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Montag, 22. Januar 2018 7

Fussball

Wenn das Smartphone piept

Der ehemalige Chamer und Bad Kötztinger Trainer Wolfgang Beller im Wartestand nach der Schalker Ernüchterung
Von Markus Günther

Unter Zeitdruck ist Wolfgang Beller (l.) zwar nicht, doch würde er samt Markus Weinzierl gerne bald wieder Bundesliga-Siege bejubeln mit dem Trainerstab. Foto: Eibner

Cham.Wolfgang Beller müsste lügen, wäre er nicht immer ein klein wenig auf dem Sprung: Ob doch einmal das Smartphone piept in dieser einen Sache: Ob der Manager von Bundesliga-Coach Markus Weinzierl das Feld bereitet hat für den nächsten Job im großen Fußball. Nach der schweren Enttäuschung auf Schalke, dem angeblichen Herz dieses Sportes. Die hat Beller unwillkürlich geprägt. Das klingt nicht nur durch, der ehemalige Coach des ASV Cham und FC Bad Kötzting bekennt sich dazu: „Ja freilich“, hätte er es dem BVB neulich gegönnt, hätte Schalkes Mega-Erzrivale wenigstens das vierte Gegentor vermeiden können im Revierschlager. Wenngleich Weinzierls „Co“ im Wartestand schon ein wenig Luft dazwischen gebracht hat: „Ich war beim Skifahren, habe nur ein paar Zwischenstände mitbekommen ...“

Beinahe „Co“ bei den „Ösis“

„Einmal Schalker, immer Schalker“, welch dummer Spruch. Vom Schalker Management gebremst durch sich hinziehende Vertragsauflösung wurde Weinzierls Intention, das Angebot als Nationaltrainer der Republik Österreich anzunehmen. Natürlich hätte sowas Wolfgang Beller gereizt. Höchste Ebene, EM-Qualifikation und Spielbeobachtung, „das ist sowieso etwas für mich“, hat der 53-jährige Fachmann auch diese Nichterfüllung runtergeschluckt. Die Familie ist Nutznießer, „freut sich“, grinst Beller, wenn es kein Problem ist, den jungen Burschen dahin zu chauffieren, den anderen ins Deggendorfer Donauwald-Stadion, weil er da spielt und im Rahmenprogramm fürs Jugend-Länderspiel engagiert ist. Onkel Weinzierl sitzt auch auf der Tribüne und wird umgarnt. Trotzdem ist der gescheiterte Ex-Schalker Knappe ständig fixiert auf neueste Entwicklungen. Kurz vor der Bosz-Ablösung in Dortmund musste Beller verneinen, Markus Weinzierl sei der Nachfolger, ehe die Farce mit Peter Stöger folgte. Gute Nerven verlangt dieses Bundesliga-Geschäft, bestätigt der Aiterhofener, doch könne er als Kenner der Abläufe hinter den Kulissen sehr gut einschätzen, welcher Standort im Profizirkus ein besseres Ranking habe als andere. Als Profiteur vom Scheitern der Kollegen, bisweilen entscheiden Nuancen. Wie bei Beller und Kollegen selber auf Schalke. Schmunzeln müsse er schon, bestätigt uns Beller, der jüngere, wie schnelllebig das Geschehen sei. Längst ist ein neuer Held auf der Schalker Trainerbank gefunden, die Ara Weinzierl sowas von Geschichte, gefühlte Ewigkeiten her.

West Ham, Tottenham, Palace

Um dem Hamsterrad dennoch nahe zu bleiben, sammeln Markus Weinzierl und Wolfgang Beller Fleißbildchen. Langjährige Kollegen treffen, auch die aus längst vergangenen Zeiten im oberen Amateur-Segment. Jeder Kontakt kann einmal wichtig sein. Hospitieren geht nicht, weil sich die Vereine nicht in die Karten schauen lassen, aber zuschauen beim Training in Hoffenheim geht. Auch bei den Münchner Löwen kann sowas nicht schaden, noch weniger beim SSV Jahn, bei den Ex-Kollegen in Augsburg samt London-Trip. So einer würde jeden Groundhopper zum Strahlen bringen, ein Energie-Riegel quasi für Fußball-Ästheten – für Wolfgang Beller ist es nüchterne Weiterbildung: West Ham United gegen Liverpool, dann Tottenham gegen Crystal Palace und als Kirsche auf die Sahnetorte noch Chelsea gegen ManU. Vorher Hoffenheim gegen die Roten Bullen, nach London noch ein Schlenker zu Club gegen Ingolstadt. Was gäben Weinzierl und Beller drum, an solchen Schauplätzen am Spielfeldrand zu sitzen. Egal auf welcher Seite. In der Premier League hättest du sogar durch die Abfindungen nach den Rauswürfen ausgesorgt, wenn du die Nerven dafür hast – „Das weiß ich nicht“, grinst Beller artig.

