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Cham
Dienstag, 16. Januar 2018 7

Rückblick

Bad Kötztings Schuldenberg schrumpft

Vier Millionen Euro Stabilisierungshilfe drücken den Schuldenstand der Stadt überraschend auf unter 16 Millionen.
Von Stefan Weber

Erstmals seit 1999 sanken die Schulden im vergangenen Jahr auf unter 16Millionen Euro. Foto: dpa

Bad Kötzting.Es ist ein Tag Ende Oktober, der zu großer Verwunderung mit Blick auf den Schuldenstand der Stadt im Rathaus führt – im Gegensatz zu sonst oft in den vergangenen Jahrzehnten allerdings nicht im negativen, sondern im positiven Sinn. Vier Millionen Euro, so viel wie nie zuvor, werden der Stadt vom Freistaat Bayern als Stabilisierungshilfe in Aussicht gestellt. Im Jahr zuvor hatten zwei Millionen Euro den Schuldenstand bereits unter 20 Millionen Euro gedrückt, nun sinkt er auf unter 16 Millionen Euro.

1990: Mitte der 80er-Jahre hat die Stadt fünf Millionen Euro Schulden. Sie steigen durch die Erschließung des Schinderbuckels auf knapp acht Millionen. Foto: ec

Das ist zwar immer noch sehr viel Geld, wie der Vergleich mit anderen Städten zeigt: Die Kreisstadt Cham etwa hat neun Millionen Euro Schulden, die allerdings zu einem großen Teil durch den Bau der neuen Stadthalle herrühren. Die Nachbarstadt Furth im Wald hat rund 13 Millionen Euro Schulden, Waldmünchen 5,3 Millionen (allerdings ohne städtische Eigenbetriebe), Roding etwa 20 Millionen Euro Schulden.

Steuereinnahmen sind gestiegen

2000: Während die Erschließung fast refinanziert ist, steigt die Verschuldung durch den Bau der Spielbank um 13 Millionen Euro auf 21 Millionen. Foto: ksm

Darum hatte der Stadtrat in Bad Kötzting im Jahre 2010 ein Haushalts-Konsolidierungsprogramm beschlossen, das rund 800 000 Euro an Schuldenabbau jährlich vorsieht. Mit dem Amtsantritt von Bürgermeister Markus Hofmann nahm der Abbau durch die Beantragung von Stabilisierungshilfe allerdings an Fahrt auf. Insgesamt gab es in vier Auszahlungsrunden rund 7,3Millionen Euro zusätzlich für die Stadt. Darüber hinaus stiegen aufgrund der sehr guten wirtschaftlichen Lage die Gewerbesteuereinnahmen für Bad Kötztinger Verhältnisse auf geradezu schwindelerregende Höhen: von knapp zwei Millionen im Jahr 2007 auf über fünf Millionen 2016.

Kommentar

Zehn Jahre übersprungen

Als mir der Bürgermeister wenige Monate nach seinem Amtsantritt einmal im Vertrauen den Schuldenstand genannt hatte, auf den er in seiner Amtszeit zusteuern...

2008: Die Rekordverschuldung ist erreicht, sie liegt bei 28407664 Euro. Ein Konsolidierungsprogramm wird aufgelegt, um die Schuldenlast abzutragen. Foto: dpa

Im Gegenzug sanken zwar auch die Schlüsselzuweisungen an die Stadt, unterm Strich bleibt aber ein Schuldenabbau in fast zweistelliger Millionenhöhe in den vergangenen drei Jahren. Dass die Überweisung dieses Jahr so hoch ausfallen würde, damit hatte auch Bürgermeister Markus Hofmann nicht gerechnet, wie er im Gespräch mit unserem Medienhaus erst kürzlich erklärt hat. Er blickt in der Zwischenzeit schon weiter in die Zukunft: Denn wenn die Niedrigzinsphase noch bis zum nächsten Jahr anhält, dann kann die Stadt größere Kredite umschichten und kräftig Zinsen bei der Tilgung sparen.

Schon jetzt wird viel gespart

2014: Die erste Stabilisierungshilfe in Höhe von rund 100 000 Euro flattert ins Rathaus, im Jahr darauf waren es 1,2Millionen, 2016 zwei Millionen. Foto: wf

Schon jetzt spart die Stadt eine mittlere Summe im sechsstelligen Bereich jährlich dadurch, dass der Stand der Schulden so stark gesunken ist. Der Bürgermeister kündigte an, sich auch dieses Jahr wieder um die Stabilisierungshilfe bewerben zu wollen – mit ungewissem Ausgang, wie er betont. Damit die Stadt überhaupt für die Stabilisierungshilfe in Betracht gezogen wird, muss sie – so erklärt es Hofmann – aber auch ihren Sparwillen demonstrieren. Neben dem Haushalts-Konsolidierungskonzept gehörte dazu etwa auch, dass die Stadtbücherei im Vorjahr aus gemieteten Räumen in der Innenstadt auf das Gelände der ehemaligen Kaserne umziehen musste, oder auch am Feuerwerk beim Pfingstvolksfest gespart wurde. Auch Gebühren mussten bereits angehoben, Straßenausbaubeiträge erhoben werden. Entscheidungen dieser Art sind nicht immer populär, wie auch Hofmann erfahren musste. Doch sein Ziel ist klar definiert: „Wir müssen von den Schulden runter, um wieder handlungsfähig zu werden“, sagt er.

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