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Donnerstag, 22. Juni 2017 32° 2

Tragödie

Zwei Tote in Asylbewerberheim

In Arnschwang ersticht ein Asylbewerber aus Afghanistan ein fünfjähriges Kind aus Russland. Ein Polizist erschießt den Mann.
Von Evi Paleczek

Mehrere Einsatzfahrzeuge waren vor Ort. Foto: Paleczek

Arnschwang.Bei einer Auseinandersetzung in der Asylbewerber-Unterkunft in Arnschwang/Wöhrmühle sind am späten Samstagnachmittag ein 41-jähriger Afghane und ein fünfjähriges russisches Kind ums Leben gekommen. Das teilte Polizei-Pressesprecher Marco Müller mit. Gegen 17 Uhr sind bei der Polizeiinspektion in Furth im Wald mehrere Anrufe aus der Unterkunft eingegangen. Es wurde von einer „unklaren Gefährdungslage unter Einsatz von Waffen“ ausgegangen. Als die ersten Beamten eintrafen, stellten diese fest, dass ein 41-jähriger Afghane im ersten Obergeschoss des Gebäudes mit Hilfe eines Messers eine 47-jährige russische Frau und deren fünf und sechs Jahre alte Kinder in seine Gewalt gebracht hatte.

Der fünfjährige Junge war bereits verletzt, der Mann habe weiter auf die Frau und beide Kinder eingewirkt. Deshalb hätten die Polizisten von ihren Schusswaffen Gebrauch gemacht, wobei der Afghane tödlich verletzt wurde. Auch der Fünfjährige erlag noch an Ort und Stelle seinen Verletzungen.

Die Frau erlitt schwere, aber nicht lebensgefährliche Messer-Verletzungen, teilte Rettungsdienstleiter Michael Daiminger mit. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht. Der sechsjährige Junge blieb unverletzt, erlitt aber einen schweren Schock. Ein Polizist und drei weitere Bewohner der Unterkunft kamen ebenfalls aufgrund eines Schocks in die Krankenhäuser nach Cham und Bad Kötzting.

Der Afghane und die russische Familie waren alle Bewohner der Unterkunft, zu den Hintergründen der Tat konnten die Polizisten vor Ort aber noch keine Angaben machen. Die Kriminalpolizei war ebenfalls vor Ort. Beamte des Landeskriminalamtes wurden hinzugerufen, um die Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs zu überprüfen. Es seien aber alles erfahrene Polizisten gewesen, betonte Müller.

Das Gelände ist derzeit noch weiträumig abgesperrt, das Heim wurde geräumt. Die Polizei ist in Kontakt mit dem Landrat, um die 18 Bewohner der Unterkunft, darunter drei Kleinkinder, vorübergehend anders unterbringen zu können. Mitarbeiter der Notfallseelsorge waren vor Ort, um die Leute zu versorgen und zu betreuen. Auch eine Dolmetscherin wurde hinzugerufen.

Auch ein Rettungshubschrauber wurde gerufen. Foto: Paleczek

Ein Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften war im Einsatz, berichtete Daiminger, darunter sieben Rettungswagen und die Unterstützungsgruppe. Zwei Hubschrauber waren angefordert, einer dann wieder abbstellt worden.

Schaulustige kamen auf Fahrrädern und mit dem Auto an den Einsatzort und versuchten zum Teil, Fotos zu machen. Polizisten mussten sich an mehreren Stellen positionieren, um das Gelände absperren zu können.

Die Aufregung in der Bevölkerung vor Ort war groß, in den sozialen Netzwerken kochte die Gerüchteküche. Von der Polizei war aber zunächst etwa eineinhalb Stunden lang keine Auskunft zu bekommen. Besorgte Bewohner der Asylbewerberunterkunft, die während des Vorfalls auswärts gewesen waren und zurückkamen, wurden nicht durchgelassen. Erst auf Drängen von Bürgermeister Michael Multerer, der ebenfalls zum Einsatzort kam, erklärten sich die Polizisten bereit, sich nach dem Wohlergehen ihrer Angehörigen zu erkundigen.

Der Bürgermeister ist erschüttert von dem Vorfall. Bislang habe es keine Probleme gegeben in der Asylbewerber-Unterkunft, sagt er im Gespräch mit unserem Medienhaus. Am Anfang seien nur immer wieder mal Gerüchte laut geworden, und die Polizei sei ab und zu vor Ort gewesen. Und als einmal ein Mann hinverwiesen wurde, habe es kurzzeitig Schlägereien unter den Volksgruppen gegeben. Aber das jetzt sei ein brutales Verbrechen, dem er sprachlos gegenüberstehe, sagt Multerer. Er habe die beiden russischen Buben gekannt. Sie wohnten bereits zwei/drei Jahre zusammen mit ihrer Mutter in der Unterkunft und hätten sehr gut deutsch gesprochen. Erst in dieser Woche habe man in der Gemeindeverwaltung darüber gesprochen, wie schön man sich mit ihnen unterhalten könne. Die Mutter sei eine nette, ruhige Frau.

Er habe bislang keine schlechten Erfahrungen mit den Asylbewerbern gemacht, sagt der Bürgermeister. Nun müsse man schauen, wie es weitergeht. Es sei bislang ja überhaupt nicht nachvollziehbar, was passiert sein könnte.

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