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Region Cham
Dienstag, 12. Dezember 2017 4

Bildung

Wenn das Teil sagt, wo es lang geht

Die Berufsschule Cham ist Modellschule „Industrie 4.0“ und baut eine digitale Fertigungsstraße für praxisnahe Ausbildung.
Von Johannes Schiedermeier

Die modern ausgestattete Berufsschule – hier eines der Labore – bietet beste Voraussetzungen für einen zukunftsorientierten Unterricht. Deswegen wurde sie von der Staatsregierung als „Modellschule Industrie 4.0“ ausgewählt und erhält 75 000 Euro für neue Ausstattung. Foto: Schiedermeier

Cham.Du stehst vor deiner Fertigungsstraße und das Teil sagt zur Maschine: „Sortier mich aus, ich entspreche nicht mehr den Anforderungen.“ Oder: „Fräs mir ein Loch – genau hier!“ Unter anderem so etwas ist gemeint, wenn wieder einmal das Marketing-Schlagwort „Industrie 4.0“ strapaziert wird. Ziel der dazu angelegten Bildungsstrategie ist die Verzahnung industrieller Produktion mit moderner Informationstechnik. Intelligente und digital vernetzte Systeme sollen eine weitestgehend selbstorganisierte Produktion möglich machen: Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren und kooperieren in der „Industrie 4.0“ direkt miteinander.

„Wir sind schon mitten drin“

Das klingt nach Zukunftsmusik. Landrat Franz Löffler skizzierte am Donnerstagabend in der neuen Chamer Berufsschule das Problem: „Wir sind bereits mittendrin in dieser Entwicklung.“ Wie schnell der Zug fährt, erläuterte Berufsschulleiter Siegfried Zistler: Gerade erst ist in Cham eine der modernsten Berufsschulen Bayerns entstanden, da muss an der Technik schon wieder geschraubt werden.

Die Nachricht dahinter ist eine gute: Die Chamer Berufsschule hat sich als Modellschule „Industrie 4.0“ beworben und ist neben Amberg als eine von zwei Schulen in der Oberpfalz und von 16 in ganz Bayern ausgesucht worden. Sie wird mit 75 000 Euro gefördert. Insgesamt werden 150 000 Euro investiert. Für diese Summe soll eine digitale Fertigungsstraße entstehen, die eine Ausbildung der Schüler und Fachkräfte nach modernsten Gesichtspunkten ermöglicht.

Abteilungsleiter Bernhard Eisch zeigte anhand der intelligenten Tafel die Möglichkeiten auf, die die moderne Technik in der Berufsschule bietet. Von der normalen Tafelanschrift bis zur komplizierten Konstruktion mit Funktionstest ist alles möglich. Die Übertragung ist möglich per Handy, Tablet oder Rechner. Foto: Schiedermeier

Diese Entwicklung, so Abteilungsleiter Bernhard Eisch, werde Auswirkungen auf alle Ausbildungsberufe haben, vom Mechatroniker bis zu den Kaufleuten. Das Förderprogramm komme gerade recht, weil das Equipment angesichts der rasanten Entwicklung zum Teil bereits wieder in die Jahre komme.

„Wir haben hier inzwischen einen sehr guten Standard erreicht.“

Ferdinand Gierisch

Abteilungsleiter Christian Schötz gab zu, dass man sich zunächst gar nicht mehr getraut habe, angesichts modernster Ausstattung neue Forderungen an den Landkreis als Träger zu stellen. Die Einzelausstattung sei bereits vorhanden. Nun müsse es zu einer Fertigungsstraße vernetzt werden, „Betriebsdaten auslesen, automatische Lagerbefüllung, Wartung der Fertigungsstraße – das alles muss möglich sein“, so Schötz. „Das Teil wird sagen, was mit ihm passieren muss und beurteilen, ob es den Anforderungen noch gerecht wird, oder aussortiert werden muss.“

Ferdinand Gierisch, Systembetreuer an der Berufsschule, bestätigte, dass die Anforderungen an die Lehrer in Bezug auf den hohen Grad der Modernisierung groß seien. Allerdings sei auch der Grad an Fortbildung sehr hoch: „Wir haben hier inzwischen einen sehr guten Standard erreicht“, so Gierisch.

Die Konkurrenz der Roboter

Martin Zistler von der Firma Zollner gehört zu denen, die mit der Berufsschule vernetzt sind. 51 Firmen, Schulen, die IHK und der Technologie-Campus zählen dazu. „Wir begrüßen diesen neuen Weg“, sagte er. „Wir brauchen diesen Wettbewerb, um den hochpreisigen Standort Deutschland halten zu können.“

Gleichzeitig erklärte Zistler auch, dass es wichtig sei, die Akzeptanz der Mitarbeiter zu erreichen: „Ohne die geht es nicht. Man muss den Mitarbeitern klar machen, dass sie dort eingesetzt werden, wo sie effizient sind. Roboter kommen dran, wenn es monoton wird. Der Kunde will heute in Echtzeit sehen, was gerade auf dem Band des Herstellers läuft. Dafür müssen wir die Leute fit machen.“

Landrat Franz Löffler war im Vorfeld als Träger der Schule mehrfach für das Verständnis und die tolle Ausstattung gelobt worden. 1270 Rechner gibt es für die 2650 Schüler, die an zwei Tagen pro Woche unterrichtet werden. Das zeige schon deutlich den Standard. Die Chamer Berufsschule – da wer sich Löffler mit Schulleiter Zistler einig – sei auch deshalb als Modellschule ausgewählt worden und wegen ihrer guten Vernetzung. Nun gelte es vorne zu bleiben: „Nur wer die modernsten Anforderungen erfüllt, wird auch bestehen, wenn es einmal in der Wirtschaft nicht mehr so läuft wie zur Zeit. „Wir leisten mit dieser Initiative einen guten Beitrag, um auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein“, so Löffler.

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Was ist eine Modellschule Industrie 4.0?

  • Das Pilotprojekt:

    Das bayerische Bildungs- und Wissenschaftsministerium fördert derzeit 16 bayerische Schulen als „Modellschulen Industrie 4.0“.

  • Der Teilnehmerkreis:

    In der Oberpfalz schafften es die Berufsschulen in Cham und Amberg mit ihren Bewerbungen an die Fördertöpfe.

  • Das Ziel:

    Die bereits vorhandene hochwertige Ausstattung der Chamer Berufsschule soll verknüpft werden zu einer kompletten digitalen Fertigungsstraße auf Industriestandard.

  • Der Anspruch:

    Die Fach- und Nachwuchskräfte sollen möglichst praxisnah auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet werden.

  • Der Marketingbegriff:

    „Industrie 4.0“ ist ein Marketingname. Er umschreibt die Verzahnung industrieller Produktion mit moderner Informations- technik.

  • Die Grundlagen:

    Technische Grundlagen hierfür sind intelligente und digital vernetzte Systeme. So soll eine weitestgehend selbstorganisierte Produktion möglich werden: Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren und kooperieren in der Industrie 4.0 direkt miteinander.

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