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Montag, 11. Dezember 2017 5

Kultur

Wenn nur die Eltern nicht wären...

Kabarettistin Christine Eixenberger gab bei ihrem Auftritt in Waldmünchen einen Einblick ins harte, schräge Grundschulleben.
Von Ingrid Milutinovic

Die „Hexe“ aus dem Kultusministerium trieb ihr Unwesen. Foto: wim

Waldmünchen.Ob die Vermutung von Christine Eixenberger, dass viele Pädagogen sozusagen inkognito im Publikum in der TV-Halle saßen stimmte, konnte zwar nicht geklärt werden, auf jeden Fall freute sich Hans Ruhland für den Kulturkreis über einen gut besetzten Saal. Ein Höhepunkte jagte bald den anderen. Egal, ob Eixenberger gleich zu Beginn „Schorsch“ aus dem Publikum auf die Bühne holte und die Definition für Heimat in Gedichtform vortragen ließ; oder ob sie klar stellte, wie das Ansehen einer Grundschullehrerin, despektierlich „Bastelschlampe“ genannt, im Freundeskreis ist – die Stimmung stimmte.

Das Ausschlussprinzip

Grundschullehrerin zu werden, sei ein Ausschlussprinzip gewesen, erläuterte sie ihre Berufswahl. Ein Jurastudium habe sie begonnen und nach einem Praktikum beendet – München brauchte keine neuen Taxifahrer mit Uni-Abschluss mehr. Außerdem sei sie bereits „aktiv bei den anonymen Germanisten“ – da biete sich das Lehramt an. Die Auswahlkriterien im Kultusministerium für die Referendariatsstellen – man lernt die Welt des Freistaats kennen – sorgten für Lacher im Publikum, hatte Eixenberger dabei doch die Vorstellung einer Hexe.

Dann folgte ein Querschnitt durch das Alltagsleben einer Grundschullehrerin. Marinus – semi-intelligent, woher soll er es haben bei dem Vater – und Basti, Sohn auf einem Biobauernhof, machen es ihr nicht unbedingt leicht. Auch das Absingen der Bayernhymne gerät dabei leicht daneben.

„Kinder wären so was Tolles, wenn sie ohne Eltern auf die Welt gekommen wären.“

Christine Eixenberger

Lebensweisheiten wie „Eltern haben immer Recht“ oder auch „Eltern wollen nur das Beste“ (was das ist, darüber gehen die Meinungen zwar auseinander) – sorgen für Zündstoff. Das Handy als elektronische Fußfessel für den Nachwuchs – sozusagen als Investitionsschutz – vor Eixenberger war nichts sicher.

Gleich zu Beginn holte Christine Eixenberger „den Schorsch“ auf die Bühne. Foto: wim

Nach der Pause beleuchtete die Kabarettistin Beispiele für „tiefere Schichten der Wahrheit“. Warum die Dinosaurier ausgestorben sind, die Schulzeit, in der man Dinge gelernt hat, die keiner wissen will, männliches Imponiergehabe oder Aufklärungsunterricht in der Grundschule gehörten ebenso dazu wie die Kriterien, nach denen Headhunter bereits in der Grundschule nach Nachwuchs Ausschau halten.

„Kinder wären so was Tolles, wenn sie ohne Eltern auf die Welt gekommen wären“, war ihr abschließendes Fazit zu einem hochinteressanten und brisanten Thema.

Theater und Musical

Eixenberger, geboren 1987, kommt aus Schliersee. Sie hat bereits in verschiedenen Theater- und Musicalproduktionen mitgewirkt. „Lernbelästigung“, mit dem sie in Waldmünchen gastierte, ist ihr zweites Soloprogramm. Seit 2014 moderiert sie die BR-Comedy-Talkshow „Habe die Ehre“ mit dem Kabarettisten und Parodisten Wolfgang Krebs. Neben ihrer Bühnenarbeit absolvierte sie ein Grundschulamtsstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Die Zulassungsarbeit schrieb sie zum Thema „Dialekt im Unterricht“.

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