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Freitag, 15. Dezember 2017 5

Verkehr

Wetterfeld – Situation „verfahren“

Ein Lkw-Fahrer hat in Wetterfeld zum Test einen 44-Tonner in die Wendebucht gesteuert. Ergebnis: Stoff für eine Debatte.
Von Thomas Mühlbauer

Ein Bild, das die Wetterfelder von früher bereits kannten und auch nach dem Neubau der B 85 zu sehen bekommen: Schwere Lkw fahren durch das Dorf. Foto: rtn

Roding.Die Bauarbeiten an der B 85 in Wetterfeld gehen langsam dem Ende entgegen. Doch immer wieder kommen neue Probleme zur Sprache. Etwas, was schon lange bekannt ist, ist am Freitag bei einem beispiellosen Modellversuch ausprobiert worden. Man hat sich diese Frage gestellt: Was passiert, wenn die Schreinerei Lang in Wetterfeld eine Lieferung bekommt und die Lkw keine Möglichkeit vorfinden, auf der gleichen Fahrbahn weiterzufahren. Denn: Weiterfahren auf der gleichen Fahrbahn sei nicht möglich, da die Zufahrt zur B 85 fehlt.

Die Lösung, die das Staatliche Bauamt aus Regensburg vorsieht, sei eine Wendebucht, ungefähr 50 Meter vor dem Unternehmen, wo Lkw wieder wenden könnten. Hier sollten nach Ansicht von Projektleiter Gerhard Kirchberger die Lkw wenden.

Schlepplinie dient zur Orientierung

Siegfried Lang (r.) diskutiert mit Gerhard Kirchberger vom Staatlichen Bauamt die Situation. Foto: rtn

Soweit die Theorie: Wie es in der Praxis aussieht, führte am Freitag Steffen Große von der Spedition Zollner aus Wallersdorf mit seinem 44-Tonner, der 18 Meter lang ist, vor Augen. Interessierte Beobachter waren Gerhard Kirchberger, Siegfried Lang und Rodings Stadtbaumeister Helmut Wanninger. Zunächst stieß Große mit seinem Lkw rückwärts in die Wendebucht. Hierzu hatten ihm die Verantwortlichen des Staatlichen Bauamtes Regensburg eine sogenannte Standardschlepplinie angezeichnet, an der er sich orientieren konnte. Denn, so ließ Kirchberger wissen, man werde im Zuge der letzten Arbeiten im Dorf die nun provisorisch angezeichneten Flächen noch asphaltieren. Nach einigem Rangieren manövrierte der Lkw-Fahrer sein Gefährt in diese Bucht, was Kirchberger zu der Feststellung veranlasste: „Man sieht, es funktioniert. Dass es eng ist, denke ich, darüber braucht man nicht diskutieren, das weiß jeder. Aber wie wir bereits vorab zugesichert haben, werden wir an gewissen Stellen nachjustieren.“

Hierzu werde auch ein Ablaufschacht zählen, der sich direkt neben der Wendebucht befindet. Ihn gilt es, „hochzuziehen“, um so noch weiteren Platz zu gewinnen, so Kirchberger. Bei einem weiteren Versuch ließ man Lkw-Fahrer Große vorwärts in die Wendebucht hineinfahren, so dass der Lkw anschließend rückwärts zur Firma Lang zurückstieß. Es wurde deutlich, dass die Wendebucht, mit einer knappen Länge von 18 Metern, sehr knapp bemessen ist. Nach einigem Rangieren meisterte Große auch diese Herausforderung, so stand der Lkw wieder in Fahrtrichtung Wetterfeld, um seine Materialien abzuladen. Gerhard Kirchberger ließ wissen: „Die Wendebucht wird noch nach vorne etwas verlängert, und mit den weiteren geteerten Flächen dürfte es kein Problem mehr sein, zu wenden, der Fahrer hat es bewiesen, dass es machbar ist.“ Im Gespräch mit unserem Medienhaus ließ Steffen Große zur Situation wissen: „Das ist schon sehr eng, aber wir sind solche Herausforderungen gewohnt. Wenn man mehr Platz hätte, wäre es natürlich besser. Zudem wäre natürlich ein abgesenkter Bordstein noch besser.“

Wer soll das bezahlen?