Zuletzt war aber keine SMS gekommen, Beller sprach von Julian Nagelsmann als nächstem Coach beim BVB. Dort würde er natürlich auch gerne Co-Trainer sein, nicht nur als Ex-Schalker in der beschriebenen Form. Aber Beller weiß, „der nächste Schuss muss passen“. Weitere Kratzer am Image ungünstig. „Der Topf an Trainern ist dermaßen groß geworden“, weiß Beller, doch am 1. Juli irgendwo neu anzufangen sei weitaus idealer, anstatt ein Start ins Ungewisse als Feuerwehrmann in diesen unruhigen Tagen vor dem Fest. Logisch, dass die Bellers im Januar ausgerechnet im sonnigen Marbella Urlaub machen – gleich um die Ecke trimmen sich Dortmund und Wolfsburg für die Rückrunde.

Loyale Teamplayer sind gefragt

Ex-Kollege Tobias Zellner dagegen wollte Sicherheit, so Bellers Einschätzung, zumindest nicht so lange warten, hat die Rückkehr nach Augsburg vorgezogen und das Trio verlassen. Beller versteht das, eine reine Vernunftentscheidung. Dass der Chamer Christoph Janker heuer nicht spiele, habe einfache Gründe: „Der Django ist ein absolut loyaler Teamplayer, der nicht aufbegehrt“, aber mit 32 und bei nochmaliger Augsburger Verstärkung auf dieser Position sei dies eine logische Entwicklung, so Bellers Einschätzung. Bei Jankers viel jüngerem Konkurrenten aus dem eigenen Nachwuchs ...

Loyale Teamplayer weiß Beller spätestens zu schätzen nach den bitteren Erfahrungen auf Schalke: „Die Quertreiber haben uns das Genick gebrochen im April/Mai“, als die auf die Tribüne verbannten Unzufriedenen besonders medial erfolgreich an Weinzierls Stuhl gesägt hatten. Solche Standorte gilt es künftig zu meiden. Jenes Hintergrund-Wissen über die Eigenheiten der Standorte hilft da ungemein. Ohne Netzwerk bist du „sozialtot“ ...

Ein Job als Cheftrainer bleibt Wolfgang Beller bekanntlich verschlossen, weil er „nur“ die A-Lizenz hat. „Und den Fußball-Lehrer zu machen, geht für mich nicht mehr, da bin ich um zehn Jahre zu spät dran“, bekennt der jüngere Bruder von Amateur-Ikone Sepp Beller. Wenngleich es sich auch so gut leben lässt. Als neulich Werder Bremen den Trainer auswechselte, hätte mancher im Bayerwald geschworen, Weinzierl werde folgen. Ähnlich in Köln.

Als Co-Trainer im Profi-Geschäft nicht reich werden zu können, aber gut davon leben zu können, das hat uns Beller früher schon verklickert. Doch wer im modernen Berufsleben darf schon zweigleisig fahren: Einträgliche Stelle mit allen Vergünstigungen im Profigeschäft vor Augen und das ständig offene Fluchttürchen, in die Geborgenheit des Straubinger Landratsamts zurückkehren zu können.

Um genug zu essen zu haben, müsste sich Wolfgang Beller also nicht bei Sky als Platitüden-Aufsager verdingen oder in eine Mehmet-Scholl-Rolle drängen lassen. Die bekanntlich solche Tücken haben kann. Wenngleich der Ex-ARD-Experte so richtig gut vergütet gewesen sein soll.

In der Pause am Image feilen

Egal, wenn nicht mehr vor Weihnachten, dann sollte sich im neuen Jahr irgendwo irgendetwas ergeben, das ins Profil passt, und Wolfgang Beller muss die vollgepackte Sporttasche schultern zum Treffpunkt. Derweil wird am Image gefeilt. Markus Weinzierl darf ins Fernsehen, in die Late-Night-Show von Hannes Ringlstetter, einen Bierkrug vom Straubinger Volksfest überreichen. Weil der Ringlstetter genauso aus dem Straubinger Stadtteil Alburg stammt wie sein Gast.

Während sich der TV-Konsument spätabends ganz schön wundert, warum kaum drei Minuten vom Weinzierl zu sehen gewesen waren. Auch da hilft Bellers Hintergrundwissen: „Die haben das tags zuvor aufgezeichnet und so viel rausgeschnitten“, sagt der Insider. Ehe Szene-Kenner Beller den Frings-Rauswurf am Darmstädter „Bölle“ zur Kenntnis nimmt. Wäre da nicht Darmstadt was? –„Na, Darmstadt wäre nix“, piept Wolfgang Bellers Smartphone wieder zweimal ...

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