Cham 04.10.2012, 16:22 Uhr

Das harte Los der Schlecker-Frauen

Die Insolvenz der Drogeriemarkt-Kette trifft die Ex-Mitarbeiterinnen im Landkreis Cham bis heute schwer. Neue Jobs lassen auf sich warten.

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Gähnende Leere: Ende Juni schlossen die letzten Filialen der Drogeriekette Schlecker. Foto: dpa

Gähnende Leere: Ende Juni schlossen die letzten Filialen der Drogeriekette Schlecker. Foto: dpa

Von Christoph Klöckner

Landkreis. Am kommenden Montag beginnt für Elisabeth Rädlinger und Kerstin Guschakowski das Fitness-Programm für den Arbeitsmarkt. Sie sind zwei von ehemals 36 Schlecker-Mitarbeiterinnen im Landkreis, die durch die Pleite der Drogeriemarkt-Kette ihren Arbeitsplatz verloren haben. Seit Juli suchen sie eine neue Beschäftigung – wie 18 weitere ihrer ehemaligen Kolleginnen. Nur sieben haben etwas Adäquates gefunden, der Rest befindet sich bereits in Qualifizierungsmaßnahmen oder Umschulungen. Nur eine einzige ist nach dem Wissen der beiden in der Altenpflege gelandet, keine in der Erziehungsbranche – ganz anders als die Vorhersage von Bundesministerin Ursula von der Leyen bei der Schlecker-Pleite vermuten ließ.

Kerstin Guschakowski war fast 20 Jahre bei Schlecker in Roding-Mitterdorf beschäftigt und Elisabeth Rädlinger ganze 16 Jahre in Furth im Wald am Stadtplatz. Es sei schwierig, eine neue Anstellung zu bekommen, sagen beide im Gespräch, zu dem die Agentur für Arbeit geladen hatte. Sie habe einige Vorstellungsgespräche gehabt, so Elisabeth Rädlinger. Vor allem beim Lohn musste sie häufig schlucken. Es werde oft ein Verdienst angeboten, der nicht reiche, um zu existieren, sagt sie.

Für Kerstin Guschakowski liegt ein „vernünftiger Lohn“ bei 9,50 oder zehn Euro – wobei sie damit im Vergleich zu Schlecker, der Tarif zahlte, bereits Abstriche gemacht hat. Traurig sei auch, dass viele nur noch 400-Euro-Kräfte haben wollten, so Elisabeth Rädlinger. Beide warten noch auf die Abfindung für ihre langjährige Arbeit für Schlecker – doch sei wohl nichts mehr zu holen. Kerstin Guschakowski sieht vor allem in ihrem Lebensalter ein Problem, eine Anstellung zu finden. Sie werde oft nicht einmal zum Vorstellungsgespräch geladen, weil sie über 50 Jahre alt sei. Und beide können sich nicht vorstellen, als Altenpflegerin zu arbeiten. Der Umgang mit Kunden sei ihr Metier, weniger die Pflege von Menschen. Wobei alte Schlecker-Stammkundschaft durchaus bei Problemen im persönlichen Gespräch wieder aufgebaut wurde. Elisabeth Rädlinger hat zwar jetzt ein Praktikum in einem Seniorenheim gemacht, leidet aber schon länger an Problemen mit der Bandscheibe und weiß, „das ist ein Knochenjob“.

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