Rund 130 geladene Gäste verfolgten die Eröffnung des Freilichtmuseums Burg Runding.
Runding. Einst war sie die mächtigste Burganlage im Bayerischen Wald. Jahrhundertelang trutzte sie mit ihrem tiefen Burggraben und hohen Mauern Kriegen und Plünderungen. Durch ihre Hallen schritten Adelige und Mächtige ihrer Zeit: die Burg Runding. Fast fühlte man sich am Sonntag noch einmal in diese Zeit zurückversetzt, denn an der Eröffnung des Freilichtmuseums gaben der Burg Runding noch einmal Adel und Politiker die Ehre. Dass dieser Tag kommen könnte, hätte sich laut Franz Amberger, Vorsitzender der Burgfreunde, niemand in Runding auch nur annähernd träumen lassen und das Ergebnis übertrifft die höchsten Erwartungen.
Rund 130 geladene Gäste, darunter Hartmann von Bechtolsheim, Enkel von Richard von Notthafft, Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier, Vizelandrat Michael Dankerl, Landrat a.D. Theo Zellner und Landrat a.D. Ernst Girmindl, waren gekommen, um am Tag des Denkmals der Eröffnung und Segnung des Freilichtmuseums Burg Runding beizuwohnen.
100 Jahre im Dornröschenschlaf
Über 100 Jahre lang lag die Anlage in einem tiefen Dornröschenschlaf dem Verfall preisgegeben und unter wucherndem Grün begraben. Auf dem Schlossberg ragten bis vor 20 Jahren nur noch die Überreste des Dohlenturms, die Palasecke und der so genannte Söllerturm aus dem Waldboden. Doch mit dem Bewusstsein um die eigene bewegte Vergangenheit stieg in Runding der Wunsch nach einer Erhaltung der Burg.
Dazu gab es immer wieder Anstöße von außen. Franz Amberger, Vorsitzender der Burgfreunde Runding, nannte hier den Heimatpfleger Willi Strasser, der mit seinen Chamer Altstadtfreunden in den 80er Jahren wiederholt auf den Sanierungsbedarf aufmerksam gemacht hatte und Landrat a. D. Ernst Girmindl. Der wohl entscheidende Anstoß kam vom Arbeitskreis Heimatforschung im Kulturverein Bayerischer Wald. Dort widmeten die Regionalhistoriker unter Leitung von Herbert Maurer ihr Jahressymposium im Jahr 1990 der Burg Runding.
Sie wurden für ihre Verdienste um die Burg geehrt.
Eigentlich sollten nach ersten zaghaften Plänen nur die drei damals sichtbaren Mauerreste saniert werden. Die Gemeinde hatte dazu im Vorfeld einen langfristigen Pachtvertrag mit dem Grundstückseigentümer Josef Amberger abgeschlossen, der die Vorraussetzung für eine öffentliche Förderung darstellte. Schon die Kosten für die ersten Arbeiten beliefen sich auf 350.000 Euro, von denen die Gemeinde 195.000 übernahm. Erste Grabungen brachten neben unzähligen Alltagsgegenständen aus längst vergangenen Zeiten auch immer mehr Mauern zum Vorschein, die das Interesse auf mehr weckten. So wurden die Arbeiten erweitert auf das Doppelturmtor, das Osteck und die Giebelmauer des Getreidekastens in der Vorburg.
Viel Rückhalt und Begeisterung
Mit Archäologen Dr. Bernhard Ernst, bekamen die Grabungen laut Amberger eine völlig neue Qualität. Der im Dorf Runding 1996 gegründete Verein der „Burgfreunde“ investierte viel Herzblut in das Projekt in Form von 10.000 geleisteten freiwilligen Arbeitsstunden und finanzieller Unterstützung in Höhe von 50.000 Euro aus Vereinsmitteln, unter anderem aus Aktionen wie dem Burg-Cafè. Mit soviel Rückhalt und Begeisterung stieg der Wunsch nach einer völligen Freilegung der ehemals mächtigsten Burganlage, doch der Weg dorthin erwies sich mehr als steinig. Mit aufmunternden Zuspruch, unter anderem durch Landrat Theo Zellner, der sich immer wieder um Geldmittel bemühte, stemmte man in den vergangenen 19 Jahren die Sanierungsarbeiten und elf Grabungskampagnen. Die Mühe wird bereits mit vielen interessierten Besuchern belohnt, welche die 5300 Quadratmeter große sagenumwobene Anlage selbst erkunden oder bei den regelmäßigen Führungen teilnehmen. Auch Schulklassen aus dem ganzen Landkreis nutzten die Möglichkeit zu einem Ausflug ins Mittelalter.
Vizelandrat Michael Dankerl nannte es in der von der Kirta-Musi umrahmten Eröffnungsfeier erstaunlich und eindrucksvoll, was im Laufe der über ein Jahrzehnt andauernden archäologischen Ausgrabungen unter Leitung des Experten Dr. Bernhard Ernst im wahrsten Sinne des Wortes „ans Tageslicht befördert“ wurde. Dankerl wies auf die kleine Ausstellung in der alten Kirche mit einer Auswahl an Funden und historischen Abbildungen hin, mit denen man das Geschichtserlebnis perfekt abrunden kann. Sie wird von Günther Bauernfeind vom Museumsreferat des Landkreises betreut.
Die Infotafeln im ehemaligen Wohnturm wurden feierlich enthüllt.
Besonders stolz war man, bei der Eröffnung Hartmann von Bechtoldsheim, Enkel des Richard von Nothafft, zu begrüßen. Das Geschlecht der Nothaft bestimmte ab 1415 nach dem Gründergeschlecht der Runtinger, mit kurzer Unterbrechung durch das Geschlecht der Eyb in der Reformationszeit, über 400 Jahre lang die Geschicke der Burg und der zugehörigen Orte. Hartmann von Bechtoldsheim erklärte den Gästen, wie seine Vorfahren durch nie zurückerstattete Darlehen an das bayerische Herrschergeschlecht 1829 zum Verkauf dieses Besitzes gezwungen waren. Zur Feierstunde überraschte er die Rundinger mit einem historischen Schlüssel, der einst zu einem Tor der Burg Runding gehörte. Er überreichte diese symbolische Hausgewalt an Franz Amberger.
BGR und Ehrenbürger Karl Schmid oblag es, Gottes Segen auf das neue Freilichtmuseum herabzurufen, bevor im Wohnturm die Infotafeln enthüllt wurden. Ein gemeinsames Mittagessen schloss die offizielle Zeremonie auf dem Schlossberg bei strahlendem Sonnenschein und toller Aussicht.
Trotz dieses tollen Ergebnisses blieb ein großer Wunsch aller Burgfreunde und der Gemeinde bis jetzt unerfüllt: eine Gastronomie mit Museum. Beim Pfleghaus in der Vorburg wäre nach einer genehmigten Bauvoranfrage der erste Schritt getan, allein ein Investor fehlt bis jetzt. Führungen sind immer sonntags um 10.30 Uhr (Treffen bei der Infotafel Vorburg) oder auf Anfrage bei der Gemeinde.