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Zollner: „Da Betriebsrat bin i!“

Die Führungsspitze der Zollner AG in Zandt ist überzeugt, dass sie keinen Betriebsrat braucht — und hat dafür Argumente.
Von Johannes Schiedermeier

Manfred Zollner hat eine klare Meinung zum Thema Betriebsrat: „Des kann i selber.“ Foto: wf

Zandt.Firmengründer Manfred Zollner sagt es gewohnt frei heraus: „Da Betriebsrat bin i!“ Und davon ist er überzeugt. „Woaßt, wenn i auf Cham einifohr, dann brauch i a koan, der mir sagt, wia des geht. Des kann i selber.“ Allerdings will sich der 76-Jährige dann doch nicht im Interview äußern. „In meim Alter muaß i nimma im Vordergrund stehn!“ Sagt’s und schickt seinen Vorstandsvorsitzenden Hans Weber nach vorne.

„Kommunikation ist alles“

Weber sagt es diplomatischer. Aber er sagt dasselbe: „Die Führungsspitze von Zollner ist überzeugt, dass sie das selber kann. Wir haben Mitbestimmung, wir haben einen guten Kontakt zu unseren Mitarbeitern, aber wir brauchen dazu keine Gewerkschaft und keinen Betriebsrat.“ Dem Vorstandsvorsitzenden ist es wichtig, dass über ein umfassendes Infosystem jederzeit alle Mitarbeiter über Vorgänge in der Firma informiert sind. Er zählt die Firmenzeitung auf, das Infoportal, Leitungskreise und das globale Zollner-Netzwerk.

Wie hält man Kontakt, wenn man so weit oben in der Firma steht und 10 000 Mitarbeiter hat? „Kommunikation ist alles“ sagt Weber. Das sei bei Zollner durchorganisiert. Von oben über alle Ebenen nach unten. An der Basis habe zum Beispiel jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, in die Ideenbox Zettel einzuwerfen. Dort ist auch Kritik sogar erwünscht.

„Wir haben einen guten Kontakt zu unseren Mitarbeitern, aber wir brauchen dazu keine Gewerkschaft und keinen Betriebsrat.“

Hans Weber

Das Personalmanagement sorgt dann dafür, dass das Thema auf der richtigen Ebene behandelt wird. „Sowas funktioniert nur, wenn es prompt passiert. Wenn die Mitarbeiter merken, dass das, was sie auf dem Herzen haben, auch ankommt“, sagt Weber. Der Inhalt der Box werde mindestens einmal pro Monat ausgewertet. „Da geht es um Beschwerden über Vorgesetzte, um das Essen in der Kantine bis hin zum mangelhaften Winterdienst auf dem Firmenparkplatz.“

„Es hat einen Versuch gegeben“

Also kein Betriebsrat? Nein, sagt Weber. Führungskräfte, Vorstand und Aufsichtsrat fungierten als Betriebsrat. Der Vorstandsvorsitzende räumt ein, dass es den Versuch gegeben hat, so ein Gremium bei Zollner zu etablieren. Die Führungsspitze habe aber klar gemacht, dass sie daran nicht interessiert sei und das für unnötig hält – und hat sich durchgesetzt.

Wer hat im Betrieb etwas zu sagen? Lesen Sie hier den ersten Teil unserer Themenwoche.

„Wir tun aber auch was“, sagt Weber. „Wir fragen kontinuierlich die Gesundheit unserer Mitarbeiter ab. Wir kümmern uns mit Krankenkassen-Aktionen um deren Gesundheit.“ Der Erfolg eines Unternehmens sei abhängig von Mensch und Maschine. Moderne Maschinen könne jeder kaufen, aber um sie einsetzen zu können, brauche man fähige und motivierte Mitarbeiter.

Deswegen sei es im ureigensten Interesse der Firma, dass die Führungskräfte sich um ihre Mitarbeiter kümmern. Es gebe regelmäßige Mitarbeiter-Sprechstunden in den Werken. Und er selbst werde auf dem Gang angeredet. „Da gibt es keine Scheu“, sagt Weber.

Der zweite Teil unserer Themenwoche: Franz Aschenbrenner führt seit 2010 bei Siemens in Cham den Betriebsrat.

Wie bezieht man die Basis in Entscheidungen ein, wenn man 10 000 Mitarbeiter hat? Weber lacht: „Beziehe in die Entscheidungen die Mitarbeiter ein und du kannst dich vor Unterstützung kaum noch retten!“ Natürlich, so räumt der Vorstandsvorsitzende ein, sei Transparenz in einer Firma wie Zollner immer schwierig und manchmal nicht möglich.

„Beziehe in die Entscheidungen die Mitarbeiter ein und du kannst dich vor Unterstützung kaum noch retten!“

Hans Weber

Schließlich gehe es oft um technisch sensible Vorgänge, die man nicht an die große Glocke hängen könne. „Es gibt auch Kunden, die nicht genannt werden wollen. Da endet dann halt auch der Anspruch auf Transparenz.“

Das sagt der Geschäftsführer der Ensinger GmbH zum Thema Betriebsrat.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

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