Die Schreinerei Lang ist nach Ansicht von Stadtrat Andreas Bucher bei der Planfeststellung vergessen worden. Foto: rtn

Siegfried Lang von der Schreinerei sagte, angesprochen auf die ihm vor Augen geführte Situation: „Wir bekommen mehrmals im Monat Lieferungen von großen Lkw. Ich frage mich einfach, was passiert, wenn das Bankett bei unserem Unternehmen, das ja befahrbar sein soll, kaputt gefahren ist? Da kommen, gerade auf die Stadt, wohl erhebliche Kosten zu. Man muss ja bedenken, da fährt nicht mal ein Pkw drüber, wir reden hier von schweren Lkw, mit teils 40 Tonnen.“ – „Und über das Bankett fahren dürfte wohl unvermeidbar sein, wenn der Lkw auf der Straße steht und seine Materialien ablädt und ein Lastwagen zur benachbarten Firma Riedl möchte“, so Langs Ansicht. Die Frage sei: Wer soll das bezahlen? – Die Stadt Roding dürfte wohl wenig begeistert davon sein, in regelmäßigen Abständen das Bankett zu ertüchtigen und zu erneuern.

Stadtrat Andreas Bucher bezog hierzu im Gespräch mit unserem Medienhaus Stellung: „Das kann nur eine Notlösung sein. Denn die Firma Lang wurde in der Planfeststellung schlicht und einfach vergessen.“ Und Bucher fügt hinzu: „Man muss sich vorstellen, es fährt nun ein 44 Tonnen schwerer Sattelzug rückwärts auf einem Europaradweg. Eine Verkehrssicherheit ist hier keinesfalls mehr gegeben.“ Bucher lässt weiter wissen: „Der Firma Lang wurde vor dem Planfeststellungsbeschluss versprochen, dass die Situation wieder so wird, wie vor dem Bau der Straße.“ Dies würde im Umkehrschluss heißen – Der Lkw fährt vorwärts zur Firma hin und fährt vorwärts wieder vom Unternehmen weg – ohne zu wenden.

Dass dies nicht mehr der Fall sei, wurde am Freitag vor Augen geführt. So macht Stadtrat Andreas Bucher noch einmal ganz klar: „Diese Nachbesserung, die vom Straßenbauamt vorgenommen worden ist, ist eine ganz klare Nulllösung.“

Zwischen Altenkreith und Wetterfeld

  • Ausbau:

    Und auch das geschieht an der B 85 – der zweibahnige Ausbau zwischen Wetterfeld und Altenkreith.

  • Anfang:

    Die Maßnahme beginnt westlich von Roding auf Höhe des Ortsteils Mitterkreith, die Erweiterung erfolgt hier auf der Nordseite.

  • Anbau:

    Im Abschnitt zwischen Mitterdorf und Oberdorf erfolgt der Anbau in jeweils halber Breite zu beiden Seiten, dadurch werden Eingriffe in die Wohnbebauung vermieden.

  • Kosten:

    Die Gesamtkosten betragen rund 28,7 Millionen Euro.

  • Beschluss:

    Der Planfeststellungsbeschluss der Regierung der Oberpfalz vom 18. Oktober 2016 ist bestandskräftig. Die Bauzeit einschließlich Erneuerung der bestehenden Fahrbahn wird auf drei bis vier Jahre veranschlagt.

  • Prognose:

    Für 2030 wird eine Verkehrsbelastung von 18 500 Kfz/24h und LKW-Anteile von bis zu 25 % prognostiziert. Quelle: Staatliches Bauamt

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