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Bildung

Zwischen Keule und Smartphone

Jürgen Riedl hat an der Jubi Waldmünchen eine neue Aufgabe übernommen. Das Gauklertreffen ist das erste größere Projekt.
Von Petra Schoplocher

Jürgen Riedl ist seit 1. Juli Referent für Medienpädagogik und bezirkliche Bildung. Sein erstes großes Projekt ist das deutsch-tschechische Gauklertreffen, das am Wochenende über die Bühne geht und für das er mit Praktikantin Sonja Stelzer schon mal übt. „Sie werden mir zeigen, wie es richtig geht“, schmunzelt er. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Groß sind sie, die Fußstapfen, in die Jürgen Riedl seit 1. Juli getreten ist. Sorge bereiten sie dem 27-Jährigen aber nicht, der den Posten von Tobias Späth als Referent für Medienpädagogik und bezirkliche Bildung an der Jugendbildungsstätte (Jubi) Waldmünchen übernommen hat. Gerade in diesen Tagen, in denen für das deutsch-tschechische Gauklertreffen die letzten organisatorischen Handgriffe anfallen, ist der „B.A. Pädagogik“, so sein Studienabschluss, froh um die Arbeitsweise seines Vorgängers.

Dieser hat für jedes Seminar Listen vorbereitet, die Jürgen Riedl nun „nur“ abhaken muss. Was nicht bedeutet, dass sich Workshops oder Bildungsangebote aus dem Ärmel schütteln ließen, aber „man weiß eben, wo man hinlangen muss“, sagt Riedl. Geholfen haben auch zwei Monate Übergangszeit, in denen Tobias Späth noch „da“ war und immer wieder Übergabe-Absprachen möglich waren, weil Jürgen Riedl als Leiter einer der Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nur ein paar Meter zur Jubi hatte.

Folglich kann sich der „neue Alte“ – der 27-Jährige kennt die Jubi seit Zivildienst-Zeiten und hat immer bei Seminaren mitgewirkt – gleich an neue Inhalte machen. Über die deutsch-tschechische Zusammenarbeit hinaus schwebt ihm ein Jugendaustausch mit Frankreich vor, das 20-jährige Bestehen des deutsch-französischen Jugendwerks 2018 wäre ein willkommener Anlass für eine Kooperation Waldmünchen-Combourg, sinniert er.

Umgang mit Tablet und Co.

Gerade auch auf dem Feld der Medienpädagogik habe Tobias Späth, der als Caritas-Geschäftsführer in den Landkreis Bamberg gewechselt ist, ein wohl bestelltes Feld hinterlassen, lobt Riedl. Hier ergäben sich durch die rasanten Entwicklungen von alleine neue Aufgaben. So löse der kreative Umgang mit Tablet und Smartphone das „klassische Videofilmen“ ab, der altersgerechte und reflektierte Umgang mit modernen Endgeräten sei eine eigene Herausforderung, bei deren Bewältigung sich die Jubi engagieren will. Ganz aktuell mit einem Medienführerschein, ab September mit der Ausbildung von Medienscouts. Eine Hauptaufgabe von Jürgen Riedl wird sein, die Themen so aufzubereiten, dass sie für Jugendliche interessant sind.

Jürgen Riedl und das Gauklertreffen

  • Erster Kontakt

    Jürgen Riedl ist 27 Jahre alt und kennt die Jugendbildungsstätte schon aus seiner Zeit als Zivildienstleistender. „Dadurch bin ich zur Pädagogik gekommen“, sagt der Rhaner. Die Folge: Ein Studium der Erziehungswissenschaften in Bamberg mit Bachelor-Abschluss 2013.

  • Rückkehr

    Nach dem Studium arbeitete Jürgen Riedl erst ein Jahr in Straubing, ehe es ihn als Leiter einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zurück nach Waldmünchen zog. Die zwei Jahre dort brachte viele schöne Erfahrungen, der Wechsel zurück in die Bildung ein Wunsch.

  • Erstes Projekt

    Das deutsch-tschechische Gauklertreffen von Freitag bis Sonntag ist das erste Großprojekt des Referenten für Medienpädagogik und bezirkliche Bildung. Es beginnt am ersten Abend mit einer offenen Bühne in der Grundschulturnhalle. 140 Teilnehmer haben sich angemeldet.

  • Showabend

    Am Samstag laden die Gaukler für 20.30 Uhr zum Show-Abend in die TV-Halle ein. Es gibt Jonglage vom Feinsten, teils humorvoll dargebracht. Der kreative Kopf des Treffens, Franz Bauer, ist für die Inhalte verantwortlich. Karten gibt es an der Abendkasse, Infos unter www.gauklertreffen.de .

Lust auf die tschechische Sprache zu machen, ist ein weiterer Punkt, den der 27-Jährige auf seiner Agenda hat. Gerade in Zeiten wie diesen sei ein Zusammenrücken wichtig, unterstreicht er. Das deutsch-tschechische Gauklertreffen sei ein Paradebeispiel für ein Miteinander. Manche Gruppen kommen das erste Mal, andere seit Jahren und mittlerweile mit Kindern. „Im Haus ist kein Bett mehr frei“, freut sich Jürgen Riedl, dass die dreitägige Veranstaltung, die vom deutsch-tschechischen Zukunftsfond und dem Bezirk gefördert wird, so gut angenommen wird. Das Gauklertreffen in Waldmünchen ist das einzige mit („sehr guter“) Vollverpflegung und Unterbringung, erklärt der 27-Jährige einen Baustein des Erfolgs. Ein anderer neben dem Charakter eines Familientreffens: Die Stundenworkshops für alle Niveaus von Einsteiger bis Profi.

Während Franz Bauer der kreative Kopf des Gauklertreffens ist, sieht Jürgen Riedl seine Rolle als Organisator und Bindeglied zum Haus eher im Hintergrund. Das liegt ihm, allerdings werde er das Halten von Seminaren („das mache ich unglaublich gerne“) wohl das ein oder andere Mal vermissen, schätzt er.

Einfacher Einstieg

Auch für die Hobbys Radfahren und Joggen ist derzeit wenig Zeit, gibt der 27-Jährige, der zudem gerade Haus gebaut hat, zu. Das falle ihm aber gar nicht so auf, schließlich mache die neue Aufgabe großen Spaß, stellt er klar. Dass er sowohl Kollegen an der Jubi als auch die Örtlichkeiten schon kannte, sieht er wie die umfangreiche Übergabe als Riesenvorteil für seinen Einstieg in die neue Position. Allerdings ist nicht nur ihm, sondern auch einigen Kollegen klargeworden, wie groß das Engagement seines Vorgängers war. „Ich weiß nicht, ob die Jubi so da stünde, wenn nicht Tobias so viel geleistet hätte“, sagt Jürgen Riedl voll Anerkennung und meint damit nicht (nur) die vier Seiten Checkliste für das deutsch-tschechische Gauklertreffen.

Die Jubi, die er nun schon seit so vielen Jahren kennt, lebe von der Identifikation derer, die dort arbeiten, mit dem Haus, erzählt der 27-Jährige mit bewusst gewählter Distanz. Vielleicht hat Jürgen Riedl ja auch noch gar nicht gemerkt, dass er da auch über sich selbst gesprochen hat.

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