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Region Cham
Montag, 18. Dezember 2017 5

Sicherheit

Zwischen Bäumen und Funklöchern

Bayerische und tschechische Polizisten übten bei Rittsteig die Vermisstensuche. Erfolge und Probleme wurden schnell deutlich.
Von Maria Frisch

  • Zwischen Bäumen und Funklöchern: In der Suchkette musste die Übersicht bewahrt werden. Fotos: kli
  • Medieninteresse: Die Übungsaktion wurde von Medien beider Länder aufmerksam beobachtet. Mit Pressesprecher Albert Brück stand den Journalisten auch ein Profi als Ansprechpartner Rede und Antwort und erläuterte die Vorgänge. Fotos: kli

Neukirchen b. Hl. Blut.Der Übungsfall: Auf der tschechischen Seite ging bei der Polizei eine Meldung ein, dass eine Person namens Martin Lang vermisst wird, der in einem Brief Suizidabsichten geäußert hatte. In seiner Begleitung befanden sich zwei weitere Vermisste, von deren Absichten nichts bekannt war. Gleich nach Eingang der Vermisstenanzeige wurde die Suche aufgenommen und das Fahrzeug leer vor einer Lokalität entdeckt. Die Streifenbeamten haben im Anschluss daran Unterstützung durch Polizeieinsatzkräfte der tschechischen Republik und der deutschen Polizei angefordert, um eine Suchaktion durchzuführen.

An Einsatzkräften mangelte es nicht: 90 Beamte von beiden Seiten der Grenze machten sich an die Durchsuchung des Grenzgebietes bei Rittsteig. Im Ernstfall hätten sie natürlich Verstärkung von Hundeführen und ehrenamtlichen Helfern erhalten. Fotos: kli

Der Pilsener Polizei-Direktor Krakora: „Wir wollen feststellen, auf welchem Niveau sich unsere Zusammenarbeit befindet.“ Der Oberpfälzer Amtskollege Gerold Mahlmeister freute sich, dass eine Vielzahl von interessierten Beobachtern erschienen war. „Wir haben den Ablauf so geplant, dass alle bayerischen Kräfte auch auf tschechischer Seite eingesetzt werden. Das ist heute ein Novum“, so der bayerische Einsatzleiter Thomas Hecht. Nach der Einführung bildeten die 90 Einsatzkräfte eine Suchkette. Die Besonderheit war, dass alle Kollegen der tschechischen, Oberpfälzer und Bundespolizei durchgemischt wurden und in ihrer Konversation natürlich zum Teil an Grenzen stießen.

Anlass für die gemeinsame Übung im Grenzgebiet bei Rittsteig war das Inkrafttreten des neuen deutsch-tschechischen Polizei-Kooperationsvertrags. Übungszweck war das Zusammenwirken der tschechischen und deutschen Polizeieinsatzkräfte bei der Erfüllung der darin verankerten Artikel 11 bis 13.

Die Ausgangslage

Als Ausgangslage wurde angenommen, dass eine suizidgefährdete Person und zwei „Kumpels“ im unwegsamen Gelände vermisst waren, die nach dreieinhalbstündiger Suche aufgefunden und dem Rettungsdienst übergeben werden konnten.

Die Ortskundigen Markus Müller, Egid Hofmann und MdB Karl Holmeier gesellten sich zur geballten Polizei-Präsenz am Grenzübergang in Rittsteig auf. Bei einem Ernstfall könnten Aktive wie Markus Müller zu den benötigten Helfern gehören. Fotos: kli

Ein auffälliges Aufgebot an Polizeifahrzeugen und geballte Polizeipräsenz beider Nachbarländer beherrschte das Szenario am Donnerstagvormittag am Grenzübergang in Rittsteig. Hauptmann Sobota, Leiter der Krisenabteilung der Bezirkspolizeidirektion in Pilsen, und Polizeioberrat Jürgen Dodell von der Bayerischen Polizei hießen die Gäste von Rang und Namen willkommen. Von politischer Seite waren aus Deutschland MdB Karl Holmeier und stellvertretender Landrat und Neukirchner Bürgermeister Markus Müller sowie etliche tschechische Mandatsträger vor Ort. Nacheinander traten die Führungskräfte mit kurzen Grußworten ans Mikrofon, die von Dolmetscherinnen übersetzt wurden, darunter der Koordinator der Gebietsabteilung Lukas Kuban, der Einsatzleiter für die Bayerische Polizei, Thomas Hecht, sowie Leiter des Unterstützungskommandos der Bezirkspolizeidirektion Pilsen, Peter Macek.

Beobachter des Geschehens waren unter anderem der Oberpfälzer Polizeipräsident Gerold Mahlmeister. Sein Fazit der Übung fiel positiv aus, wenngleich die noch bestehenden Probleme bei solch einem angenommenen Ereignis nicht verschwiegen wurden. Fotos: kli

Die Artikel 11bis 13 regeln die Durchführung von grenzüberschreitenden Suchaktionen sowie den Einsatz von Polizeibeamten auf dem Gebiet des anderen Staates zum Zwecke der Unterstützung mitsamt der grenzüberschreitenden Gefahrenabwehr. Das neue Vertragswerk ermöglicht erweiterte Befugnisse im Vergleich zur früher geltenden Fassung und das sollte geübt werden. „Nach Eintreffen der Polizeieinsatzkräfte zu einem solchen Anlass wird ein gemeinsamer Stab rekrutiert“, erläuterte Sobota. Als Erschwernis suchten die Initiatoren ein Gelände aus, das nicht vollständig vom Mobilfunknetz abgedeckt ist.

Bessere Ausstattung nötig

Der Einsatzleiter auf bayerischer Seite, Thomas Hecht, war mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden. Verbessert werden sollte noch die technische Ausrüstung, um Funklöcher zu überbrücken. Auch die nach wie vor bestehende Sprachbarriere war ein Thema. Fotos: kli

Die drei Personen waren auseinandergelaufen. Zwei wurden auf tschechischem und eine auf deutschem Gebiet infolge der Einnahme einer Substanz bewusstlos aufgefunden. „Wir sind von der Zusammenarbeit her sehr gut aufgestellt“, so Thomas Hecht. Handlungsbedarf bestehe bei der technischen Ausstattung in Gegenden mit Funklöchern. Mit Hilfe von Dolmetschern und Sprachkundigen kam man über die Runden. Außerdem erwarten sich die Führungskräfte eine stete Besserung, weil Polizisten tschechische Sprachkurse absolvieren.

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