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Region Cham
Mittwoch, 22. November 2017 3

Kunst

Zwischen Dauer und Augenblick

Der Arnschwanger Bildhauer Toni Scheubeck wird am Mittwoch mit dem Kulturpreis Bayern für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Von Wolfgang Baumgartner

  • Toni Scheubeck arbeitet die Eigenschaften des Werkstücks heraus, ohne das Material in eine neue Form zu zwängen. Foto: wb
  • Der Bildhauer bei der Arbeit. Foto: fkr
  • Der Bildhauer mit seinem neuesten Werk. Foto: wb

Arnschwang. Die Ursprünglichkeit und Eigenart des natürlichen Materials mit respektvoller Einfühlung zu interpretieren hat den Arnschwanger Bildhauer Toni Scheubeck zu einem weit über die Grenzen des ostbayerischen Raumes hinaus bekannten und geschätzten Künstler gemacht. Nun wird der 69-Jährige für sein Lebenswerk mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet.

Im ehemaligen „Kramerladen“ seines Elternhauses in Arnschwang erhält der Besucher einen ersten Einblick in die vielfältige Schaffenskraft des Bildhauers Toni Scheubeck. Foto: wb
Spiegelbilder der Steinskulpturen in Holz. Scheubeck versteht es zudem brillant, den harten Stein so zu formen, dass er für den Betrachter die Anmutung des Weichen erfährt. Foto: wb
: Was aussieht, wie Spuren im Sand ist in Wirklichkeit eine massive Granitplatte. Foto: wb

Toni Scheubeck

  • Die Vita Geboren wurde Toni Scheubeck 1948 in Arnschwang; sein Vater betrieb eine Schreinerei, seine Mutter einen kleinen „Kramerladen.“ Nach dem Abitur studierte er von 1969 bis 1973 an der Akademie der Bildenden Künste in München.

  • Beruf Von 1975 bis 2010 war Toni Scheubeck Kunsterzieher am Fraunhofer-Gymnasium in Cham. Seit 1978 ist er Steinbildhauer und hat sich mit vielen Ausstellungen über die Region hinaus einen hervorragenden Ruf erworben.

  • Kunst

    Er war Gründungsmitglied und Kurator der städtischen Galerie im Cordonhaus in Cham von 1982 bis 2002. Werke von ihm sind unter anderem der Labyrinth-Brunnen für den Dorfplatz in Arnschwang aus dem Jahr 1995. Seit 1999 arbeitet der heute 69-Jährige auch mit Holzskulpturen.

  • International

    Seit 2001 nimmt Toni Scheubeck regelmäßig an internationalen Symposien teil. Zum 60. Geburtstag erschien eine umfangreiche Monografie und 2002 wurde in einem Film die Arbeit von Toni Scheubeck im BR gezeigt. (wb)

Die für diese besondere Ehrung von herausragenden Künstlern geschaffene Plastik - dem „Gedankenblitz“ - wird am kommenden Mittwoch im Rahmen eines Festaktes in Veitshöchheim an Toni Scheubeck verliehen. Der Kulturpreis Bayern des Bayernwerks und des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultur, Wissenschaft und Kunst ist die bisher höchste Auszeichnung, die der Arnschwanger Bildhauer erhalten hat. „Ich bin tief bewegt und freue mich sehr über diese Ehrung“, sagt der 69-Jährige im Gespräch mit unserem Medienhaus. Beim Rundgang durch das Atelier und die Ausstellungsräume in seinem Haus in Arnschwang wird sehr rasch die Beziehung zwischen Künstler und dem Werkstoff deutlich. Toni Scheubeck fasziniert durch die Einfachheit seiner Werke, die Reduktion der Ideen auf maximale Wirkung. Der harte Basalt, der dadurch, dass er eingeschnürt wird, die Anmutung des Weichen erfährt. Die zentnerschweren Steinsäulen, denen er federleichte Drahtgeflechte gegenüber stellt. Der Bildhauer von Skulpturen aus Stein und Holz arbeitet die Eigenschaften des Werkstücks heraus, ohne das Material in eine neue Form zu zwängen. Da sind zum Beispiel Steine, die beim Bau des Deschlberg-Tunnels aus dem Fels gesprengt wurden. Scheubeck erkannte sofort die bezaubernde Maserung des Gesteins. Er begann die Steine zu schleifen, bearbeitete sie Tage lang mit großer Hingabe und vollendete somit das von der Natur vorgegebene Kunstwerk. Bei vielen seiner Werke schafft der Bildhauer eine Dialektik von Zartheit und Rauheit. Andere Werkstücke dagegen behandelt er wie ein Steinmetz mit dem Meißel schafft es, dass durch diesen Prozess der Stein dann sein dunkles Geheimnis offenbart.

Ganz besonderen Formen und Figuren in Holz. Zum Beispiel ein „gebackener Kirchweih-Striezel“ aus einem mächtigen Kirschbaumstamm oder aufspritzende Wassertropfen. Foto: wb

Der ehemalige Kunsterzieher am Fraunhofer-Gymnasium in Cham hat sich immer wieder mit Fachkollegen zusammengesetzt, um den Gesetzen von Mathematik und Geometrie auf die Spur zu kommen. Mit großem Erfolg. In seinen Arbeiten gelingt dem Bildhauer die Spurensuche im Spannungsfeld zwischen Dauer und Augenblick. Toni Scheubeck setzt sich mit seinen Werken mit den Menschen, den Landschaften und den Materialen seiner heimatlichen Region intensiv auseinander. Er betont in seinen meditativen Stein- und Holzskulpturen Zeitloses. Seit einigen Jahren beteiligt sich Toni Scheubeck sehr erfolgreich an Bildhauersymposien und Ausstellungen im Nachbarland Tschechien. Nun wird er für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der Kulturpreis Bayern geht auf den Kulturpreis Ostbayern zurück, der erstmals 1959 verliehen wurde. Seither ist rund um die Auszeichnung zwischen Kunst und Wissenschaft ein Netzwerk herausragender Kunstschaffender entstanden.

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