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Region Cham
Freitag, 15. Dezember 2017 4

Kirche

Wo wieder Zeit mit der Familie zählt

Im Geistlichen Zentrum in Cham erleben Mamas, Papas und Kinder Stunden für sich – ohne Zeitdruck und Verpflichtungen.
Von Claudia Peinelt

Auf dem Weg nach Bethlehem waren die Kinder mit ihren Eltern am Wochenende im Kloster. Fotos: Peinelt

Cham.Es ist Samstag kurz nach 9 Uhr. Im Alfonssaal sitzen die Großen mit den Kleinen in einer Runde. Die Großen – das sind Mama und Papas, aber auch Omas, die zum Adventswochenende gekommen sind. Die Kleinen – das sind die Buben und Mädchen zwischen einem halben Jahr und 14 Jahren. Alle Jahre wieder sind die beiden ersten Adventswochenenden im Geistlichen Zentrum in Cham sehr begehrt. Schwester Erika und Pater Renju organisieren mit einigen Helfern von Freitagabend bis Sonntagmittag Tage zum Entspannen und kennenlernen.

„Wir sind seit vielen Jahren hier“, erzählt eine Mama. Zu ihr gehören drei Kinder und der Ehemann. Aber auch die Oma war schon einige Male mit dabei. „Das sind Stunden und Tage für uns, wo wir uns intensiv für die Familie Zeit nehmen können. Ohne jeglichen Zeitdruck und Verpflichtungen. Und jeder von uns kann für sich selber so viel von diesen Tagen mit nach Hause nehmen“, sagt der Vater.

Sie zieht alle in ihren Bann

Gespür: Schwester Erika hat ein besonderes Gespür für die Kinder. Auch wenn es manchmal etwas lauter wird oder größere Diskussionen in Gang kommen: Sie weiß es zu regeln. Und am Ende sind dann doch immer alle wieder zufrieden.

Schwester Erika weiß genau, wie sie die Kinder mit ihren Geschichten und Liedern in der Vorweihnachtszeit in ihren Bann ziehen kann. Sie sitzt im Schneidersitz auf dem Boden und hat ihre Gitarre in der Hand. Manche der Kindern würden am liebsten auf ihrem Schoß sitzen, so nah wollen sie der Schwester sein. Andere kuscheln sich an die Mama, und die größeren Kinder haben bereits Freundschaften geschlossen und sitzen bei ihren neuen Begleitern im Kreis.

Auch Pater Renju hat sich in die Runde gesetzt und bekommt einen Rempler von einem kleinen Musikanten, der sein Saxophon mit in den Saal bringt. Die Gitarre von Schwester Erika klingt durch den Raum. Die Familien stimmen in das Lied „Komm mit mir zum Stall“ ein. In der Mitte ist auf einem Tuch ein Bodenbild aufgebaut. Mit Schafen und Hirten und einem Esel und Maria und Josef. Bereits am Freitag haben die Kinder die Geschichte vom Weg nach Bethlehem gehört.

Bethlehem: Ein Bschoadpackerl bekommt jede Familie zu Beginn des adventlichen Familienwochenendes von Schwester Erika und Pater Renju überreicht. Alle befinden sich schließlich auf „dem Weg nach Bethlehem“ im Geistlichen Zentrum.

Am Samstagvormittag darf jeder, der ein Instrument dabei hat, ein Lied darauf vorspielen. Da spielt Linda auf ihrer Flöte, Jonathan mit seiner Mama vierhändig am Klavier – und Nepomuk hat seine Posaune mitgebraucht. „Ja Nepomuk, jetzt bist du größer als die Posaune. Ich weiß noch, als die Posaune größer war als du“, sagt Schwester Erika und lacht. Auf die Frage, was Nepomuk spielt, schaut er sich suchend nach seinem Papa um. Der erklärt: „Er spielt den Cowboysong“.

Freunde: In einer Vorstellungsrunde darf jeder seiner Namen sagen. Natürlich traut sich das nicht jeder. Dafür sind die Mamas und Papas oder Omas mit dabei – und schnell wird die Situation entspannter. Nach kurzer Zeit lernen sich alle kennen.

Und dann wird wieder gesungen, bevor sich die ganze Gruppe in kleinere Einheiten aufteilt. Die Jüngeren bleiben bei Andrea, die mit ihnen das Bodenbild weiter aufbaut. Die Größeren wechseln in den Clemenssaal, wo sie ein Spiel einüben. Da geht’s natürlich etwas lauter zu. Buben verkleiden sich zu Hirten und Königen, andere bekommen einen Eselskopf aus Pappe aufgesetzt – und Maria und Josef werden ausgesucht. In der Ecke üben zwei Mädchen mit der Flöte ein passendes Lied dazu ein, während Erika versucht, sich Gehör zu verschaffen. Dann beginnt die erste Probe zu diesem Stück, das zu einem späteren Zeitpunkt für alle aufgeführt werden wird.

Impulse und Gespräche

Rollen: Die größeren Kinder proben mit Schwester Erika die Herbergssuche. Es macht ihnen großen Spaß. Jeder darf in die Rolle schlüpfen, die ihm am meisten zusagt. Während die einen Kostüme probieren, üben andere mit ihren Instrumenten Lieder ein.

Die Erwachsenen haben sich mit Pater Renju in ein Zimmer zurückgezogen. Sie hören die Geschichte von Bileam und seinem Esel. Darin erscheint ein Engel dem Esel und sagt ihm, dass beide auf dem falschen Weg seien. Auch für die Erwachsenen gibt es so an diesem Wochenende interessante Impulse und Gespräche. Nach einem Mittagessen, auf das sich die Kinder immer besonders freuen, und einem Spaziergang zum Christkindlmarkt geht es in die zweite Runde. Während die einen mit Schere, Kleber und Tonpapier hantieren, hören die anderen Schwester Oxana zu. Sie kommt aus der Ukraine und erzählt spannend, wie die Menschen dort Advent und Weihnachten feiern.

Für den Abend ist schließlich ein Laternenzug zur Kirche geplant. Stolz tragen alle ihre schön gebastelten Laternen durch das Haus und in die Kirche hinein. Mancher fällt abends todmüde ins Bett. Der Sonntag ist noch einmal vom Basteln und Singen sowie Gesprächen geprägt. Den Abschluss des adventlichen Familienwochenendes bildet ein Familiengottesdienst in der Klosterkirche Maria Hilf. „Für mich und meine Enkel ist es immer ein besonderes Highlight vor Weihnachten“, sagt eine Oma.

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