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Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Bergwacht

Zur Winterprüfung auf den Voithenberg

Vor etwa 80 Jahren wurde die Further Bereitschaft gegründet. Damals wurde noch mit einem „Schnürchen“ geklettert.
Von Christina Schweitzer

Die Bergwacht-Ausbildung lief vor vielen Jahren natürlich noch ganz anders ab, Ziel war aber immer das gleiche: Menschen aus gefährlichen Situationen retten; auf dem Foto: Winterprüfung auf dem Voithenberg. Foto: Schweitzer

Furth im Wald.„Bei jedem Wetter, in jedem Gelände, zu jeder Zeit“ – dieser Ausspruch steht für die Ideale der Bergrettungsgemeinschaften: Die Ausbildung muss stets auf dem neusten Stand sein, damit das sichere Bergen des Patienten aus jeder Situation gewährleistet werden kann. Zudem sind die Mitglieder der Bergwacht Bereitschaften jederzeit für einen Alarm bereit und sofort abrufbar.

Dieser Spruch gilt nicht nur aktuell – es war auch schon vor vielen Jahren das Ziel, sich technisch versiert stets für das Wohl anderer einzusetzen. Im Januar werden es 80 Jahre, dass Sepp Leitner mit 34 weiteren Männern die Further Bereitschaft gründete. Zeit, um im Gespräch mit den älteren Mitgliedern einmal zurückzublicken:

Hütten-Fasching am Teehäusl

Die Further Bergwacht ist bekannt für ihre gute Gemeinschaft. Zum Vereinsleben gehörten schon immer – auch früher –gesellschaftliche Events wie der „Hütten-Fasching“ auf der Roberthütte, wo auch das jährliche Bergfest stattfindet. Dieser Hüttenfasching wurde stets mit viel Liebe zum Detail vorbereitet, so dass sich das „Teehäusl“ sogar mal in eine Westernbar, ein anderes Mal in eine Eishöhle verwandelt hat. Als das Event populärer wurde, erfuhr es einen so großen Zulauf, dass die Bergwachtkameraden auf die Schützenhalle ausweichen mussten.

Das Karfreitagsratschn

Auch die Pflege der Tradition liegt den Mitgliedern der Further Bergwacht schon immer am Herzen. So haben etwa die „Glashüttenbergwachtler“ um Willi Kastner im Jahr 2000 das Karfreitagsratschen auf der Roberthütte einführen wollen. Dieses Brauchtum ist nun 2014 auf die jüngeren Bergwachtler übergegangen, was die „Bergwachtrentner“ sehr freut.

Die Further Bergwacht in früheren Zeiten

Des Weiteren betreuten die Mitglieder der Bergwacht in früheren Zeiten nicht nur die Glückshütte und den Radestand auf der Festwiese zur Drachenstichzeit, sie stellten auch die Drachenbesatzung für das Festspiel. Als besonders schönen Brauch bezeichnen Willi Kastner und Karl Beck im Gespräch mit unserem Medienhaus das sogenannte „Betteln“. Die Drachenbesatzung ist – natürlich mit Drache – durch die Straßen der Stadt bis zur Glashütte gezogen und machte an jedem Geschäft halt. Egal ob Brauereien oder Wirtshäuser – jeder hatte etwas für die Truppe zu geben, und „wenn’s eine Stange Pressack vom Metzger war“, erinnert sich Willi Kastner.

Ebenfalls Tradition war der Nikolausbesuch bei der Weihnachtsfeier auf der Roberthütte für die Kinder der Bergwachtkameraden und deren Freunde. Zunächst verkleidete sich damals Karl Beck senior, später übernahm das „Amt“ Helmut Hofmann.

Und auch bei Veranstaltungen außerhalb des Vereins waren die Mitglieder der Bergwacht dabei: etwa beim Tafeln für den Drachen „Steffi“ und auch wieder beim Tafeln für den neuen Drachen „Fanny“. Die Kameradschaft wurde zudem bei Vatertags- und Gebirgsausflügen gepflegt.

Gerade den mittlerweile im Alter etwas „fortgeschrittenen“ Bergwachtlern sind viele Baumaßnahmen zu verdanken. Unter ihrer Federführung konnten der Bau der Rettungsstelle, der Telefonanschluss auf der Roberthütte und auch der Bau der Voithenbergkapelle 1983 sowie des Aussichtsturms Bayernwarte am Dieberg 1973 realisiert werden.

Althütte, Waldlehrpfad und Skilift

Des Weiteren wurden im Jahr 1964 die Althütte, 1975 die Garage auf der Roberthütte, 1973 bis 1975 der Waldlehrpfad und auch der Voithenberger Skilift – zuerst der kleine in den Jahren 1968/69 und dann der große 1971/72 – errichtet.

In der Ausbildung der Bergwachtkameraden gibt es natürlich deutliche Unterschiede zwischen früher und heute. So wurde damals noch ohne Gurt, nur mit einem „Schnürchen“, einem Seil um die Hüften, geklettert und natürlich gerettet. Die Sicherungsmöglichkeiten waren damals noch nicht so ausgereift, weshalb die Retter oft bei der Bergung eines Patienten ihr eigenes Leben ebenso aufs Spiel setzen mussten.

Versammlung und Ausbildungen

Auch die wöchentliche Dienstversammlung lief anders ab. Diese fand – ebenso wie die Ausbildungen – damals noch im Gasthaus „Schrädl“ in der Küche statt. Der Wirt erlaubte es den Bergwachtlern, etwa an der Decke einen Haken anzubringen, um die im Freien oft notwendigen Flaschenzüge üben zu können.

Die Übungen in Bezug auf den Skibetrieb wurden zu der Zeit noch im „Haisalgarten“ beim Berghof absolviert. Dort gab es zunächst einen Schlepplift, der mit einem VW-Motor angetrieben wurde, bevor das „Skigebiet“ auf der Glaserwiese aktuell wurde. Genau wie heute mussten die Bergwachtler bei der Winterprüfung ihre Fähigkeiten in Sachen Abtransport und behelfsmäßige Bergrettung unter Beweis stellen. Was früher noch dazu kam, war zum Beispiel die fehlerfreie Skiverschraubung – die aufgrund der technischen Fortschritte in der heutigen Zeit nicht mehr notwendig ist.

Bei der Betrachtung des heutigen Fuhrparks wird bewusst, welche Leistung die früheren Generationen bereits ohne diese technischen Neuerungen erbracht haben. Heute gehört der Bergwacht Bereitschaft etwa das ATV – ein Geländefahrzeug, das sowohl mit Schneeketten, als auch normalen Reifen für den Sommergebrauch bereift werden kann – dies erleichtert natürlich die Bergung eines Verletzten aus ungünstigem Gelände.

In früheren Zeiten war die Bergwacht übrigens reine Männersache. Es hat es sich erst im Lauf der vergangenen Jahrzehnte entwickelt, dass auch Frauen der Bereitschaft beitreten dürfen. Und die Kameradschaft war stets wichtig: So trafen sich die Mitglieder oft freitags auf der Robert- oder der Dieberghütte und sind dort bis zum Sonntagabend geblieben. Sie verbrachten die Zeit mit Gesellschaftsspielen und beim Singen und Musizieren von Hüttenliedern, wie etwa dem Further Bergwachtlied.

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