. 62 Euro pro Katze oder 25 Cent pro Einwohner haben die neun Mitgliedsgemeinden bisher bezahlt. Jetzt sollen es 75 Cent oder 120 Euro sein.

Heidi Bachmann kümmert sich im Miltacher Katzenhaus liebevoll. Doch das aufwendige Ehrenamt des Tierfreundekreises Bad Kötzting kommt mit den Zuschüssen der Kommunen nicht mehr hin. Foto: Rackl

Wie berichtet, ist die Gemeinde Arrach ausgestiegen, eine Gemeinde hat noch nicht geantwortet, Grafenwiesen möchte noch genaue Unterlagen und über den Rest sagt der Vorsitzende Wilfried Oexler: „Wir sind uns so gut wie einig!“ Allerdings stehen in den Gemeinden die Beschlüsse noch aus, und es sind auch 50 Cent pro Einwohner im Gespräch.

Ein Blick nach Schwandorf

Weil sich diese Kostendebatte im Landkreis Cham immer wiederholt, haben wir einmal im Nachbarlandkreis Schwandorf nachgefragt. Der Schwandorfer Pressesprecher Lothar Mulzer hat eine ganz klare Ansicht: „Unser Tierschutzverein und seine Mitarbeiter sind das Beste, was uns passieren konnte. Was die Leute leisten ist unbezahlbar. Ich habe da große Achtung. Deshalb bin ich auch selber Mitglied. Ich finde sogar, dass die eine oder andere Gemeinde ruhig mehr zahlen könnte, denn die Diskussion über die Gemeindebeteiligung gibt es bei uns auch ab und zu.“

Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Schwandorf ist Gabi Hahn. Die hat beim Blick auf die bisherigen Pauschalen des Tierfreundekreises Bad Kötzting eine ganz klare Ansage: „Das ist viel zu wenig. Damit konnten die ja gar nicht hinkommen.“ Die Vorsitzende erinnert sich noch gut an die Zeiten, in denen sie selber in Schwierigkeiten war. „Damals haben wir für jede einzelne Fundkatze eine Einzelrechnung verschickt. Das war ein riesen Häckmäck. Jeder Cent auf der Rechnung musste nachgewiesen werden. Jeder Bürgermeister hat einzeln angefragt: Warum 200 Euro?“

Für Gabi Hahn ist die Lösung der Pro-Einwohner-Pauschale die beste. „Das ist doch wie eine Versicherung. Ein Rundum-Sorglos-Paket. Egal wie viele Tiere kommen. Das hängt einmal auf unsere Seite und einmal auf die Seite der Gemeinde. Es hat zehn Jahre gedauert. Heute sind 32 von 33 Gemeinden bei uns Mitglied. Alle zahlen 50 Cent pro Einwohner. Das ist an der Kante kalkuliert. Wir schließen Dreijahres-Verträge, die dann für jede Seite kündbar sind.“ Gabi Hahn listet rund 450 Fundkatzen pro Jahr auf. „Das Problem ist doch: Der Hundebesitzer kommt in 98 Prozent aller Fälle und holt das Tier wieder ab. Die Katzen holt kaum einer.“

Die Meinung der Tierfreunde Bad Kötzting

  • Die Dokumente:

    Der Tierfreundekreis Bad Kötzting hat nach Aussage seines Vorsitzenden Wilfried Oexler alle Fundtiermeldungen, keine Schmierzettel wie es im Gemeinderat Arrach genannt wurde, akribisch genau archiviert, führt für jedes Tier ein Krankenblatt und dokumentiert jeden Schritt, von der Aufnahme bis zur Weitervermittlung, so wie es das Veterinäramt vorschreibt.

  • Die Schutzpflicht:

    Es ist falsch, dass die Gemeinden keine Schutzpflicht für Fundtiere haben und das Tier erst gemeldet werden muss, wenn der Finder seine Verwahrungspflicht beenden will. Richtig ist vielmehr, dass jedes Fundtier unverzüglich der Gemeinde oder der Polizei gemeldet werden muss, da sonst der rechtmäßige Eigentümer nie erfährt, gegenüber wem er seinen Herausgabeanspruch geltend machen kann.

  • Die Fundanzeige:

    Eine Fundanzeige ist ausreichend und die Gemeinde entscheidet dann, wo das (unverletzte) Tier hingebracht werden soll.

  • Die Kosten:

    Von entscheidender Bedeutung ist , dass wir mit unserer berechtigten Forderung nur mit den anderen Organisationen im Landkreis Cham gleichziehen wollen. Diese arbeiten bereits mit der Fallpauschale von 120 Euro pro Tier. Die Gemeinden Drachselsried, Bodenmais und Prackenbach und viele andere zahlen bereits 75 Cent pro Einwohner. Wir sind also keine Wegelagerei, wie man uns vorwirft, sondern wir beenden nur die Phase von Schnäppchenpreisen.

  • Das Staatsziel:

    In Bayern ist der Tierschutz Staatsziel und wir helfen in unserer Freizeit gerne, diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, aber wenigstens kostendeckend.

Tierheim für 2,4 Millionen Euro

Die Vorsitzende des Schwandorfer Tierschutzvereins hat noch eine andere Botschaft an die Gemeinden im Nachbarlandkreis: „Ein Zwinger im Bauhof? Für Katzen ungeeignet. Und was macht man mit Ratten und Spinnen, oder Leguanen, wenn das Tierheim einmal eingegangen ist?“

Gabi Hahn erinnert sich auch an den Versuch der Gemeinden im Städtedreieck (Teublitz, Burglengenfeld und Maxhütte-Haidhof, 30 000 Einwohner), nach den Vorgaben des Veterinäramts ein eigenes Tierheim zu errichten: „Da war dann plötzlich eine Summe von 2,4 Millionen Euro auf dem Tisch. Und da war kein ehrenamtliches Personal. Die sind schnell draufgekommen, dass man für dieses Geld viele Verträge machen kann.“

Hahns Fazit: „Natürlich gibt es Korinthen-Kacker, die jeden Cent nachrechnen wollen, weil sie glauben, dass wir da noch was verdienen. Aber die sind total am Thema vorbei. Ohne Spenden und 24 Stunden Ehrenamt geht nichts.“ Schließlich habe man noch die Betriebskosten an der Backe und Tiere, die keine Fundtiere seien und trotzdem betreut werden müssten: „Und das ist gesetzliche Pflicht!“

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